Lucio Dalla ist gestorben

Der italienische Cantautore Lucio Dalla ist nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa an einem Herzinfarkt gestorben. Dalla starb in Montreux, wo er noch am Mittwochabend aufgetreten war.

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Der aus Bologna stammende Lucio Dalla zählte in Italien zu den bedeutendsten Musikern der letzten dreissig Jahre. (Bild: Keystone / Markus Stückler)

Der aus Bologna stammende Lucio Dalla zählte in Italien zu den bedeutendsten Musikern der letzten dreissig Jahre. (Bild: Keystone / Markus Stückler)

mon/rem. Sein allerletztes Konzert gab Lucio Dalla am Mittwochabend in Montreux. Am Tag zuvor trat er in Zürich auf, am Montag im Luzerner KKL.

Dalla stand während eines halben Jahrhunderts auf der Bühne. Mit einer Dixiland Band gewann er 1960 einen Wettbewerb in Frankreich. Seine Langspielplatte «Dallamericaruso» (1986), eine von insgesamt 33 des Bolognesers, verkaufte sich mehr als 8 Millionen Mal.

Schweizerische Italianisierung

Mit den Dalla-Songs «Quale Allegria», «L'anno che verrà», «Washington», «Cosa sarà» oder «Cara» (1977-83) hatte ein nicht geringer Teil der jungen Deutschschweizer Bevölkerung Lust bekommen, Italienisch zu lernen. Mehr noch, die Italianitá brauchte damals den Vergleich mit der amerikanischen Kultur in Bezug auf Ausstrahlungskraft und Verheissungspotenzial nicht zu scheuen.

Dallas adoleszente Welt aus Flipper- und «Jöggeli»-Kästen, frisierten Motorrollern und nächtlichen Paninoteche wurde auch hierzulande zum Faszinosum. Er machte Loren und Mastroianni auf dem Motorroller vergessen und ersetzte sie durch «Anna e Marco» (1978).

Lucio Dalla im April 1997 an einem Konzert in Hamburg. (Bild: Imago)
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Der Sänger war auch häufig am Piano zu hören. (Bild: Imago)
21. Juli 2003: Gemeinsamer Auftritt mit dem brasilianischen Sänger Gilberto Gil (l.) in Sorrento. (Bild: Keystone / EPA)
24. Januar 2010: Mit Schauspielerin und Ingrid-Bergman-Tochter Isabella Rossellini . . . (Bild: Imago)
. . . und Francesco De Gregori (Bild: Imago)
29. September 2010: In einer Sendung des italianischen Fernsehens mit Antonella Clerici. (Bild: Imago)
Am 1. Mai 2011 spielte er in Rom, zusammen mit seinem Landsmann Francesco De Gregori, mit dem er schon vor 30 Jahren gemeinsame Konzerte gegeben hatte. (Bild: Keystoen / F. Campana)
9. Juli 2011: Auftritt mit dem Tenor Joseph Calleja (r.) in Malta. (Bild: Imago)
1. November 2011: Mit Schauspieler George Clooney (r.) und dem Römer Bürgermeister Walter Veltroni, anlässlich der Gesundheitskampagne «Speed can save your live». (Bild: Imago)
Einer seiner letzten Auftritte: Am 16.2.2012 am San Remo Music Festival mit Pierdavide Carone (m.) und Mads Langer (r.). (Bild: Imago)
Der Cantautore war auf einer internationalen Tournee, die ihn in den nächsten Tagen auch nach Basel, Lugano, Bern, Amriswil und Genf hätte führen sollen, als er am 1. März in Montreux einem Herzinfarkt erlag. (Bild: Imago)

Lucio Dalla im April 1997 an einem Konzert in Hamburg. (Bild: Imago)

Wenn Dalla «Se io fossi un angelo» (ein Anti-Kalter-Krieg-Song; 1986) oder «Tu non mi basti mai» (1996) gab, wurde er noch heute weltweit von den Italienischsprechenden mit Ovationen bedacht. Seine neueren Kompositionen aber erreichten das ganz grosse Publikum nicht mehr automatisch. Dallas letzte Lieder sind motivisch diffus und wenig expressiv. Die frühen Songs waren noch hoch expressiv bei reduzierter Motivik.

Die Begriffe Zukunft und Fernweh standen damals im Zentrum, oft besungen in Verbindung mit dem anziehenden Amerika, dem Mond als einer Art Sphinx sowie dem Meer als Refugium aller wechselnden Leidenschaft.

Nur noch Konsumkritik

In den vergangenen Jahren schrieb Dalla Songs wie «Liam». Liam sei «wie du, wie ich» vom Kreuz gestiegen und kämpfe mit den Zumutungen der Konsumgesellschaft, dem Markenfetischismus, der Handy-Manie. Imago und Attraktion der früheren Dalla-Werke waren damit verflogen.

Dass sich Lucio Dalla musikalisch immer neu orientierte, ist ein grosses Verdienst, wenn man es gegenrechnet mit den immensen Erfolgen der früheren Jahrzehnte. Er hätte sich auch einfach zurücklehnen und die alten Songs geben können. Das tat er aber nicht.

Er nahm vielmehr die unsägliche Mühe auf sich, seinen Weg fortzusetzen, auch auf die Gefahr hin, dass er viele seiner Hörer nicht mehr begeisterte. Verloren hatte sie der grosse Lucio Dalla ohnehin nicht.

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