LUZERN: Der Besuch der «Grandes Dames»

Luzern hatte Besuch von sechs grossartigen Frauen: Sängerin Lys Assia und Schauspielerin Stephanie Glaser, zwei «Grandes Dames» der Schweizer Showszene, führten dabei am Mittwochabend im Hotel Palace eine Lesung voller Kraft und Lebenserfahrung an.

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Hazy Osterwald mit Ehefrau Eleonore sowie mit Stephanie Glaser und Lys Assia. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Hazy Osterwald mit Ehefrau Eleonore sowie mit Stephanie Glaser und Lys Assia. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Zusammen mit vier weiteren Frauen über achtzig machten sie Halt während ihrer einwöchigen Schweizer Tournee. Dies anlässlich der Vernissage der beiden Bücher «Das volle Leben» (Verlag Wörtersee), in welchen Autorin Susanna Schwager die packenden Geschichten von 12 Frauen und 11 Männern über achtzig erzählt. 

Schauspielerin Elisabeth Schnell, die 1948 als 18-Jährige ihr Theaterdebüt am Luzerner Stadttheater feierte, las auf der Bühne Textpassagen, Daniel Dinkel, der Chefredaktor der «Schweizer Familie», interviewte die sechs Frauen. «Wir erleben alle eine sehr spannende Woche», erzählte Verlegerin Gabriella Baumann-von Arx. «Es ist faszinierend, wie so lebenserfahrene Menschen, die sich vorher nicht kannten, einander näher kommen – und das auch schätzen und geniessen.

Eherngast Osterwald
Für die 87-jährige Stephanie Glaser, die heute noch mit sechs bis sieben Stunden Schlaf auskommt, keinen Computer hat und ihr Handy «nur für Notfälle» benutzt, steht fest: «Alt werden heisst auch, einen neuen Blick auf die Welt zu bekommen. Man geht zurück in den kleinen Kreis. Zuallerletzt vielleicht höckelt man da und freut sich an den lustigen Flecken, die man auf dem Handrücken hat.» 

Lys Assia, 1956 Siegerin am ersten «Concours de la Chanson», weiss: «Talent allein genügt nicht. Alles ist Arbeit, man muss viel arbeiten – und braucht letztlich auch etwas Glück.» Zu ihrer grossen Freude traf Assia unter den Gästen Musikerlegende Hazy Osterwald, der am 27. Juni in Ascona für sein Lebenswerk geehrt wird. «Lys und ich durften unvergessliche, gemeinsame Bühnenauftritte erleben», erinnerte sich Osterwald, der mit seiner ihn liebevoll umsorgenden Ehefrau Eleonore kam.

4000 Babys geboren
Unvergesslich sind auch die vielen Erlebnisse der 82-jährigen Zuger Kinderschwester Monica Suter, die sich dagegen wehrt, als Kindermädchen bezeichnet zu werden. «Ich habe meinen Traumberuf von Grund auf gelernt. Ernährung, Hygiene, Erziehung, Psychologie – das alles gehört dazu», erzählte sie. Die Berner Hebamme Marie Zürcher, die rund 4000 Babys das Licht der Welt erblicken liess, hat eine schöne Vorstellung vom Lebensende: «Wer weiss, vielleicht hilft uns nach dem Tod im Himmel eine Hebamme hinein in ein neues, ganz anderes Leben.» 

Immer aktiv bleiben – das ist auch die Devise zweier 89-jährigen Frauen: Musikerin Trudi Kilian hat mit ihrem 80 Jahre alten Örgeli kürzlich sogar eine CD aufgenommen. Und Entwicklungshelferin Lilly Vogel wirkt noch immer jedes Jahr im Sudan. Das alles hat auch Arnold Hottinger beeindruckt. «Das war in der Tat ein sehr eindrücklicher Abend», erklärte die Zuger NZZ-Journalistenlegende.

André Häfliger