LUZERN/GENF: Hans Erni feiert seinen 99. Geburtstag

Nicht immer und überall ist Hans Erni in seinem langen und bewegten Leben mit offenen Armen empfangen worden. In Genf aber schon. So auch am Donnerstag an seinem 99. Geburtstag, als die Calvinstadt ihm und seiner Ehefrau Doris einen Empfang bot.

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Doris und Hans Erni beim Mittagessen in der Genfer Villa «La Grange». (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Doris und Hans Erni beim Mittagessen in der Genfer Villa «La Grange». (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Am Tag, als sein 100. Lebensjahr eingeläutet wurde, muss es für Hans Erni so etwas wie eine Heimkehr gewesen sein. Denn in Genf, genau gesagt im Museum L?Athénée, durfte er auch in seinen schwierigsten Jahren ausstellen. Damals nämlich, als er wegen seiner Sympathie zum Kommunismus, die nach dem Ungarn-Aufstand 1956 jäh abbrach, mächtig verstossen und boykottiert wurde.

«Ein grosser Kämpfer»
Just im Gebäude neben dem L?Athénée-Museum wurde Erni am Donnerstag vom Genfer Bürgermeister Patrice Mugny und von gegen 150 Gästen im Palais Eynard empfangen. «Erni ist ein nationales Monument», sagte Mugny. «Pazifist, Kommunist, was auch immer. Vor allem aber ein grosser Kämpfer – sein ganzes Leben lang.» Was ihn an Ernis Kunst besonders fasziniert? «Ganz einfach», sagte der oberste Genfer. «Man erkennt seine Bilder und Skulpturen sofort – weltweit!»

Radierungen für Rousseau
Es wäre nicht die Feier von Hans Erni gewesen, wenn der unermüdliche Schaffer nicht auch noch sein neustes Werk präsentiert hätte. Diesmal sind es elf feine und ebenso prägnante Radierungen, welche das Buch «Rêveries du promeneur solitaire» (Träumereien des einsamen Spatziergängers) des Genfer Dichters Jean-Jacques Rousseau illustrieren. Ein sehr exquisites Buch, das es vorderhand nur in 99 Exemplaren zum stolzen Preis von 1500 Franken gibt, aber auch in erweiterter Buchform geplant ist. «Mit diesem Werk wollen wir das 300. Geburtsjahr Rousseaus einläuten», erklärten Verleger Patrick Cramer und Bibliotheksdirektor Jean-Charles Giroud.

Beim Mittagessen in der edlen Stadtvilla La Grange gab es neben Jakobsmuscheln, Lammfilet, Käse und Geburtstagstorte auch noch ein Luzerner Gipfeltreffen. Ruedi Huser, während 40 Jahren Direktor des Genfer Autosalons, gesellte sich zur kleinen Gästeschar mit unter anderem Stargalerist Pierre Gianadda und Edouard Fischer, 25 Jahre lang Verwaltungsrat im Luzerner Verkehrshaus. «Ich will wissen, welches Ihr Rezept ist, um 99 Jahre alt zu werden», sagte Huser zu Erni. Der klopfte ihm auf die Schulter: «Immer aktiv bleiben, mein lieber, junger Mann. Etwas machen, eine Aufgabe, ein Ziel haben. Und: Liebe, Humor und Respekt nie, nie vergessen!»

André Häfliger, Genf

Das Rousseau-Erni-Buch ist in der Cramer-Galerie, rue de Chantepoulet 13, in Genf zu sehen. Infos: www.cramer.ch