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MEIN BILD: Begrenzte Freiheit unter den Wolken

Evelyne Fischer über eine Begegnung in Hongkong.
Eines der beliebtesten Fotosujets von Hongkong: das «Monster Building» aus den 60er-Jahren am Quarry Bay. (Bild: Getty)

Eines der beliebtesten Fotosujets von Hongkong: das «Monster Building» aus den 60er-Jahren am Quarry Bay. (Bild: Getty)

Kürzlich wandelte ich auf Wolken, gönnte mir dabei den teuersten Kaffee meines Lebens (für rund 13 Franken) und verstand auf einmal, was es heisst, nach etwas Höherem zu streben. Seoul, Südkorea. «Walking On The Cloud» hiess die Bar, grandios war die Aussicht, die sich auf Etage 59 von 63 bot. Lange war das sogenannte «63Building» mit seinen 264 Metern das höchste Gebäude Südkoreas, nun ist es wenigstens noch der höchste vergoldete Wolkenkratzer der Welt.

Wer noch nie in Korea war, muss wissen: Hier wimmelt es von Wolkenkratzern. Auch das Privatleben spielt sich vielerorts in Hochhäusern ab. Etwas Seelenloses haftet diesen Klötzen an. Bei einigen lenken architektonische Finessen von der Tristesse solcher Wohnsilos ab. An jene Bauten erinnerte mich dieses Bild hier, die Ansicht einer Siedlung am Quarry Bay aus den 60ern in der 7-Millionen-Stadt Hongkong. Fünf Hochhäuser, verschmolzen zum Megakomplex. Einheimische reden vom «Monster Building».

Man stelle sich vor, wenn die Menschen in den anscheinend über 2000 Wohnungen zum Fensterputz ansetzen, die Wäsche raushängen oder dem Nachbarn vis-a-vis ein herzliches «n ho!» zurufen: ein einzig Gewusel, dem Treiben in einer Bienenwabe gleich. Die mittlere Wohnfläche pro Person beträgt in Hongkong gerade mal 14 Quadratmeter – 45 sind es hierzulande. Dichtestress in anderen Dimensionen. Wie sie sich wohl anfühlt, diese aufgezwungene Freiheit des beinahe besitzlosen Lebens, weil für unnötigen Ballast der Platz fehlt? Ob die Hongkonger da manchmal die Flucht nach oben ergreifen, himmelwärts? Zumindest eine Dachterrasse wäre ihnen zu gönnen. Etwas Weitblick für das eingeengte Volk.

Mit der Faszination für den Grossstadt-Dschungel bin ich – zurück in der Heimat – alleine auf weiter Flur. Wolkenkratzer? Fehlanzeige. Hochhäuser? Sorgen hier höchstens für hochemotionale Debatten. Daher muss ich mich mit der Aussicht aus dem 5.Stock zufrieden geben. Immerhin: Gerade derzeit hat auch der Blick auf Rigi und Stanserhorn in der Morgenröte seinen Reiz. Und überdies gibt’s den Kaffee aus der Bialetti fast gratis obendrauf.

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

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