LINDA FÄH: Sie geht – und fordert mehr Allgemeinbildung

Am kommenden Samstag gibt Linda Fäh ihre Miss-Schweiz-Krone ab. Im Interview zieht sie Bilanz und spricht über Schönheit, Schulsysteme, Traummänner und ihre Zukunft.

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Linda Fäh. (Bild Pius Amrein/Neue LZ)

Linda Fäh. (Bild Pius Amrein/Neue LZ)

Wie lange brauchten Sie heute Morgen, um aufzustehen und zum Schminken?

Linda Fäh: Gar nicht lange, ich bin um zehn nach fünf Uhr aufgestanden und um sechs Uhr abgefahren. Geschminkt wurde ich dann vor dem Fotoshooting. Sonst brauche ich am Morgen rund 40 Minuten, um mich zu schminken, frisieren und anziehen.

Was tun Sie für Ihre körperliche Fitness?

Fäh: Ich gehe regelmässig, ein- oder zweimal in der Woche, ins Fitnessstudio, fahre ab und zu Velo oder mache Inline-Skating. Ich muss aber zugeben, dass meine sportliche Betätigung wegen meinen zahlreichen Terminen während des Amtsjahres zu kurz gekommen ist. Ich achte aber auch auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung.

Ist der Körperkult, der heute betrieben wird, eine gute Sache? Sehen Sie auch Grenzen?

Fäh: Die Grenze ist meiner Meinung nach dann erreicht, wenn man zu übertreiben beginnt und nicht mehr auf seinen eigenen Körper hört. Ich finde, man muss sich einfach wohl fühlen und darf nicht irgendwelchen Trends oder Kults nacheifern und sich dann schlecht fühlen. Ich esse auch alles, sogar gerne auch Schokolade. Aber wenn mir mein Körper sagt, du sollst ins Fitness, dann mache ich es auch.

Wie streng gehen Sie modischen Trends nach und wer beratet Sie?

Fäh: Ich renne nicht jedem Trend nach, nein. Ich trage das, was mir gefällt und was zu mir passt – nach eigenem Gutdünken. Allerdings habe ich das Privileg, Sachen unseres Kleidersponsors H&M auszusuchen, bevor diese in den Verkauf kamen. Dabei werde ich auch beraten und konnte dabei auch viel lernen.

Wenn Sie so in den Spiegel schauen: Absolut zufrieden?

Fäh: Ja, auf jeden Fall. Ich bin so auf die Welt gekommen, wie ich bin und bin damit absolut glücklich und zufrieden. Natürliche Schönheit finde ich die schönste, Schönheits-Operationen lehne ich ab, ausser wenn jemand aus ganz persönlichen Gründen, etwa kleine Naseneingriffe, oder in einer bestimmten Situation, etwa nach einem Unfall, es einfach braucht, um wieder zufrieden mit sich selbst zu sein.

Was bedeutet für Sie innere Schönheit?

Fäh: Das ist für mich das, was man schlussendlich als Mensch ausstrahlt. Hat man innerliches Gleichgewicht, dann strahlt man das auch aus. Ist jemand glücklich, hat er ein gutes Umfeld, ist er dankbar für das, was er hat und erleben darf, dann kommt das von innen und manifestiert sich nach aussen. Das ist für mich Schönheit und hat weniger mit Grösse, Gewicht oder Körpermassen zu tun.

Sie haben als eine der wenigen Missen offen über Ihren Glauben gesprochen und standen damit schnell im Fokus. Später wurde es ruhiger zu dem Thema. Haben Sie die Aussagen bereut?

Fäh (schmunzelt): Nun, da wurde wohl etwas übertrieben, als ich etwa als «Miss fromm» betitelt wurde, nur weil mein Vater mal gesagt hat, dass er vor meiner Wahl in der Kirche eine Kerze angezündet hatte. Ich selber aber hatte mich zum Thema Religion gar nicht geäussert, also kann ich auch nichts bereuen. Ich bin, wie so viele andere auch, eine ganz normale Katholikin und glaube an Gott. Ich habe meinen persönlichen Glauben und gehe so drei, vier Mal pro Jahr in die Kirche.

