MEDAILLENFEIER: Karin feiert mit Papa Hans und Bruder Stefan

Etwas lange musste man in Peking auf die erste Medaillenfeier warten. Aber dafür war sie am Mittwochabend im Schweizer Gästehaus geradezu historisch.

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Karin Thürig mit ihrem Vater Hans (links) und Bruder Stefan im «House of Switzerland». (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Karin Thürig mit ihrem Vater Hans (links) und Bruder Stefan im «House of Switzerland». (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Noch nie in der Geschichte der Sommerspiele konnte die Schweiz nämlich gleich auf vier Medaillen anstossen. Die Bronze-Edelmetalle von Fabian Cancellara, Karin Thürig und Sergei Aschwanden waren die Nummern 63, 64 und 65, die Goldene von Cancellara die Nummer 48 der Geschichte.

Karin Thürig war die erste, die von Haus-Direktor Manuel Salchli begrüsst wurde und von Haus-Vizepräsident Edwin Rudolf mit einer grossen Torte beschenkt wurde. Sie kam mit ihrem Vater Hans Thürig, der im Juni als Informatiker bei der Rothenburger Bäcker-Konditor-Gastrofirma Pistor in Pension gegangen war. Auch Karins 1,90 Meter grosser Bruder Stefan, Verkäufer beim Guetzli-Gigant Hug in Malters, war bei der 15-köpfigen Luzerner Fangruppe dabei. Vater und Sohn, die erst an der Feier gratulieren konnten, waren sich einig: «Die zweite Bronzemedaille gefällt uns noch besser als die erste.»

Thürig hatte Kopfschmerzen
Als dann zwei Stunden später Cancellara und Aschwanden auch noch auftauchten, tobte die alte Panzerfabrikhalle im Pekinger Künstlerviertel «798 Art Zone». Gleich drei Ländlerformationen spielten auf: Die «Spätzünder» aus Küssnacht am Rigi, die «Charly's Baier-Band» aus Luzern und die fünf Musikantinnen «Lopper-Örgeler» aus Hergiswil. Dann verliess Karin Thürig die Szene. Mit Kopfschmerzen hatte sie «nicht einmal einen Bissen» runter gebracht. Cancellara aber bestellte nach geduldig verteilten Interviews und Autogrammen hungrig Hühnchen mit Fois-Gras-Terrine sowie Kalbsfilet mir Rösti, dazu locker ein grosses Bier.

Papa aus Seelisberg, Mama aus Kenia
Sergei Aschwanden kam mit seiner Freundin, die er aber «aus der Öffentlichkeit raushalten» möchte. Und mit Leo Held, der seit 12 Jahren sein Trainer ist und aus dem Pfälzischen stammt. «Meine Familie feiert schon mächtig in Lausanne», lachte Sergei. Das ist in erster Linie sein Vater Matias, Reiseunternehmer aus Seelisberg. «Deshalb ist das auch mein Heimatort», erzählte er nicht ohne Stolz. Sergeis Mutter Rispa kommt übrigens aus Kenia.

Auch zwei Diplome gefeiert
Gebührend gefeiert wurden schliesslich auch die beiden Diplome von Radrennfahrerin Priska Doppmann aus Immensee (Platz 8, sie kam mit Papa Jost und Schwester Karin) sowie Schwimmer Dominik Meichtry (Rang 6) aus Berkeley, Kalifornien. Delegationschef Werner Augsburger war vollends zufrieden: «Heute ist schon Weihnachten und Ostern zusammen für uns!»

André Häfliger, Peking