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LITERATUR: Der Nobelpreis bröckelt

Zerstritten, korrupt, handlungsunfähig – die Vorwürfe gegen die Schwedische Akademie, die den Literaturnobelpreis verleiht, sind happig. Nun kämpft sie um ihr Überleben.
Hansruedi Kugler
Literaturprofessorin und Akademie-Sekretärin Sara Danius bei der Verleihung des Nobelpreises für Literatur im Dezember 2017. (Bild: Pascal Le Segretain/Getty (Stockholm, 10. Dezember 2017))

Literaturprofessorin und Akademie-Sekretärin Sara Danius bei der Verleihung des Nobelpreises für Literatur im Dezember 2017. (Bild: Pascal Le Segretain/Getty (Stockholm, 10. Dezember 2017))

Wahrscheinlich ist der Vorschlag des Literaturkritikers Martin Ebel vom «Tages Anzeiger» der richtige Rat inmitten einer hysterischen Aufregung: der Nobelpreis für Literatur soll ein Jahr pausieren und dieses Jahr für eine Neugeburt nutzen. «Die Akademie muss aufgelöst, der traurige Rest entlassen werden», schreibt Ebel. Es ist ein Vorschlag zur Güte. Denn die Schwedische Akademie, die den mit einer knappen Million Franken dotierten Preis jeweils im Oktober verleiht, hat sich bis auf die Knochen blamiert und ihre Glaubwürdigkeit verloren. In ihrer jetzigen Zusammensetzung scheint das Gremium bis zur Handlungsunfähigkeit zerstritten. Die Feuilletons übertreffen sich seit Tagen mit Superlativen: Die Schwedische Akademie wird wahlweise als Bande und Saustall tituliert.

Sexuelle Gefälligkeiten für Kulturgelder

Die Aufregung verwundert nicht. Denn Auslöser der derzeitigen Krise waren mehrere Fälle von sexueller Erpressung und Selbstbereicherung: Der Fotograf Jean-Claude Arnauld, verheiratet mit der Lyrikerin und Akademiemitglied Katarine Frostenson, nutzte seine Position als Leiter eines in Schweden sehr einflussreichen Kulturclubs. 18 Frauen bezeugten, dass Arnauld Kulturförderung von sexuellen Gefälligkeiten abhängig gemacht habe. Der Kulturclub bekam zudem Geld von der Akademie, Arnaulds Gattin Katarine Frostenson, die Teilhaberin des Kulturclubs war, trat bei solchen Akademie-Entscheiden nicht in den Ausstand und finanzierte sich so gleich selbst mit. Die Vorwürfe sind durch ein juristisches Gutachten belegt, das die Akademie-Sekretärin Sara Danius in Auftrag gegeben hatte. In der Folge kam es zu drei Austritten aus Protest. Die Akademie aber wollte Frostenson nicht ausschliessen, worauf Sara Danius zurücktrat. Mit öffentlicher Beschimpfung blamierten sich die Akademiemitglieder endgültig.

Stellt sich die Frage, welcher Autor den Preis eines solchen moralisch ramponierten Gremiums noch annehmen würde. Leider bekommen durch diese Krise all jene Aufwind, die den Nobelpreis für Literatur Jahr für Jahr verächtlich kommentieren oder gar dessen Abschaffung fordern. Regelmässig wird dem Gremium etwa vorgeworfen, die politische Gesinnung eines Autors höher zu gewichten als dessen literarische Qualität. Darüber geht aber vergessen, dass der Nobelpreis nach wie vor der einzige Literaturpreis mit globaler Ausstrahlung ist. Ob einen die literarischen Entdeckungen verzücken oder ärgern, ist dann zweitrangig. Zudem lässt sich mit nötiger Gelassenheit auch Jahr für Jahr über Sinn, Wirkung und Stil von Literatur diskutieren.

Da die Mitglieder auf Lebenszeit gewählt sind, ist eine Neugeburt der Akademie knifflig. Pausen gab es – in Kriegszeiten. Der König von Schweden, Schirmherr über die 1786 gegründete Akademie, die seit 1901 den Nobelpreis für Literatur vergibt, hat interveniert. Mit noch 11 von 18 Mitglieder sei das Gremium unterbesetzt, ein Rücktrittsrecht und Neuwahlen zu Lebzeiten sind nun möglich. Ohne einen personellen Neubeginn aber wird die Reputation der Akademie schwer angeschlagen bleiben.

Hansruedi Kugler

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