Freuen Sie sich, Ihr Amt abzugeben?

Fäh: Definitiv nicht! Ich würde liebend gern noch ein oder sogar zwei Jahre anhängen. Ich habe meine Tätigkeit von Anfang an sehr gerne gemacht und mich mit ihr auch von ganzem Herzen identifiziert. Und jetzt, nach einem Jahr, weiss ich ganz genau, was und wie das alles abläuft, wäre grad so richtig im Schuss, um weiterzumachen.

Aber Autogramme verteilen, anwesend sein, immer lächeln – wird das nicht mit der Zeit etwas langweilig?

Fäh: Überhaupt nicht! Die Faszination dieses Amtes liegt in den Facetten, die es hat. Jeder Tag ist anders, jeden Tag trifft man andere Leute, jeden Tag kann man Menschen Freude bereiten – das ist so was von spannend, dankbar und abwechslungsreich, das kann man sich gar nicht vorstellen! Klar ist es kein Amt, das man zehn Jahre inne haben kann. Aber so zwei, drei Jahre Miss Schweiz sein, diesen Vertrag würde ich sofort unterschreiben.

Uns scheint, andere Missen hat man mehr wahrgenommen als Linda Fäh. Wie sehen Sie das?

Fäh: Ich sehe und erlebe das nicht so, habe aber unterschiedliche Echos, das stimmt. Jeder empfindet das wohl etwas anders. Erst kürzlich sagte mir jemand, er habe noch nie eine Miss so präsent wahrgenommen wie ich. Nun, ich bin mit meiner Präsenz, sei es vor Ort oder in den Medien, absolut zufrieden. Ich bin hatte keine Skandale und bin froh, wenn man mich als fröhliche, natürliche und blonde Miss in Erinnerung behält.

Was werden Sie am meisten vermissen, wenn Sie nicht mehr Miss Schweiz sind?

Fäh: Den Kontakt zu den Menschen, mit denen ich zusammen arbeiten durfte. Die Sponsoren, die Auftraggeber, die Leute der Miss Schweiz Organisation – sie werden mir bestimmt fehlen, denn wir sind so etwas wie eine kleine Familie geworden. Aber auch die intensive Reisetätigkeit im In- und Ausland werde ich sicher vermissen.

Was am wenigsten?

Fäh (schmunzelt): Das frühe Aufstehen, so um drei, vier oder fünf Uhr, wie das doch oft der Fall war. Ich schlafe am Morgen gerne etwas länger und brauche eigentlich acht Stunden schlaf, was doch eher selten vorkam.

Als Sie vom Boulevard zur «Miss bieder» gekürt wurden haben Sie angekündigt, dass man schon noch merken werde, dass Sie nicht nur brav seien. Was sind denn Ihre dunklen Seiten?

Fäh: Also darüber konnte ich nur fest schmunzeln. Das wurde, muss ich sagen, von Leuten geschrieben, die mich noch nie getroffen haben. Jene aber, die mich kennen, wissen, dass ich alles andere als bieder bin. Ich kann ja durchaus frech oder keck sein, aber natürlich immer im anständigen und halt meistens im fröhlichen, im lebensfröhlichen Bereich. Meine grösste Schwäche ist wohl meine Sturheit. Aber das hat auch etwas Gutes: Ich habe einen starken Willen, wenn ich etwas erreichen will, bin ich extrem ehrgeizig. Weil ich dann auf dem beharre, wirke ich stur und kann vielleicht so schon jemanden vor den Kopf stossen.

Wie ist das eigentlich: Hat man als Miss-Kandidatin eine Vorstellung, was einen als gekrönte Miss alles erwartet, oder kommt das dann alles wie ein Sturzbach auf einen zu?

