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MEDIZIN: Krebstherapien: Alternativen helfen nicht

Wer nach der Krebsdiagnose auf die normalen medizinischen Therapien verzichtet und auf Alternativmedizin setzt, hat nach einer Studie der Yale-Universität eine deutlich geringere Überlebenschance.
Bruno Knellwolf
Setzen Krebspatienten ausschliesslich auf Alternativmedizin, ist ihre Überlebenschance gemäss einer neuen Studie geringer. (Bild: Getty)

Setzen Krebspatienten ausschliesslich auf Alternativmedizin, ist ihre Überlebenschance gemäss einer neuen Studie geringer. (Bild: Getty)

Bruno Knellwolf

Den Begriff Schulmedizin mag der Brustchirurg Michael Knauer nicht. «Für mich gibt es nur wirksame oder unwirksame Medizin», sagt der Leitende Arzt am Brustzentrum des Kantonsspitals St.Gallen. Genau darum geht es in der Studie, die von der renommierten Yale-Universität durchgeführt worden ist.

Untersucht wurde die Wirkung von Alternativmethoden gegen Krebs. «Dabei geht es um entweder oder. Also zum einen um Krebspatienten, die eine normale Krebstherapie annehmen, oder um solche, die sie verweigern. Das heisst, Operation, Chemo- oder Strahlentherapie ablehnen und nur auf Alternativtherapien setzen.» Seien das homöopathische, nichterprobte pflanzliche Medikamente oder spirituelle Methoden. Verglichen wurden in der US-Studie über viele Jahre 281 Krebspatienten, die nur auf Alternativmedizin gesetzt haben, mit einer doppelt so grossen Gruppe, die sich standardmässig hat behandeln lassen.

Brust-, Lungen-, Darm- und Prostatakrebs

Die Resultate überraschen in ihrer Deutlichkeit selbst Krebsspezialisten wie Michael Knauer. Untersucht wurden Patienten, die von den häufigsten Krebsleiden betroffen sind: Brust-, Lungen-, Darm- und Prostatakrebs. «Leicht kann man sagen, eh klar, dass die Resultate mit Alternativmethoden etwas schlechter sind. Aber gerade bei Brustkrebs zeigt sich in der Studie ein riesiger Unterschied», sagt Knauer. Will heissen, fünf Jahre nach dem Start der Therapie haben etwa 90 Prozent der Patientinnen überlebt, die sich standardmässig behandeln liessen. Von den Alternativbehandelten nur 58 Prozent. Die Sterblichkeitsrate letzterer ist somit deutlich höher. Alternativbehandelte mit Brustkrebs haben das sechsfach höhere Sterberisiko als Normalbehandelte.

Auch bei Darmkrebs ist der Unterschied 4,6-fach und damit hoch, etwas weniger bei Lungenkrebs und am wenigsten bei Prostatakrebs. Für alle Tumore zusammengefasst gilt gemäss der Studie, dass die Sterblichkeit Alternativbehandelter 2,5-mal höher ist. Die hohe Rate bei Brustkrebspatientinnen habe damit zu tun, dass diese Patientinnen am ehesten dazu neigten, auf alternative Methoden zu setzen. Oft seien diese Frauen jung und aus einer Bevölkerungsschicht mit höherem Sozialstatus. Frauen, für die Chemie des Teufels ist. Ungeachtet dessen, dass zum Ersten auch bei pharmazeutischen Medikamenten oft eine pflanzliche Substanz im Ursprung stehe und zum Zweiten auch in pflanzlichen Arzneimitteln chemische Vorgänge überhaupt eine Wirkung entfalten könnten.

Wie viele Krebspatientinnen auf eine Operation oder eine Chemotherapie verzichten, um sich alternativen Methoden zuzuwenden, kann Knauer nicht sagen, auch nicht am Beispiel des Brustzentrums. Solche Patientinnen gehen oft vorerst gar nicht ins Spital. Dorthin kommen sie erst, wenn die Alternativmethoden nicht wirken. Und dementsprechend sind die Tumore dann in einem sehr fortgeschrittenen Stadium. Eine Heilung wird dann umso schwieriger. «Leider haben auch wir zu viele solcher Fälle», sagt Knauer. Auch die Akademien der Wissenschaften warnten kürzlich in diesem Zusammenhang vor der Homoöpathie, welche oft die Anwendung wirksamer Therapien verzögere (siehe Zweittext).

Dass in der Studie die Sterblichkeitsrate bei Prostata-Patienten weniger hoch ist, habe mit der Art dieses Krebses zu tun. Prostatatumore wachsen sehr langsam, werden oft gar nicht behandelt. Oft stürben solche Patienten vorher an einer anderen Krankheit. Da spielt die Wahl einer Alternativ- oder Standardtherapie keine Rolle mehr. Bei Brustkrebs allerdings schon, wie die Studie zeigt. Bei der medizinischen Brustkrebsbehandlung gebe es extreme Fortschritte, sagt Knauer. Und zwar was Operationen und Medikamente betreffe. Zudem trage das Brustscreening dazu bei, dass viele Tumore im Frühstadium erkannt werden und somit leichter behandelbar seien. «Brustkrebs ist heute nicht mehr so gefährlich wie noch vor zwanzig Jahren. Kein Todesurteil mehr. Die Chancen auf Heilung mit den Standardtherapien sind hervorragend», sagt Knauer.

Individuelle Medizin für Brustkrebspatientinnen

Heute werden Brustkrebspatientinnen individuell behandelt. «Was man als Brustkrebs bezeichnet, sind eigentlich fünf verschiedene Krankheiten.» Um herauszufinden, von welcher die Patientin betroffen ist, wird vom Tumor ein «Fingerabdruck» gemacht. Aufgrund dessen bekommt die Krebspatientin dann eine persönliche Behandlung.

Meist auch in Verbindung mit alternativen Methoden, wie Knauer erklärt. «Sobald eine Alternativmethode beweist, dass sie gleich viel kann oder besser ist, weniger Nebenwirkungen hat, verwenden wir sie so schnell wie möglich. Wir sind nicht gegen solche Methoden, sie müssen aber untersucht und etabliert sein», sagt der Brustchirurg. Knauer betont, dass es in der Studie nicht um integrative oder komplementäre Therapien gehe, die nicht alleine, sondern zusätzlich zur Standardbehandlung angewendet werden. Diese seien besser anerkannt und würden die Spitäler in der Schweiz in der Regel anbieten.

Studie: Use of Alternative Medicine for Cancer and Its Impact on Survival

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