MEDIENBALL IN ZÜRICH: Was die Mediengilde von Leuthard erwartet

Gestylte Abendkleider, glanzvolle Stimmung und das deutsche Bundesland Mecklenburg-Vorpommern als Ehrengast – das war am Samstagabend der 81. Medienball im Zürcher Dolder Grand Hotel.

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Gut gelaunt am Medienball: NZZ-CEO Albert P. Stäheli mit seiner Ehefrau Franziska von Weissenfluh zusammen mit Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz und seiner Ehefrau Nadja (von links). (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Gut gelaunt am Medienball: NZZ-CEO Albert P. Stäheli mit seiner Ehefrau Franziska von Weissenfluh zusammen mit Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz und seiner Ehefrau Nadja (von links). (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Frage des Abends: Was muss die neue Medienministerin Doris Leuthard anders machen als ihr Vorgänger Moritz Leuenberger? «Sie muss der staatlichen SRG zeigen, wo Schluss ist mit der Expansion, damit der Wettbewerb unter den privaten Medien besser spielen kann», erklärte Albert P. Stäheli, der CEO der NZZ-Gruppe. Ins exakt gleiche Horn blies auch Schauspielerin Esther Gemsch (Ex-«Lüthy und Blanc»): «Sie muss liberaler werden und die privaten Medien mehr fördern.» Warum? «Damit die Monopolstellung in der Schweizer Medienszene aufgeweicht wird und somit die Konkurrenz besser spielen kann.»

Walpen wieder gesund
Der Ende Jahr abtretende SRG-Generaldirektor Armin Walpen, nach einer Herzoperation zwei Monate ausser Gefecht, betrat erstmals wieder «ganz gesund und munter» die grosse Showbühne. Und wehrte sich: «Ich bin überzeugt, dass Frau Bundespräsidentin Leuthard den Stellenwert des Service Public in unserem Land richtig einzuschätzen weiss und ausserdem die Unabhängigkeit mit Überzeugung hochhalten wird. Sie wird es richten – ich freue mich!»

Raiffeisenbank-CEO Pierin Vincenz aber entgegnete: «Es muss in der Medienlandschaft wieder mehr Wettbewerb herrschen, vor allem bei Radio und Fernsehen. Sonst läuft die Branche Gefahr, dass sie wie bei einem Grossteil der Banken auf eine explizierte Staatsgarantie zählen kann, was zu enormen Wettbewerbsverzerrungen führt.»

Verleger Jürg Marquard gab sich diplomatisch: «Da der zukünftige Ex-Bundesrat Moritz Leuenberger vor seinem Rücktritt doch einige Weichen gestellt hat, denke ich, dass Bundespräsidentin Doris Leuthard die neuen Konstellationen erst einmal beobachten muss, bevor sie Spielraum für eventuell notwendige Eingriffe haben wird.»

Schmunzelnd fügte Marc Walder, CEO von Ringier Schweiz und Deutschland an: «Doris Leuthard soll um Himmels Willen nicht wie Moritz Leuenberger auf die Idee kommen, unser Zürcher Radio Energy einstellen zu wollen.»

André Häfliger, Zürich