LONDON: Diana, die Mode-Ikone

Im Kensington-Palast erinnert eine Ausstellung an die berühmtesten Kleider von Prinzessin Diana, deren Tod sich zum 20. Mal jährt.

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Diana in ihrem legendären blauen Abendkleid. (Bild: Jacqueline Arzt/AP (London, 3. Juni 1997))

Diana in ihrem legendären blauen Abendkleid. (Bild: Jacqueline Arzt/AP (London, 3. Juni 1997))

Mag es in den Kinderzimmern von Prinz George (3) und der 21 Monate alten Prinzessin Charlotte auch rund gehen – in den öffentlich zugänglichen Räumen des Kensington-Palastes in London war es zuletzt sehr ruhig. «Das ist immer so», erläutert eine Aufseherin. «Ehe eine neue Ausstellung eröffnet wird, haben wir wenig Andrang.»

Das wird jetzt wieder anders, darauf deutet jedenfalls der Vorverkauf hin. In der könig­lichen Residenz im Londoner Westen ist seit vergangenem Freitag eine neue Dauerausstellung zu sehen, die eine welt­weite Celebrity ins Gedächtnis ruft. «Diana – die Geschichte ihrer Mode» erinnert an die früh verstorbene Grossmutter der royalen Kinder. Ende August jährt sich zum 20. Mal der Todestag von Diana.

Anhand der 25 ausgestellten Kleider sowie 13 Entwürfen für neue Kreationen lässt sich der kometenhafte Aufstieg des adeligen Teenagers vom eng­lischen Land zur weltweiten Ikone nachvollziehen. Oder anders gesagt: die Verwandlung eines scheuen, mädchenhaften Wesens in eine selbstbewusste Erwachsene. Das sei doch in gewisser Weise die Geschichte jeder Frau, sagt Ausstellungs­designerin Poppy Cooper und schiebt eilig nach: «Wir ent­wickeln unseren eigenen Stil erst nach und nach.» So reicht die Palette von dem rustikalen Tweed-Kostüm, das die 20-Jährige während ihrer Flitter­wochen auf Schloss Balmoral trug, bis zu dem kurzen Sommerkleid, das Catherine Walker im letzten Lebensjahr der Prinzessin kreierte. Diana trug es zu der berühmten Auktion, auf der viele ihrer berühmtesten Kleider für wohltätige Zwecke unter den Hammer kamen und umgerechnet 5 Millionen Franken einbrachten. Das creme­farbene Blumenmuster war ­betont dezent gehalten, um nicht vom Glamour der Versteigerungsobjekte abzulenken. Als erstes Mitglied des Königs­hauses trug Diana Schwarz nicht nur zu Beerdigungen, als Erste verzichtete sie auf Handschuhe, um auf Terminen Menschen näher sein zu können. Dass sie auf dem Höhepunkt der Aids-Hysterie einem Kranken die Hand gab, ja ihn umarmte, machte sie zur Heldin der Schwulen-Bewegung. Auf Staatsbesuchen beeindruckte sie die Spanier mit einer Flamenco-Kreation von Murray Arbeid; in Saudi-Arabien war das züchtig hochgeschlossene Kleid (Designerin: Catherine Walker) mit Falken, dem Nationalvogel des Landes, bestickt.

Am Ende ihres Lebens, nach der Scheidung von Charles, wollte die Prinzessin«ein Arbeitstier statt einer Kleiderstange» sein. Ihr Stil spiegelte dies wider, und wiederum schneiderte Catherine Walker ein dazu passendes, elegant geschnittenes, hellblaues Kleid – eher die praktische Kleidung einer stark beanspruchten Managerin als einer Prinzessin.

Ob die Schau auch bei jenen Nachgeborenen Interesse wecken kann, die den Hype um die einstige «Prinzessin der Herzen» (Selbstbeschreibung) nicht selber erlebt haben? Zuletzt war es still geworden um Diana, sieht man einmal von den unvermeidlichen Vergleichen ab, die royale Beobachter gern zwischen Prinzessin Kate und ihrer verstorbenen Schwiegermutter ziehen.

Die rechte Intellektuellen-­Postille veröffentlichte rechtzeitig zur Ausstellung den Artikel einer Katholikin über die Frage, ob Charles’ zweite Gattin Camilla dereinst den Titel einer Prinzgemahlin (princess consort) oder doch einer Königin führen solle – Letzteres käme «einer Belohnung für Ehebruch» gleich und sei verwerflich. Der säkularen Nation dürften solche Albernheiten herzlich egal sein. Hauptsache, es gibt in regel­mässigen Abständen süsse Bil­der von George und Charlotte.

Sebastian Borger