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LEBENSKRAFT: An der grössten Esoterik-Messe der Schweiz will man vor Elektrosmog schützen

Die grösste Esoterik-Messe der Schweiz verjüngt sich. Galt es in früheren Zeiten, den «bösen Blick» abzuwehren, so will man sich jetzt vor modernen Belastungen schützen. Wie dem bösen Elektrosmog.
Roland Schäfli
Eine Besucherin der Esoterikmesse «Lebenskraft» lässt sich die Hand lesen: Gestalt, Textur und Linien zeigen angeblich individuelle Anlagen und Potenziale eines Menschen. (Bild: Benjamin Manser (Zürich, 3. Mai 2018))

Eine Besucherin der Esoterikmesse «Lebenskraft» lässt sich die Hand lesen: Gestalt, Textur und Linien zeigen angeblich individuelle Anlagen und Potenziale eines Menschen. (Bild: Benjamin Manser (Zürich, 3. Mai 2018))

Roland Schäfli

Stach Besuchern im Zürcher Kongresshaus jedes Jahr von neuem der Currygeruch in die Nase, soll nun eine frische Brise durch die «Lebenskraft» wehen. Jetzt heben die jungen Spiritualisten ab. In den 30 Jahren seit der ersten Durchführung ist eine neue Generation herangewachsen. Alles neu macht der Mai! Selbst der Austragungsort ist ein anderer: Weil das Kongresshaus umgebaut wird, stellen Mystiker und Medien in der Messe Zürich aus. Die Veranstalter hätten den gewohnten Curry-Caterer gerne dabei gehabt. Doch in Oerlikon werden geruchsneutrale Köche bevorzugt.

Vegane Ernährung, Yoga-Zubehör und Aura-Fotografie haben ihre Stammplätze besetzt. Auffallend sind die neuen, zeitgerechten Themen. Dem Elektro­smog widmet sich eine Ostschweizer Firma, die Fostac, in Bichwil daheim. Aus der Idee, die Wasseradern mit Wünschelruten aufzuspüren, um dann die Wände des Wohnhauses direkt auf die Adern zu platzieren, ist die Variante der Neuzeit gewachsen: CEO Bernhard Seelhofer hat die neue Zielgruppe im Bereich der Mobilfunkgeräte markiert. Entwickelt wurde ein Chip, der sich flach am Mobile Phone anpasst und die Strahlung neutralisiert. «Wir haben auch eine Smartphone-Variante», ergänzt er.

Bio-Tuning gegen Autobatterie

Im ähnlichen Geschäftsumfeld bewegt sich die «Swiss Harmony». Schlaflosigkeit, Vergesslichkeit, Konzentrationsschwächen: Die deuten nach Ansicht von Inhaber Richard Neubersch auf Elektrosmog hin. Der kommt nicht nur von ­Mobilfunksendemasten. Ihm ist man sogar im eigenen Auto ausgesetzt. Wo der «Car-Tuner», der Autobatterie angeheftet, Abhilfe schaffen soll. Die Basler Firma will wissenschaftlich belegen können, dass das unscheinbare Teil Schadstoffe und Treibstoffverbrauch reduziert. Wäre dann nicht die Automobilindustrie mit Vollgas hinter diesem Biotuning-Produkt her? «Sie glauben gar nicht, wie ­arrogant die sind», winkt Neubersch ­etwas unglücklich ab.

«Sich abschirmen» ist als Verkaufsargument zu hören, ebenso wie «sich entgiften». Die Reinigung von Körper und Geist durch Einflüsse der technisierten Gesellschaft zieht sich als Thema durch die Messestände. Da – eine Frau trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift «Reinigung». Fehlanzeige dieses Mal – bei ihr handelt es sich tatsächlich um eine Putzkraft.

«Unsere Gesellschaft spürt: Negative Gedanken stürmen auf uns ein», erklärt Christiana Cicero, Tochter der Messeveranstalterin Angelika Meier. Die Mutter hat die «Lebenskraft» vor 30 Jahren lanciert, nun findet die Staffelübergabe statt. Die 24-Jährige war praktisch schon vor ihrer Geburt dabei, «meine Mutter hat die Messe hochschwanger organisiert». Künftig wird Christiana Cicero das Nadelöhr sein, durch das Aussteller müssen. Denn entgegen landläufiger Meinung kann hier nicht jedes selbst ernannte Medium auf Beutejagd gehen. «Wir versuchen, alle Aussteller persönlich zu treffen, eine Testsitzung zu vereinbaren. Und manchen sagen wir danach ab.» Die Messeleitung will Wirkung und Absicht selbst einschätzen können. Dennoch: Oft fällen die Lebenskraft-Chefinnen den Entschluss rein intuitiv.

