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MALTA: Eine Insel sucht die Sonnenseite

Valletta ist neben Leeuwarden in diesem Jahr Kulturhauptstadt. Diese Ehre kommt für die südlichste und kleinste europäische Hauptstadt gerade zum richtigen Zeitpunkt.
Text und Bilder: Dominik Buholzer
Enge Gassen und Steinbauten mit viel Charme: Valletta gibt eine tolle Kulisse ab. (Bild: Dominik Buholzer)

Enge Gassen und Steinbauten mit viel Charme: Valletta gibt eine tolle Kulisse ab. (Bild: Dominik Buholzer)

Text und Bilder: Dominik Buholzer

Europäische Kulturhauptstadt zu sein, fällt ins Gewicht. Alleine das Programmheft zu Valletta 2018 wiegt stolze 770 Gramm und ist der ganze Stolz von Sean Borg. Der Marketingverantwortliche der organisierenden Stiftung sitzt mit 100 weiteren Angestellten in einem wenig auffälligen Gebäude unweit des Präsidentenpalastes und betont: «Ich hoffe, 2018 wird ein wichtiges Jahr für die Kultur auf Malta.» Valletta 2018 soll den Kunstschaffenden auf der Insel neue Impulse verleihen. Und den Besuchern die Insel von einer anderen Seite zeigen: «Jetzt haben wir die Gelegenheit, zu beweisen, dass es auf Malta mehr gibt als nur Meer und viel Sonnenschein», betont er.

Der Inselstaat blickt auf eine 7000 Jahre alte Geschichte zurück. Über 200 Jahre gaben die Araber den Ton an, bevor Spaniens König Karl V. im 16. Jahrhundert dem Malteserorden die Insel anbot, welcher nach seiner Vertreibung aus Palästina auf der Suche nach einer neuen Heimat in Europa herumirrte. Doch die Malteser, so erzählen die Einheimischen, sollen zuerst gar nicht erbaut über dieses Angebot gewesen sein. Zu trocken und zu unwirtlich sei die Gegend, sollen die Ordensbrüder geklagt haben.

Der Schatten der Offshoregeschäfte

Mittlerweise tönt es ganz anders. Heute ist das milde Klima just einer der wichtigsten Punkte, den die lokalen Tourismusverantwortlichen ins Feld führen. Angenehm ist es auf der Insel mit rund 300 Sonnentagen im Jahr in der Tat. Selbst im Januar kann das Thermometer schon mal über 20 Grad steigen. Das wissen insbesondere zahlreiche Engländer zu schätzen, die hier, in der ehemaligen britischen Kolonie, jährlich «überwintern». Doch in den vergangenen zwei Jahren breitete sich ein immer grösserer Schatten über dem Inselstaat aus.

Malta mag zwar für die Herstellung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen wenig lukrativ sein, dafür umso mehr für Finanzprodukte. Das Land machte sich in den vergangenen Jahren einen Namen als sicherer Hafen für Offshoreprodukte. Doch dann gelangten 2016 die Panama Papers ans Tageslicht, und erstmals ­wurde ersichtlich, mit welch umstrittenen Methoden internationale Firmen auf die Insel gelockt wurden. Ein gutes Jahr später wurde die regierungskritische Journalistin und Bloggerin Daphne ­Caruana Galizia Opfer eines Bombenanschlags. Seither steht Malta definitiv am Pranger.

Valletta 2018 kommt da gerade zum richtigen Zeitpunkt. Nicht nur in der Hauptstadt, sondern auf der ganzen Insel hofft man, Malta in den kommenden zwölf Monaten ins rechte Licht rücken zu können. Dabei wird mit der grossen Kelle angerichtet. Zum Auftakt der Feierlichkeiten wurden auf den vier Hauptplätzen der Stadt zahlreiche Shows aufgeführt – darunter von der katalanischen Theatergruppe Fura dels Baus, die für ihre provokanten und spektakulären Aufführungen bekannt ist. 85000 Personen wohnten dem Spektakel bei, gerechnet hatte man mit bis zu 100000. Aber 85000 sind immer noch ein Vielfaches mehr, als die Valletta Einwohner hat; in der Hauptstadt leben rund 6000 Menschen.

Den Titel «Kulturhauptstadt Europas» wird seit 1985 jährlich von der Europäischen Union vergeben – seit 2004 geht er an mindestens zwei Städte. In diesem Jahr ist dies neben Valletta das friesische Leeuwarden. Der Titel soll dazu beitragen, den Reichtum, die Vielfalt und die Gemeinsamkeiten des kulturellen Erbes herauszustreichen und ein besseres Verständnis der Bürger Europas füreinander zu fördern.

