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LONDON: Uber-Chef will Lizenz zurückgewinnen

Der Chef der Taxi-Plattform Uber will die lukrative Lizenz in der englischen Hauptstadt unbedingt zurückgewinnen. Dafür ist er nun zu Kreuze gekrochen.
Uber-Chef Dara Khosrowshahi. (Bild: Drew Angerer/Getty Images)

Uber-Chef Dara Khosrowshahi. (Bild: Drew Angerer/Getty Images)

Um einen Flug nach London wird Dara Khosrowshahi in den nächsten Tagen kaum herumkommen. Vielleicht bucht der US-Amerikaner iranischer Abstammung die Reise aus alter Gewohnheit bei Expedia, immerhin stand er der Reise-Website bis vor kurzem vor. Ob er sich bereits nach dem alten Job (letzter Jahresverdienst: 96,4 Millionen US-Dollar) zurücksehnt? Erst zu Monatsbeginn trat der 48-Jährige seine neue Stellung als Vorstandschef beim berüchtigten Taxi-Unternehmen Uber an – und schon ist einer der lukrativsten Märkte weltweit gefährdet.

Der Lizenzentzug durch die Londoner Verkehrsbehörde TfL trifft die weltweit in 633 Städten aktive Firma in einer Umbruchphase. Gründerchef Travis Kalanick wurde im Juni wegen allerlei Skandalen zum Rücktritt gezwungen, von denen einige auch in der Londoner Verfügung eine Rolle spielen: Knebelverträge für die angeblich freiberuflichen Fahrer, Mobbing am Arbeitsplatz und allzu laxer Umgang mit Vorwürfen, wonach einige Fahrer ihre weiblichen Fahrgäste sexuell belästigt hatten.

Khosrowshahi muss rasch sein neues Führungsteam zusammenstellen; nicht zuletzt braucht er einen neuen Finanzvorstand für die Verhandlungen mit Investoren, die dem tiefrote Zahlen schreibenden Unternehmen eine neue Cashspritze von 10 Milliarden US-Dollar gewähren sollen. Umso gefährlicher ist die Londoner Krise, schliesslich gehört die Weltstadt an der Themse zu den einträglichsten Märkten für Uber. Dort gibt es, anders als in grossen US-Städten durch Lyft, bisher noch keine echte Konkurrenz für die Datenplattform, auf der rund 40 000 Fahrer mit Kunden die Fahrten vereinbaren. Diese sind rund ein Viertel bis ein Drittel billiger als traditionelle Taxis. Kein Wunder, dass die Firma unwidersprochen von 3,5 Millionen Kunden in der 8,5-Millionen-Einwohner-Stadt sprechen kann.

Als die TfL-Entscheidung dem Unternehmen am Freitag offenbar völlig unerwartet ins Haus flatterte, war die Empörung gross – und Uber reagierte, wie man es von Khosrowshahis aggressivem Vorgänger gewohnt war. Viele Kunden erhielten die Aufforderung, sich einer Petition anzuschliessen, binnen 48 Stunden kamen 650 000 Unterschriften zusammen.

Ob es der Sache der Firma aber nützt? Zu Wochenbeginn jedenfalls änderte Khosrowshahi seine Taktik und kroch öffentlich zu Kreuze. «Im Namen aller Uber-Mitarbeiter entschuldige ich mich für unsere Fehler.» Zwar werde sein Unternehmen den Lizenzentzug vor Gericht anfechten, aber: «Wir müssen uns verändern.» Umgehend hiess es, dass TfL-Manager für Gespräche bereitstehen.

Kaum denkbar, dass sich der Uber-Boss diesem Angebot verweigert. Schliesslich muss der verheiratete, kinderlose Manager seine Führungsfähigkeit unter Beweis stellen. Und jemand anderen vorzuschicken, würde Erinnerungen an die alte, arrogante Vorgehensweise unter Kalanick erinnern. Zu den Vorwürfen gehört nicht nur Steuervermeidung auf Gewinne, die durch eine Briefkastenfirma in den Niederlanden geschleust werden. Vor Gericht anhängig ist auch ein Musterprozess mehrerer Uber-Fahrer, die ihre Anstellung erzwingen wollen. Schliesslich diktiere Uber ihnen die Arbeitszeiten und verfüge kurzfristig über sie. Die Kläger bekamen erstinstanzlich Recht. Wenn Dara Khosrowshahi also Ernst machen will mit einer neuen Unternehmenskultur, ist London sicher nicht das schlechteste Reiseziel.

Sebastian Borger, London

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