Fäh: Ja, in manchem schon. Ich hatte selber als Kandidatin, ausser den allgemeinen Infos, die uns meine Vorgängerin Whitney Toyloy gab, keine genauen Vorstellungen, ich wollte einfach unbedingt Miss Schweiz werden. In der ersten Zeit hat man als Miss aber den Vorteil, dass man von Karina Berger und Raffy Locher sehr professionell betreut wird. Dann aber musste ich meinen eigenen Weg gehen, musste sehr stark und diszipliniert sein. Damit hatte ich nie ein Problem, denn ich machte alles sehr gerne und dachte in keiner Sekunde daran, etwa meine Krone vorzeitig abzugeben.

Inwiefern hat Sie das Miss-Jahr persönlich verändert?

Fäh: Nur positiv: Ich bin extrem reifer, erwachsener und selbständiger geworden. Ich habe gelernt, mit Drucksituationen umzugehen. Durch die vielen Begegnungen sind sicher auch meine Menschenkenntnisse grösser geworden. Dadurch, dass viele Jobs unregelmässig und auch kurzfristig angesetzt sind, bin ich auch spontaner und flexibler geworden. Eine Tätigkeit mit festen Arbeitszeiten, wie früher auf der Bank, das käme für mich jetzt nicht mehr so in Frage.

Würden Sie nochmals an der Wahl teilnehmen?

Fäh: Ja sicher, ohne eine Sekunde zu überlegen!

Welche Aufgaben sollte Ihrer Meinung nach eine Schönheitskönigin übernehmen, wenn man ihr Pflichtenheft ganz neu definieren müsste?

Fäh: So, wie das Pflichtenheft jetzt aussieht, finde ich es gut und es ist meiner Meinung nach schwierig, da etwas zu verändern oder zu ergänzen. Alle möglichen Bereiche sind gut abgedeckt, realistisch und machbar definiert. Auch die Charity kommt nicht zu kurz: Ich durfte und werde mich auch weiter für die SOS Kinderdörfer und für eine grosse Krebs-Kampagne einsetzen.

Ihre Beziehung ging während des Amtsjahres in die Brüche. Ist das Amt ungeeignet für die Liebe?

Fäh: Mit dem Amt hat das gar nichts zu tun. Vor allem in meinem Alter ist das doch einfach etwas, was halt tausendfach vorkommt und deshalb auch bei vielen Schönheitsköniginnen halt eintrifft. Es kann, muss aber nicht funktionieren, aber mit meiner Krone hatte das nichts zu tun. Es wäre vielleicht nicht so plötzlich und schnell eingetroffen, wenn ich weiterhin auf der Bank gearbeitet hätte, weil ich mich halt in diesem Jahr extrem schnell weiter entwickelt habe. Ich merkte vielleicht schneller, dass ich meinen Weg mal alleine gehen muss.

Gibt es schon einen neuen Freund?

Fäh (lacht): Nein, ich halte es noch einen Monat alleine aus. Im erst: Die Trennung liegt ja erst gut drei Monate hinter uns. Ich bin jetzt glücklicher Single und geniesse es, mein Leben einmal ganz alleine zu meistern.

Welche Eigenschaften muss Ihr Traummann denn haben?

Fäh: Er muss sicher humorvoll, treu und ehrlich sein. Es sollte aber auch sportlich und ein Gentleman sein, so eine Mischung aus Macho und Charmeur, der mich vor allem charakterlich voll überzeugt.

Was machen sie mit der knappen halben Million Franken, die Sie in Ihrem Amtsjahr verdient haben?

Fäh: Das Geld liegt vorderhand auf der Bank. Sicher werde ich einen Teil davon anlegen, etwas brauchen für Auslandreisen, die ich sicher noch vorhabe. Einen Teil spare ich aber für später, eventuell für ein Haus, wenn ich mal eine Familie gründe.

Sie arbeiteten auf einer Bank. Was würden Sie jemandem empfehlen, der eine halbe Million anlegen möchte?

Fäh: Ich würde einen Mix zwischen kleinem Risiko, etwa Aktien, und Sicherheit, etwa Obligationen oder Edlemetalle wie Gold empfehlen. Dazu eine gute Portion Flüssiggeld und eine sichere Vorsorgestrategie. Ich selber würde zu 80 Prozent auf sichere Werte setzen und mit den restlichen 20 Prozent etwas spielerischer, sprich risikoreicher, umgehen.

