LUCERNE FESTIVAL ZU OSTERN: Eine Kulturdebatte mitten in der Krise

Wie vielseitig und lebendig die Kultur in der Stadt Luzern ist, zeigt allein, dass der Luzerner Stadtrat seit Jahren Vertreter von Politik, Wirtschaft und Kultur an wichtige Festivals oder Events einlädt.

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Ein Prosit auf die Kultursstadt Luzern (v.l.): Avenir Suisse-Direktor Thomas Held mit seiner Lebenspartnerin Heidi Mattes, Ex-Stadtpräsident Franz Kurzmeyer und Lucerne Festival-Intendant Michael Haefliger. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Ein Prosit auf die Kultursstadt Luzern (v.l.): Avenir Suisse-Direktor Thomas Held mit seiner Lebenspartnerin Heidi Mattes, Ex-Stadtpräsident Franz Kurzmeyer und Lucerne Festival-Intendant Michael Haefliger. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Allein die tatsache, dass der Luzerner Stadtrat seit Jahren Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Wirtschaft und Kultur an wichtige Festivals oder Events einlädt, zeigt, wie vielseitig und lebendig die Kultur in der Stadt Luzern ist. Am Freitagabend war das «Lucerne Festival zu Ostern» an der Reihe. Vom Orchester des «Collegium Musicum Luzern» in der Jesuitenkirche gegeben wurde das Chorkonzert «Stabat mater» von Joseph Haydn.

Dabei kam es zu einem spannenden Gipfeltreffen von Pionieren des bald zehnjährigen Luzerner Kulturtempels KKL. «Ich erinnere mich noch gut, wie umsichtig sich damals Thomas Held um jedes Detail kümmerte», erzählte Lucerne Festival-Intendant Michael Haefliger. «Er rief mich als bereits ernannter Festivalchef in Berlin an und fragte, ob ich auch einverstanden sei, wenn man die Wände im grossen KKL-Saal in der Farbe weiss halten würde. Das hat mich schon damals sehr beeindruckt.» Heute sorgt sich der Luzerner Direktor der Denkfabrik «Avenir Suisse» mehr um die Zukunft der Wirtschaft. Held zeichnet dabei ein düsteres Bild: «Die Wachstumsprognosen werden derzeit immer noch nach unten korrigiert, und auch die Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen werden noch eher unterschätzt. Das bedeutet auch, dass Kulturinstitute unter Druck kommen können.» Held erinnert sich angesichts der Krise auch an KKL-Mitpionier Franz Kurzmeyer. In den Krisenjahren 1992/93 hatte der ehemalige Luzerner Stadtpräsident einmal mit einem 100-Millionen-Konjunkturprogramm der Stadt Luzern vor allem gegen Arbeitslosigkeit geliebäugelt. «Im Vergleich zu damals ist die aktuelle Krise aber ungleich grösser», erklärte Held. «Zudem bestehen grosse Zweifel, ob die aktuellen Stimulierungsprogramme überhaupt etwas nützen.» Gleichzeitig indes ist für den Luzerner CVP-Nationalrat und Fifa-Sicherheitschef Pius Segmüller klar: «Eine gesunde Wirtschaft und nicht zuletzt auch die Sicherheit bilden wesentliche Fundamente für eine blühende Kulturwelt. Dessen müssen wir uns schon bewusst sein.»

Ist es denn konkret wirklich schon so schlimm? «Nein», sagte Michael Haefliger. «Aber wir müssen wachsam sein und sicher auch mit gewissen Abstrichen rechnen», räumte er ein. «Bisher haben wir bei uns mit Sparmassnahmen geholfen, mit Entlassungen ist weiterhin nicht zu rechnen.» Ziemlich gelassen gab sich Dominique Mentha. «Wir sind zum Glück ganz und gar nicht von börsenquotierten Firmen abhängig und müssen somit auch nicht wie etwa in Amerika mit Sponsoring-Zusammenbrüchen rechnen», erklärte der Direktor des Luzerner Theaters.

Das also darf auch die vielen prominenten Gäste beruhigen. «Schliesslich haben wir ein solides, gutes Kulturangebot», war sich Franz Kurzmeyer mit einem weiteren KKL-Pionier, Ex-Lucerne Festival-Präsident Jürg Reinshagen einig. «Und vor allem haben wir, wenn ich etwa an die schöne, barocke Jesuitenkirche hier denke, neben dem KKL weitere wunderschöne Kulturstätten», ergänzte Kurzmeyer. Sein Nachfolger, Stadtpräsident Urs W. Studer erinnerte auch an die «grosse Ausstrahlung» und «tolle Zusammenarbeit» mit der ganzen Region rund um Luzern in Sachen Kultur, etwa in der Regional Konferenz Kultur (RKK). «Vielfalt, Tradition und Qualität wird Bestand haben», waren sich Regierungsrat Max Pfister, Galeristin und Stiftungspräsidentin Angela Rosengart, Stadträtin Ursula Stämmer-Holst und Stadtrat Franz Müller schliesslich wohltuend einig.

André Häfliger