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LONDON: Britische Behörden sehen tausende Hochhausbewohner in Gefahr

Der verheerende Hochhausbrand in London vor knapp zwei Wochen entwickelt sich zu einem landesweiten Bauskandal. Experten entdeckten bereits an mindestens 34 Hochhäusern in Grossbritannien leicht entflammbare Aussenfassaden.
Im Zentrum der britischen Hauptstadt London steht ein Hochhaus vollkommen in Flammen. (Bild: EPA/Facundo Arrizabalaga)

Im Zentrum der britischen Hauptstadt London steht ein Hochhaus vollkommen in Flammen. (Bild: EPA/Facundo Arrizabalaga)

"Wir haben bislang 34 Hochhäuser untersucht und leider eine 100-prozentige Trefferquote", sagte eine Regierungsmitarbeiterin am Sonntag. Betroffen sind nicht nur Gebäude in London, sondern auch in Manchester, Portsmouth und Plymouth.

Nach der Brandkatastrophe hatte die britische Regierung eine rasche Überprüfung sämtlicher Sozialbauten im Land angeordnet. Insgesamt sollen bei 600 Hochhäusern die Fassadenverkleidungen untersucht werden.

Premierministerin Theresa May sagte, in einigen Fällen seien Nachbesserungen an den Gebäuden ohne Evakuierungen möglich. "In anderen wird es notwendig sein, dass die Menschen die Häuser zeitweise verlassen, wie es im Stadtteil Camden der Fall war."

Evakuierung mitten in der Nacht

Dort mussten 4000 Menschen mitten in der Nacht zum Samstag fünf Hochhäuser verlassen. Sie wurden in Hotels und Sporthallen untergebracht. An den geräumten Gebäuden war zuvor eine ähnlich leicht entflammbare Fassadenverkleidung festgestellt worden wie am Grenfell Tower.

"Wir können kein Risiko eingehen", begründete Georgia Gould von der Verwaltung von Camden die nächtliche Evakuierung der Wohnanlage Chalcots Estate. Die Sanierungsarbeiten würden bis zu vier Wochen dauern.

Die Evakuierten verbrachten die ersten beiden Nächte in Notunterkünften, Hotels oder bei Freunden. Mehr als 80 Bewohner weigerten sich allerdings zunächst, ihre Wohnungen zu verlassen. Die meisten von ihnen räumten dann am Sonntag ihre Bleibe.

Die Bewohner eines der geräumten Hochhäuser konnten am Samstag jedoch wieder zurückkehren, nachdem die Feuerwehr das Gebäude für sicher erklärte hatte.

Bewohner sprechen von Panikmache

Die Evakuierung traf die Bewohner weitgehend unvorbereitet. Sie beklagten, dass sie aus den Medien von der anstehenden Räumung der Gebäude erfuhren. Viele Betroffene zeigten sich wütend über die plötzliche Aufforderung zur Evakuierung und warfen der Verwaltung Panikmache vor.

"Das ist total verrrückt. Was hätte eine weitere Nacht schon für einen Unterschied gemacht?" fragte Melanie Tham. Der 19-jährige Ahmed Mohamed pflichtete ihr bei: "Es war ein totales Durcheinander. Wir hatten nur fünf Minuten, um unsere Sachen zu packen."

Londons Bürgermeister Sadiq Khan verteidigte die Massnahme. "Man kann doch nicht russisches Roulette mit der Sicherheit von Menschen spielen", sagte er dem Sender Sky News am Sonntag.

Corbyn fordert Krisensitzung

Nach Ansicht von Labour-Chef Jeremy Corbyn sollte Premierministerin May eine Krisensitzung einberufen. Nur so könnten Massnahmen gegen mangelhaften Brandschutz besser koordiniert werden. Es handle sich um eine "landesweite Bedrohung", warnte Corbyn.

Beim verheerenden Brand im 24-stöckigen Grenfell Tower waren in der Nacht zum 14. Juni mindestens 79 Menschen ums Leben gekommen. Nach Erkenntnissen der Ermittler wurde das Feuer durch einen defekten Kühlschrank ausgelöst.

Das Feuer breitete sich nach Ermittlungen der Experten an der Aussenfassade rasend schnell durch brennbares Dämm-Material aus, das nicht hätte verwendet werden dürfen.

Geprüft wird nun eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung. Bei dem Feuer starben mindestens 79 Menschen. Es war die schwerste Brandkatastrophe in Grossbritannien seit dem Zweiten Weltkrieg.

sda

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