Mit der Verjüngung der Messeleitung wird die Themenwahl dem jungen Publikum angepasst. Cicero will die Plattform nutzen, um Lösungen für die Probleme der schnelllebigen Zeit anzubieten. Den Star-Referenten Detlef Soost, durch Castingshows zu einiger Berühmtheit gekommen (tatsächlich kann sein Management die Interview-Anfragen nur noch mit «Zwei-Minuten-Gesprächsslots» befriedigen), hat sie für ihr neues Forum «Young Spirit» geholt. Soost gibt Einblick in seine «Fünf Schritte zum Erfolg». Denn, das merkt Cicero gerne an, wer spirituell lebt, der braucht nicht zwangsläufig arm zu sein.

«Sie sollten sich nicht nur mit Ihrem Schreibkram beschäftigen»

Was die Skepsis im Rest der Bevölkerung angeht, glaubt sie hingegen nicht, dass sich viel geändert hat. «Wir hatten immer viel Gegenwind.» Der Begriff «Esoterik» sei nach wie vor negativ behaftet. Viel lieber nutzt die junge Frau mit dem tätowierten Schmetterling auf dem Rücken das Wort «Spiritualität». Cicero macht keinen Hehl aus ihrer Verletzlichkeit diesbezüglich: «Es tut weh, wenn man so viel Herzblut in eine Sache steckt und dann lächerlich gemacht wird.» Sie glaubt an Karma als ausgleichende ­Gerechtigkeit. Kritisiert haben ja die ­Medien (gemeint sind jetzt die Berichterstatter), nie die Besucher. Die kamen stets in Scharen, zählten in der Regel 6000. Gependelt wird viel an den Ständen, und noch mehr zwischen Messe und dem Hotel vis-à-vis. Im «Holiday Inn» werden Rahmenveranstaltungen und Lesungen durchgeführt, die im Messehaus keinen Platz finden. Sind die langjährigen Aussteller zufrieden mit dem neuen Messebild? Trauma-Therapeutin Baulo Elisabeth Blättener, seit 25 Jahren vor Ort, sagt kryptisch: «Besser oder schlechter, das ist nur eine Bewertung. Es ist, wie es ist.» Auch die Messeleiterin nimmt den Wandel gelassen: «Es ist wie im Leben, alles ist im Fluss.» Und die jugendliche Kartenlegerin Anna Maria: «Wenn es mir nicht gefallen würde, würde ich ja nicht wiederkommen.» Sie liest die Karten schon in vierter Generation, hat das Talent von den ungarischen Ahnen vererbt bekommen. «Sie sollten sich nicht nur mit Ihrem Schreibkram beschäftigen», rät sie diesem Schreibenden. Hätte er diesen Rat befolgt, könnte man das allerdings nicht in der Zeitung lesen.

Hinweis

Die laut eigener Mitteilung «wohl bekannteste Veranstaltung für Bewusst Sein» ist heute Sonntag bis 17 Uhr geöffnet.

«Lebenskraft»-Aussteller führen einen aztekischen Heilungstanz auf. (Bild: Benjamin Manser (Zürich, 3. Mai 2018))

«Lebenskraft»-Aussteller führen einen aztekischen Heilungstanz auf. (Bild: Benjamin Manser (Zürich, 3. Mai 2018))

Totenköpfe aus Halbedelsteinen für einen guten Energiefluss. (Bild: Benjamin Manser (Zürich, 3. Mai 2018))

Totenköpfe aus Halbedelsteinen für einen guten Energiefluss. (Bild: Benjamin Manser (Zürich, 3. Mai 2018))

Kartenlegen, um Antworten auf brennende Fragen zu finden. (Bild: Benjamin Manser (Zürich, 3. Mai 2018))

Kartenlegen, um Antworten auf brennende Fragen zu finden. (Bild: Benjamin Manser (Zürich, 3. Mai 2018))

Mineralien und Kristallen sagt man heilende Kräfte nach. (Bild: Benjamin Manser (Zürich, 3. Mai 2018))

Mineralien und Kristallen sagt man heilende Kräfte nach. (Bild: Benjamin Manser (Zürich, 3. Mai 2018))

Beim Fotografen: Welche Farbe hat deine Aura? (Bild: Benjamin Manser (Zürich, 3. Mai 2018))

Beim Fotografen: Welche Farbe hat deine Aura? (Bild: Benjamin Manser (Zürich, 3. Mai 2018))

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