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LOVE PARADE: Mammutprozess unter Zeitdruck

2010 starben bei der Technoparty in Duisburg 21 Menschen bei einer Massenpanik. Jetzt wird der Fall vor Gericht verhandelt. Die Zeit drängt, denn 2020 verjähren die angeklagten Straftaten.

Seit Ende letzter Woche wird vor dem Landgericht Duisburg ein dramatisches Unglück verhandelt. Es geht um die sogenannte Love-Parade-Katastrophe. 2010 starben bei der Technoparty, die damals in Duisburg stattfand, bei einer Massenpanik 21 Menschen. Mindestens 652 wurden verletzt, viele davon schwer. Und mindestens sechs Überlebende sollen sich seither aufgrund posttraumatischer Belastungsstörungen das Leben genommen haben.

Jetzt also der Prozess. Und der ist aufwendig. 556 Seiten umfasst die Anklageschrift. Zehn Personen müssen sich wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten, davon sind sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent. Der Anklage haben sich 65 Nebenkläger angeschlossen. Beeindruckend ist auch die Zahl der beteiligten Anwälte: 32 auf Seiten der Verteidigung, 38 auf Seiten der Nebenkläger. Aus Platzgründen wurde der Prozess in eine grosse Halle nach Düsseldorf verlegt.

Verzögerungstaktik der Verteidigung

Das Verfahren steht unter Zeitdruck. Denn schon 2020 werden die angeklagten Straftaten verjährt sein. Und dass das Verfahren langwierig werden wird, zeigte der erste Prozesstag am Freitag: Er begann mit einer Flut von Anträgen von Seiten der Verteidigung, sodass sich sogar die Verlesung der Anklageschrift verzögerte. Die Verteidigung stellte Befangenheitsanträge gegen zwei Schöffen. Zudem bemängelte sie, dass sich Zeugen im Saal aufhielten.

Für die Überlebenden bedeutet das Gerichtsverfahren neben der Aussicht auf späte Genugtuung auch eine zusätzliche Belastung. Das deutsche Onlineportal «derwesten.de» sprach zum Prozessauftakt mit einer heute 34-jährigen Frau, die damals schwer verletzt wurde. Bei der Verlesung der Anklageschrift sei sie «in Gedanken wieder auf der Masse vor der Treppe» gestanden, so die junge Frau.

Doch allein die Tatsache, dass der Prozess stattfinden kann, ist ein erster Erfolg für die Opfer und ihre Angehörigen. Denn zunächst wurde das Hauptverfahren vom Landgericht Duisburg abgelehnt, weil kein hinreichender Tatverdacht gegen die Angeklagten bestehe. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hob diesen Entscheid aber im April 2017 auf. Dem jetzigen Gerichtsverfahren gingen mehr als dreieinhalb Jahre Ermittlungsarbeit voraus. 3409 Zeugen wurden einvernommen und rund 1000 Stunden Videomaterial gesichtet.

Die Love-Parade-Katastrophe ereignete sich am 24. Juli 2010. Die Technoparty fand zwischen 1989 und 2003 in Berlin statt, anschliessend wechselte sie jährlich den Ort. Wie viele Besucher 2010 an der Love Parade in Duisburg teilnahmen, ist unklar. Der Veranstalter sprach am Unglückstag von 1,4 Millionen Menschen.

Das Unglück ereignete sich an einem Aufgang aus einem Strassentunnel zum Festgelände. Die Opfer wurden von der anstürmenden Menge erdrückt, sie erstickten oder stürzten von einer Treppe, über die sie sich retten wollten.

Im Prozess sollen der damalige Oberbürgermeister Duisburgs, Adolf Sauerland (CDU), sowie Lopavent-Inhaber Rainer Schaller als Zeugen aussagen. Wann mit einem Urteil zu rechnen ist, ist unklar. (red)

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