Wie sehen Ihre konkreten Zukunftspläne aus?

Fäh: Ich will jetzt meine volle Energie in mein Musikprojekt stecken – und daneben weiterhin meinen Verpflichtungen und Engagements als Ex-Miss Schweiz, wie modeln oder moderieren, nachgehen. Als Sängerin habe ich einen Plattenvertrag erhalten und werde so schnell wie möglich, vielleicht sogar noch in diesem Jahr, mein erstes Album veröffentlichen. Zum Stil kann ich vorerst erst sagen, dass der Gesang sicher ganz fest zu mir passen wird.

Könnten Sie sich vorstellen, die Schweiz am Eurovision Song Contest zu vertreten?

Fäh: Ein solches Angebot, wenn es denn käme, würde ich sicher nicht zum vornherein ablehnen. Es wäre sicher eine ganz grosse, schöne Erfahrung – und verlieren könnte ich ja nicht viel, weil die Schweiz ja leider da schon so viel verloren hat.

Wie und wo lebt Linda Fäh in 10 Jahren?

Fäh: Dann hoffe ich, dass ich, natürlich immer noch in der Schweiz, glücklich verheiratet sein und hoffentlich bereits ein oder zwei Kids haben werde. Dann möchte ich aber auch auf eine spannende Karriere als Sängerin und Ex-Miss Schweiz zurück blicken kann und neben der Erziehung meiner Kinder in Teilzeit noch etwas weiter arbeiten kann.

Laut einem Interview in der Mittelland-Zeitung hat es Ihnen während des Miss-Jahres von allen Deutschschweizer Städten in Luzern am besten gefallen. Was hat Luzern, das andere Städte nicht haben?

Fäh: Luzern erinnert mich stark ans Tessin. Ich fühle mich da immer wie in den Ferien, ganz entspannt und fasziniert von der herrlichen See- und Bergregion. Kommt dazu, dass ich jedes Mal, wenn ich in Luzern, aber auch in der Umgebung, arbeiten durfte, überall sehr nette, zuvorkommende und fröhliche Menschen angetroffen habe.

Unter zwei Kandidatinnen, die Ihre Nachfolge antreten wollen, haben zwei lediglich drei und vier Kantonswappen korrekt auf die Landeskarte eingetragen. Stimmt etwas in unserem Schulsystem nicht?

Fäh: Vermutlich liegt das daran, dass man im Laufe seiner Ausbildung heute doch relativ rasch in spezifische und spezialisierte Bereiche gelangt. Allgemeines Wissen liegt da entweder schon länger zurück oder kommt generell zu kurz. Ich bin deshalb der Meinung, man sollte bis zum Ende der Schule, auch in den Berufs-, Sekundar- oder Mittel-Schulen, generell ein Fach Allgemeinbildung einführen.

Könnten Sie sich vorstellen, ein politisches Amt zu bekleiden?

Fäh: Nein, ganz und gar nicht. Da gibt es viele, die das viel besser machen als ich. Dazu bin ich einfach zu neutral und liberal eingestellt gegenüber allem.

Sind Sie für oder gegen eine Volkswahl in den Bundesrat?

Fäh (schmunzelt): Da fängt es schon an! Ich kann nicht sagen, was besser ist. Zum einen ist es sicher gut, wenn die vereinigte Bundesversammlung die Regierung wählt, weil da Leute sitzen, welche die Anforderungsprofile ganz genau kennen. Andererseits würde ich es schlicht und einfach auch fair finden, wenn die Wahl beim Volk liegen würde.

Wen würden Sie denn am 22. September in den Bundesrat wählen?

Fäh: Ich will mich da nicht auf die Äste rauslassen, würde es aber begrüssen, wenn es eine Frau und ein Mann schaffen würden.

Welchen oder welche Fehler darf Ihre Nachfolgerin nicht machen?

Fäh: Unpünktlich sein, kompliziert sein und sich keine Zeit für Menschen nehmen.

Interview: André Häfliger

HINWEIS
Wahl Miss Schweiz 2010/11: Samstag, 25. September, SF1 live ab 20.05 Uhr.