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LINSEN: Glücksbringer auf dem Teller

Die kleinsten unter den Hülsenfrüchten sollen im neuen Jahr Glück bringen. Sie passen zu exotischen ­Gewürzen, liefern wertvolles Eiweiss – und bringen etwas Märchenzauber auf den Tisch.
Melissa Müller
Die Italiener essen in der Silvesternacht Linsen – das soll im neuen Jahr einen Geldsegen bringen. Die kleinen schwarzen Beluga-Linsen (Bild) sind besonders delikat. (Bild: Urs Bucher)

Die Italiener essen in der Silvesternacht Linsen – das soll im neuen Jahr einen Geldsegen bringen. Die kleinen schwarzen Beluga-Linsen (Bild) sind besonders delikat. (Bild: Urs Bucher)

Melissa Müller

«Linsen eignen sich immer dann gut, wenn eine märchenhafte Stimmung herbeigezaubert werden soll», schrieb die verstorbene Schweizer Gourmetköchin Elfy Casty in ihrem Kochbuch «Mit einer Prise Leidenschaft». Immerhin brachten sie Aschenputtel Glück. Dem schönen Mädchen halfen die Tauben beim Aussortieren der Linsen – «Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen» – und die böse Stiefmutter und ihre Töchter fielen aus allen Wolken, als sich das verstossene Aschenputtel dann den Prinzen schnappte.

In Italien kommen die Linsen traditionell an Silvester auf den Tisch – weil ihre Form an kleine Münzen erinnert. Der Glaube an den Zusammenhang zwischen Linsen und Geld hat sich seit Generationen hartnäckig gehalten. Auch in den USA gelten sie als Glücksbringer. Unsere deutschen Nachbarn löffeln am 1. Januar auch gerne Linsensuppe. Etwas muss also dran sein an der Sache mit den Linsen, dem Geld und dem Glück.

Lange war die schmackhafte kleine Hülsenfrucht vom Speisezettel verschwunden und in Vergessenheit geraten. Seit einiger Zeit erlebt sie nun ein Comeback. Man denke nur an das Dal aus ­roten Linsen, das zu einem sämigen, würzigen Brei verkocht wird und in Indien fast täglich auf den Tisch kommt. Oder an die orientalische Linsensuppe, die beim Libanesen um die Ecke als Appetizer gereicht wird.

Unverzichtbar für Veganer

Linsen sind kostengünstig, galten früher als Armeleuteessen. Dass die Nährstoffbömbchen reich an Eisen, Mineral- und Ballaststoffen sind, hat sich allmählich herumgesprochen. Ihr hoher Gehalt an hochwertigem Eiweiss macht sie zu einem unverzichtbaren ­Bestandteil der veganen und ­vegetarischen Küche. Aber auch zu Fleisch passen sie vorzüglich. Mit Speck bilden sie ein Dreamteam. Ein herzhaft-deftiger Eintopf mit Tessiner Salsiccia oder Lughanighe ist ebenfalls ein ­gutes, einfaches Gericht.

Für spontane Kochaktionen geeignet

Die kleinsten aller Hülsenfrüchte sind für spontane Kochaktionen geeignet. Im Gegensatz zu roten Bohnen oder Kichererbsen sind sie schnell gar, ein Einweichen über Nacht entfällt. Darum kann es nicht schaden, stets ­einen Vorrat im Küchenschrank zu lagern. Pikant und mit exotischen Gewürzen schmecken sie be­sonders gut. Da ist schnell und unkompliziert ein schmackhaftes Essen zusammengebrutzelt: Frisch geriebener Ingwer, Zwiebel, Knoblauch, Chili, Koreander- und Kreuzkümmelsamen im Fett anbraten. Linsen dazugeben, mit Bouillon auffüllen, auf kleiner Flamme garen lassen. Nach etwa 20 Minuten mit Curry, Kurkuma und Kokosmilch abschmecken und mit Reis oder Kartoffeln geniessen. Ist auch noch ein, zwei Tage später köstlich, wenn etwas übrig bleibt. Aufgewärmt schmeckt’s sogar noch besser.

Doch auch auf italienische Art zubereitet – mit einem Lorbeerblatt, etwas Tomatenpüree, Rüebli, Sellerie und Lauch – erfreuen die bekömmlichen Sattmacher Gemüt und Magen. Vor dem Servieren einen Schuss Balsamico zufügen, ergibt eine angenehme Säure. Wer mag, toppt das Ganze mit einem Löffel Crème fraîche oder Rahm.

Unerwünschte ­Nebenwirkungen

Linsen sind gut gegen den Winterblues, wenn man Lust auf Wärmendes und Sättigendes hat. Kommt man nach einem Spaziergang aus der Kälte durchfroren in die gute ­Stube, wärmt eine heisse Linsensuppe Hände und Herz.

Zurück zur Silvesternacht und zum Wunschdenken: Manche Italiener behaupten, je mehr Linsen man am 31. Dezember verspeise, desto reicher werde man im neuen Jahr. Wer über die Stränge schlägt, kann aber wohl eher mit Blähungen als mit einem prallen Portemonnaie rechnen. Schuld ist ein in Hülsenfrüchten enthaltenes unverdauliches Kohlenhydrat. Etwas abmildern kann man diesen Effekt durch die Zugabe von bekömmlichen Gewürzen wie Kümmel und Fenchelsamen, die sich positiv auf den Magen-Darm-Trakt auswirken. Die Kusspartner um Mitternacht werden es einem danken.

Selbst wenn der Esser auch nach der Silversternacht ein armer Schlucker bleibt, satt und ­zufrieden macht so ein Linsen­gericht allemal. Und vielleicht regt es sogar die Liebeslust an: Der griechische Komödiendichter Aristophanes pries die Linse als kräftigendes, wunderbares Liebesmittel. Ob Aschenputtel das geahnt hat?

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