Gegen 400 Veranstaltungen sind in Valletta noch bis Ende Jahr angesetzt. Höhepunkte sind unter anderem das Licht-, Tanz- und Feuerspektakel im Hafen im Juni und die maltesische Oper, welche im Mai Premiere hat. Diese dürfte den meisten Touristen spanisch vorkommen; Malti, die Sprache der Einheimischen, ist stark geprägt vom Arabischen: Gott heisst «Alla», Christus «Sultan» und Fastenzeit «Randan» – schlechte Christen sind sie auf Malta deswegen nicht. Es gibt kaum eine andere Stadt in Europa, in der es so viele Kirchen und Devotionalien gibt. Alleine in Valletta gibt es 22 Gotteshäuser und kaum eine Strassenecke ohne Heiligenstatue. Rekordverdächtig ist auch die Zahl der Prozessionen. In den Sommermonaten gibt es praktisch jedes Wochenende mindestens eine. Sie sind bunt und laut und wichtig fürs soziale Leben, wie man auf der Insel gerne betont. Wer beim Tragen der Christus- oder Muttergottesstatue mit anpacken darf, ist im Dorf ein kleiner Held; nicht umsonst wird dieses Privileg gerne auch vererbt. Die Vorbereitungen erstrecken sich über Wochen, und wenn der grosse Tag da ist, kann es nicht langsam genug vorangehen. Die Prozession kommt nur schleppend voran, schon nach wenigen Metern stellen die Träger die Statue wieder ab und ruhen sich im Bad der Menge aus.

Das Jahr als Kulturhauptstadt sei eine Chance, «um unser Erbe zu zeigen», sagte Premierminister Joseph Muscat bei der offiziellen Eröffnung am Samstag vor einer Woche. Man habe nicht bei null anfangen müssen. «Wir mussten nur um uns herum schauen und diese Gebäude herrichten, um Besucher willkommen zu heissen», so Muscat.

Vom Banker zum Tomatenzüchter

Stimmt. Valletta hat in den vergangenen Jahren viel unternommen, um die historischen Bauten instand zu halten – auch dank EU-Geldern; Malta ist seit Mai 2004 Mitglied der Europäischen Union. Die Stadt wurde auf dem Reisbrett entworfen, hat einen schachbrettförmigen Grundriss und lässt sich ideal zu Fuss erkunden. Charakteristisch sind die engen Gassen und die grünen, roten und blauen Balkone, die überall an den Fassaden hängen. Diese sind auf den Einfluss der Spanier zurückzuführen. Früher durften die Frauen lediglich von hier aus das Leben auf der Strasse überblicken, heute bieten sie in erster Linie Schutz an heissen Tagen. Seit 1996 gibt es auf Malta ein spezielles Subventionsprogramm zum Schutze dieser Logenplätze.

Valletta bietet eine traumhafte Kulisse – erst recht jetzt, wo unzählige Gebäude in neuem Glanz erstrahlen. In einem Punkt hat sich das europäische Kulturjahr bereits positiv ausgewirkt. «Früher war Valletta nach 18 Uhr, wenn die Geschäfte schlossen, wie leergefegt. Jetzt ist wieder Leben in die Gassen gekehrt», sagt Rita Fsadni, die als Fremdenführerin tätig ist.

Und selbst Banker kriegen zuweilen genug von der Finanzbranche. So etwa Joseph Muscat (49). Der heisst zwar gleich wie der Premierminister, ist mit diesem aber nicht verwandt, wie er betont. Zwölf Jahre lang war er bei einer Bank angestellt, verdiente gutes Geld, wie er sagt, doch dies war nicht sein Leben. Mit 34 Jahren kehrte er der Finanzbranche den Rücken zu und stieg beim Landwirtschaftsbetrieb seines Vaters ein, der sich etwas ausserhalb von Valletta befindet. Seither züchtet er unter anderem mit Erfolg Tomaten – nicht für den Export, sondern den heimischen Markt. «Mein Leben ist hier auf dem Bauernbetrieb», sagt er. «auf der Bank fühlte ich mich wie im Gefängnis.» Malta ist immer für Überraschungen gut.

Angebote im Kulturjahr

Air Malta fliegt noch bis 24. März bis zu sechs Mal pro Woche ab Zürich nach Malta; in den Sommermonaten gibt es zehn wöchentliche Verbindungen ab Zürich. Swiss fliegt von April bis Ende Mai zwei Mal in der Woche auf die Mittelmeerinsel, in den Sommermonaten vier Mal.

In Valletta gibt es zahlreiche kleinere Hotels, vor allem Boutique-Hotels sind stark aufgekommen. Empfehlenswert sind AX Hotels; www.axhotelsmalta.com

Rolf Meier Reisen aus Neuhausen am Rheinfall ist Spezialist für Malta-Reisen. In diesem Jahr bietet er verschiedene spezielle Kulturreisen an: www.rolfmeierreisen.ch/rundreisen-malta

Informationen rund um die Veranstaltungen im Kulturjahr gibt es auf: valletta2018.org
Die Reise wurde unterstützt von Rolf Meier Reisen, Neuhausen am Rheinfall

Auf Malta gibt es im Sommer praktisch jedes Wochenende eine Prozession, wie hier in Gudja. (Bild: Dominik Buholzer)

Auf Malta gibt es im Sommer praktisch jedes Wochenende eine Prozession, wie hier in Gudja. (Bild: Dominik Buholzer)

Sie sind charakteristisch für Valletta: die farbigen Balkone an den Häusern. (Bild: Dominik Buholzer)

Sie sind charakteristisch für Valletta: die farbigen Balkone an den Häusern. (Bild: Dominik Buholzer)

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