MARTIN ANDERMATT: «Ich will das Abwehrverhalten ändern»

Martin Andermatt – wie fühlt sich der neue Aarau-Trainer am Tag nach dem Cup-Aus? Und wie will er das Meisterschaftsruder des Tabellenletzten noch herumreissen? Chefreporter André Häfliger sprach mit dem Zuger Trainer.

Drucken
Teilen
Martin Andermatt, hier 2006 bei einem Spiel der Young Boys. (Archivbild Beat Blättler/Neue LZ)

Martin Andermatt, hier 2006 bei einem Spiel der Young Boys. (Archivbild Beat Blättler/Neue LZ)

In welcher Verfassung haben Sie Ihre neue Mannschaft bei Amtsantritt letzte Woche vorgefunden?
Martin Andermatt: Nun, ich bin als neuer Trainer gekommen, ohne dass mein Vorgänger, der gegangen ist, verabschiedet wurde. Am Abend dann ein Spiel, das wir mit Rückstand gewannen. Dann teilte ich das nächste, klare Ziel mit: Im Cup eine Runde weiterkommen. Aus meiner Sicht muss ich ja jetzt lernen, die Spieler unter Druck setzen, Es geht bei Aarau nun allein darum, ganz zielorientiert arbeiten. Das klare Saisonziel liegt auf der Hand: Es ist der Ligaerhalt.

Wie stark schadet es denn, dass das Cup-Ziel nicht erreicht wurde?
Andermatt:
Es erstaunte mich natürlich nicht, dass nicht alle Spieler am Montagmorgen mit erhobenem Haupt zum Training erschienen sind. Deshalb ist es jetzt meine vordringliche Aufgabe, ihnen offen und ehrlich Lösungen anzubieten. Das habe ich während eines knapp 20-minütigen Teamgesprächs getan. Dann gingen wir gezielt auf den Platz arbeiten. Jenen Spielern, die im Cup zum Einsatz kamen, verordnete ich ein hartes Stabilitätstraining. Ich will vor allem eine allgemein positive Körperspannung erreichen – und nicht nur davon sprechen. Für jene Spieler, die nicht oder nur kurz gespielt haben ist es wichtig, dass sie in einen höheren Rhythmus reinkommen. Und dass alle den Blick jetzt ganz nach vorne richten.

Ist denn das Ziel Ligaerhalt mit dem vorhandenen Potential zu erreichen?
Andermatt:
Ich gehe immer davon aus, dass ich nie über Spieler spreche, die ich nicht habe. Vielmehr will ich alle Spieler, die real da sind, möglichst gut machen. alle müssen dabei natürlich wissen, dass dies nur mit Arbeit und Anstrengung zu tun hat. Kommt dazu, dass jene Spieler, die jetzt auf dem Markt zu haben sind, sicher über ein halbes Jahr nicht gespielt haben. So können derzeit in dieser Richtung auch keine realistischen Vorschläge unterbreitet werden. Neue Spieler müssen immer auch in die aktuelle Teamsituation passen.

Welche positiven Aspekte haben Sie in Ihrer neuen Mannschaft festgestellt?
Andermatt:
Ich spüre sicher, dass das Team eine klare Führung braucht. Man hat gesagt, ich hätte ein Himmelfahrtskommando übernommen. Das stimmt: Wir wollen ja nach oben – und das Kommando muss ich sicher übernehmen. Ich spüre aber auch, dass die Spieler das, was man ihnen sagt, auch umsetzen wollen. Sie müssen sich untereinander vielleicht noch mehr fordern und anstacheln, einander selber in ein höheres Level puschen. Da ist bestimmt noch Entwicklungspotential da.

Welches sind Ihre allernächsten Ziele?
Andermatt:
Ich will das Abwehrverhalten der Mannschaft verändern. Wir haben zu viele leichte Tore kassiert, weil man zwei Schritte auf einmal machen wollte. Zuerst muss man schauen, dass man aus dem Gefahrenbereich raus kommt, bevor man etwas voreilig daran denkt, den Ball nach vorne vorzubereiten. Im eigenen 16-er-Bereich müssen wir ohne Risiko spielen.

Wie hat sich ihr privates Umfeld im Kanton Zug durch Ihre neue Anstellung verändert?
Andermatt:
Meine Familie, meinen Wohnsitz, habe ich stets im Zugerland behalten, auch wenn ich im Ausland tätig war. Das wird auch jetzt so bleiben. Dreiviertelstunde Fahrt zum Arbeitsort ist ja kein Problem. Die Zentralschweiz wird mich immer prägen: Man hat den See, man hat Berge, klare Luft. Hier kann man sich zwischendurch zurückziehen – und ist trotzdem nicht weg von der grossen, weiten Welt. Es gibt also keinen Grund für mich, Hünenberg zu verlassen.

Wer spielt nächste Jahr an der WM ganz vorne mit?
Andermatt:
Ich wünsche mir Stimmung pur in Südafrika. Den Unterschied, die Spannung zwischen emotionalem und rationalem Fussball – genau das möchte ich sehen. Und da sehe ich mit Brasilien und Deutschland zwei Teams mit gewissen Vorteilen.

Interview von André Häfliger, Zürich