LINDA FÄH: «Priesterheirat? Wo liegt da das Problem?»

Viel hektischer als früher erlebt Miss Schweiz Linda Fäh (22) die Adventszeit. Wie feiert sie Weihnachten? Und: Was sagt sie zum Zölibat und zum Ausgang der Minarett-Abstimmung?

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Die amtiernde Miss Schweiz Linda Fäh vor dem weihnächtlich geschmückten Bundeshaus in Bern. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Die amtiernde Miss Schweiz Linda Fäh vor dem weihnächtlich geschmückten Bundeshaus in Bern. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Wie verändert oder beeinflusst die Adventszeit Ihr Leben auf spiritueller Ebene?
Linda Fäh:
Sicher werde auch ich in dieser Zeit etwas besinnlicher als sonst. Man ist innerlich doch auch animiert, vielleicht eben mehr als sonst, zu helfen, zu unterstützen – und sicher nicht gerade zu streiten. Weil ich aber die Hälfte der Adventszeit in Südafrika verbrachte und erst gerade zurück bin, fühle ich mich noch nicht so richtig in Weihnachtsstimmung?

?aber das kommt noch, oder?
Fäh:
Ja sicher – und ich freue mich wie jedes Jahr. Auf unsere Weihnachten, die wir ganz traditionell Feiern. Mit meinen Eltern, meinem Bruder und meiner Schwester am 24. Dezember, dem feinen Essen meiner Mutter und dann die Mitternachtsmesse, die wir in Benken besuchen. Meine Eltern schmücken auch immer einen herrlichen Weihnachtsbaum, der bis heute noch bis zuletzt verdeckt bleibt. Auch Weihnachtsgeschichten werden vorgetragen – und ich singe jeweils. Am Weihnachtstag feiern wir dann traditionell bei unserem Grossmami. Zudem freue ich mich auf die ersten paar Ferientage danach. Es sind die ersten, die ich seit meiner Wahl im Oktober geniessen kann.

Gehen Sie auch sonst in die Kirche?
Fäh:
Eher unregelmässig. An Festtagen wie eben Weihnachten, Ostern oder etwa auch an Pfingsten aber sicher. Oder früher auf Reisen, da besuchte ich Kirchen vor Ort.

Beten Sie? Wie oft?
Fäh:
Ab und zu sicher, ja. Das ergibt sich auch unregelmässig. Vielleicht bete ich mal drei Monate nicht, dann aber wieder an drei Tagen hintereinander. Beten bedeutet für mich vor allem Danke sagen für alles, was ich machen darf. Eigentliche Dialoge mit Gott führe ich nicht.

Haben Sie Gott um Unterstützung oder Glück für Ihren Wahlsieg gebeten?
Fäh:
Nein, obwohl man das ja eigentlich denken könnte. Aber zwei Wochen vor der Wahl bin ich mit meinen Eltern in die Kirche beten gegangen, dass es mir während der Wahl gut geht und dass ich alles gut überstehen kann.

War der Glauben und die Religion Thema während den Vorbereitungen zur Miss-Schweiz-Wahl?
Fäh:
Nein, da standen von morgens früh bis abends spät das Training auf der Bühne im Vordergrund.

Die Religiosität unter der Schweizer Jugend – wie stark ist sie und wie äussert sie sich unter modernen Menschen?
Fäh:
In meiner Erfahrung und in meinem Freundeskreis ist das ganz selten ein Thema. Ich schätze, das ist bei jungen Menschen eher ein Thema, das einem selber beschäftigt und nicht gross nach aussen getragen wird.

Glauben Sie an das Schicksal von Menschen?
Fäh:
Ja, ich habe schon das Gefühl, das einige Ereignisse und Sachen im Leben eines Menschen vorbestimmt sind. Aber etwa an eine Wiedergeburt glaube ich nicht. Ich bin zwar sehr gespannt, was nach dem Tod kommen wird und begegne dieser Frage auch mit dem entsprechenden Respekt.

Was halten Sie vom Papst? Und von der aktuellen Diskussion um die Rehabilitation von erzkonservativen Bischöfen?
Fäh:
Das kann und will ich nicht beurteilen. Der Papst in dem Sinn ist für mich formal das Oberhaupt der Katholischen Kirche, was ich soweit einfach mal respektiere. Ich bin keine gross praktizierende Katholikin, aber ich habe eben meinen kleinen, einfachen Glauben, was vor allem auch von unserer Erziehung her rührt. Eine religiöse Bezugsperson ist der Papst in dem Sinn für mich nicht, denn ich beziehe mich selber lieber direkt zu Gott. Aber ich achte natürlich alle Menschen, die nach Rom pilgern – genauso wie andere, die eine andere Religion und andere Bezugspersonen haben. Jeder Mensch muss das ganz alleine mit sich selber ausmachen und das finden. was ihm am besten behagt und hilft, auch auf spiritueller Ebene.

Was halten Sie von den Themen Zölibat und weibliche Priester?
Fäh:
Ich finde, wenn ein katholischer Priester heiraten und eine Familien gründen möchte, dann soll er dies doch tun dürfen. Ich sehe das Problem nicht, das hat doch mit dem Glauben nichts zu tun.

Was halten Sie von der Minarett-Abstimmung in der Schweiz?
Fäh:
Da ich länger in Südafrika war, habe ich diese gar nicht mitbekommen. Ich habe mich mit dem Thema zu wenig befasst, als dass ich etwas dazu sagen kann. Nur soviel vielleicht: Das Ergebnis der Abstimmung hat mich nicht überrascht.

Glauben Sie an ein leben nach dem Tod?
Fäh:
Ich hoffe es, aber ich weiss es nicht. Darum habe ich grossen Respekt vor dieser Frage, da ich ja nicht weiss, was kommen wird.

Welches ist Ihr Lebensmotto?
Fäh:
Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.

Interview: André Häfliger