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LUZERN: Ein Leben für den heiligen Franziskus

Er war einer der weltweit meistbeachteten Franziskus-Forscher: Am 12. Februar verstarb der Kapuzinermönch Oktavian Schmucki im Alter von 91 Jahren.
Haymo Empl
Bruder Oktavian Schmucki (1927–2018) in der Bibliothek des Klosters Wesemlin in Luzern.

Bruder Oktavian Schmucki (1927–2018) in der Bibliothek des Klosters Wesemlin in Luzern.

Haymo Empl

redaktion@luzernerzeitung.ch

Bruder Oktavian Schmucki kam am 8. Januar 1927 zur Welt. «Als erster Sohn der Familie, bei einer schweren Heimgeburt. Wie ich – damals bereits Kapuziner – von einer Baldegger Schwester aus unserer kirchlichen Gemeinde vernahm, hat mich meine Mutter schon in ihrem Schoss Gott geweiht», erinnert sich Bruder Oktavian später in seinem selbst verfassten Lebenslauf, den er bereits einige Zeit vor seinem Tod niedergeschrieben hat. Der Weg ins Kloster war aber nicht aufgrund des frommen Wunsches der Mutter vorgesehen, er war um einiges weltlicher: «Unsere Familie war aufgrund des Sakristanendienstes mit dem Kapuzinerkloster Näfels besonders verbunden. Dies erklärt wohl die Tatsache, dass ich für die Sekundarschule nicht an jene in Kaltbrunn, sondern an die Klosterschule von Näfels dachte.»

1940 bestand Bruder Oktavian schliesslich die Aufnahmeprüfung für die Klosterschule. ­Jeden Tag hiess es für den zukünf­tigen Klosterbruder daher, um 5.15 Uhr aufzustehen, um danach bei jeder Witterung zu Fuss den gut 50 Minuten dauernden Weg nach Benken zurückzulegen und von dort den Zug über Ziegelbrücke nach Näfels zu nehmen.

Am 6. Juli 1952 empfing Bruder Oktavian in der Kapuzinerkirche von Solothurn die Priesterweihe. Während seines weiteren Studiums reiste er unter anderem nach Italien. Der dortige Aufenthalt war wenig angenehm und offenbar so prägend, dass sich der Klosterbruder auch Dekaden später noch gut daran erinnerte: «Im Herbst 1953 fuhren Pater Adelhelm Bünter und ich im Zug nach Rom und machten einen Zwischenhalt in Florenz. Die Auf­nahme im dortigen Provinzialatskloster war alles andere als freundlich, die Mentalität eine ganz andere als hier in der Schweiz», wird der Mönch später schreiben – und feststellen: «Die Atmosphäre hellte sich sichtlich auf, als wir dort das mitgegebene Messegeld übergaben.»

Leben und Wirken in Italien

Der Aufenthalt in Italien dauerte letztendlich länger als gedacht, Bruder Oktavian schrieb seine Dissertation über die Christusfrömmigkeit des heiligen Franziskus. Gleichzeitig war er ab Herbst 1956 voll eingespannt in die laufenden Arbeiten des Historischen Instituts in Rom. «Dort wurden mir Bücher zur Rezension für die Zeitschrift Collectanea Franciscana und eine grössere Anzahl von Zusammenfassungen für Bibliographia Franciscana zugewiesen.»

Auf das Jahr 1986 fiel für Bruder Oktavian einerseits der Umzug des Collegio Internazionale und des Istituto Storico von via Sicilia-via Boncompagni an die westliche Rundstrasse des Grande Raccordo Anulare. Und anderseits das Ausserordentliche Generalkapitel zur Erneuerung der Satzungen, an welchen der Mönch in der Aufgabe des Untersekretärs teilnahm. «Es war für mich eine der psychologisch und spirituell schwersten Zeiten meines Lebens», kann in seiner Biografie nachgelesen werden. «Als Mitglied der vorgenannten Kommission hatte ich die Geschichte und die Spiritualität des Kapuzinerordens erstmals richtig entdeckt, spürte jedoch im Verlauf der Kapiteldiskussionen, wie die Mehrheit immer mehr in Richtung einer sozialen Neuorientierung ging.» Die damit verbundenen Sorgen – wohl auch Ängste – und letztendlich auch die Enttäuschungen taten Bruder Oktavian nicht gut. «Ungefähr um das Jahr 1970 erlitt ich einen heftigen Schmerz in der Herzgegend, als ich – wie gewohnt seit den 1960er-Jahren – zur Aushilfe in eine römische Pfarrei an der Autobahn GRA entlang zum Lauf ansetzte, weil mir der Autobus zu entwischen drohte.» Die Ärzte mussten feststellen, dass es sich effektiv um den Beginn eines Herzinfarktes gehandelt hatte.

Nach 40 Jahren im Historischen Institut in Italien wurde schliesslich ein von ihm eingereichtes, über zehn Jahre altes Gesuch bewilligt, und Bruder Oktavian konnte in die Heimat reisen. Im VW-Bus – begleitet von anderen Geistlichen – fuhr der Mönch nach Luzern und wurde dort 1997 aufgenommen. Er erinnert sich in seinem nicht öffentlichen autobiografischen Text noch gut daran: «In relativ kurzer Zeit habe ich mich in die Luzerner Klosterfamilie so vollkommen eingefunden, dass ich mich hier wirklich ‹daheim› fühle.»

Seelsorge war ihm wichtiger als die Wissenschaft

Ulrich Köpf, ehemaliger Professor für Kirchengeschichte in Tübingen, Oktavians evangelischer Freund, bemerkte anlässlich des grossen Geburtstagsfestes im vergangenen Jahr in seiner Festrede: «Ohne akademische Laufbahn gehört Oktavian Schmucki zu den besten Gelehrten franziskanischer Geschichte.» Und es sei erstaunlich, dass die Seelsorge für den Jubilar wichtiger sei als die Wissenschaft. Der Kapuziner sei ein Vorbild franziskanischen Gehorsams. «Menschenfreundlich und bescheiden.»

Bruder Oktavian wurde 91 Jahre alt; er ist am 12. Februar nach kurzer Krankheit im Spital Schwyz verstorben. «Angst vor dem Tod hatte er keine», sagt sein Mitbruder Gebhard Kurmann. «Er hat in seinem hohen Alter jederzeit damit gerechnet und ihm in die Augen geblickt.»

Hinweis

Das Buch «Die ersten Kapuziner-Konstitutionen von 1536: Eingeleitet und übersetzt von Oktavian Schmucki» ist unter anderem bei Amazon und im Fachhandel erhältlich.

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