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MEISTERWERK: Sixtinische Madonna: Himmel und Erde vereint

Die Sixtinische Madonna verdankt ihre Popularität auch den beiden Engelchen, die gelangweilt zu ihren Füssen sitzen.
Gelangweilt oder nachdenklich? Die beiden Engelchen zu Füssen der Madonna haben ein Eigenleben entwickelt. (Bild: PD)

Gelangweilt oder nachdenklich? Die beiden Engelchen zu Füssen der Madonna haben ein Eigenleben entwickelt. (Bild: PD)

Christina Genova


Als Raffael die Sixtinische Madonna malt, ist er auf dem Höhepunkt seines Könnens. Der Künstler ist damals knapp 30 Jahre alt, lebt seit vier Jahren in Rom und hat alle wichtigen Auftraggeber von seinen Fähigkeiten überzeugt – allen voran Papst Julius II. Dieser gibt ihm auch den Auftrag für das Marienbildnis, das seinen Titel von seinem Aufstellungsort erhält. Denn Raffael malt das 2,69 auf 2,01 Meter grosse Gemälde von 1512 bis 1513 für den Hochaltar der neu gebauten Klosterkirche San Sisto in Piacenza. Die Stadt fällt 1499 an die Franzosen und hat sich nach deren Vertreibung im Jahr 1512 wieder dem Kirchenstaat angeschlossen. Diesen politischen Erfolg will der Papst mit dem Gemälde feiern.

Der Künstlerbiograf Giorgio Vasari erwähnt die Sixtinische Madonna in seinen «Viten»: «Für die schwarzen Mönche von San Sisto zu Piacenza malte Raffael ein Bild zu ihrem Hauptaltar, man sieht darin die Madonna, den heiligen Sixtus und die heilige Barbara, ein fürwahr seltenes und wunderbares Werk.» Raffael schafft eine neuartige Bildkomposition: himmlische und irdische Sphäre sind nicht mehr wie üblich getrennt, sondern vereint.

Zweieinhalb Jahrhunderte gehört die Sixtinische Madonna fast ausschliesslich den Benediktinern und Kirchgängern von San Sisto. Bis August III., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, von einem Gewährsmann den Hinweis bekommt, dass die Mönche von San Sisto dringend Geld zur Restaurierung ihrer Kirche brauchen. Deshalb seien sie bereit, ihre grosse Raffael-Madonna zu verkaufen. Zwei Jahre feilscht der leidenschaftliche Kunstsammler um den Preis. 1754 bezahlt August III. schliesslich die enorme Summe von 25000 Scudi. 1774 hängt er das Madonnenbildnis in seiner Gemäldegalerie in Dresden auf, wo es sich immer noch befindet. Im Kloster San Sisto wird eine Kopie aufgestellt. Nach und nach tritt die Sixtinische Madonna ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, heute gehört sie zu den bekanntesten Gemälden der Renaissance.

1. Wolkige Engel

Aus der Distanz glaubt man, im Hintergrund des Gemäldes Wolken zu sehen. Von Nahem erkennt man, dass Raffael zahlreiche Engelsköpfe gemalt hat. Sie rahmen die Madonna ein und sind im Gegensatz zu den beiden Engeln im Vordergrund nur zart angedeutet. Es scheint, als trete die Muttergottes aus der Mitte der Engel und trage ihr Kind aus der unendlichen Weite des Himmels zur Erde.

2. Der demütige Sixtus

Der heilige Sixtus kniet zur Rechten der Madonna. Der frühchristliche Märtyrer und Papst ist der Patron der Klosterkirche von San Sisto, wo die Sixtinische Madonna ursprünglich hing. Dort werden auch seine Reliquien aufbewahrt. Die Papstkrone, die Sixtus demütig abgenommen und auf der Brüstung platziert hat, wird von einer Eichel gekrönt. Auch auf dem kostbaren Umhang, dem Pluviale, befindet sich ein Ornament aus Eichenlaub. Die Eiche ziert das Familienwappen des Auftraggebers Papst Julius II. Sixtus trägt ausserdem dessen Gesichtszüge. Mit der Darstellung von Sixtus würdigt Julius II. nicht nur seinen frühen Vorgänger, sondern gleichzeitig auch seinen Onkel, Papst Sixtus IV., der ihm den Weg zum Kirchenthron geebnet hat.

3. Die Muttergottes

Hinter einem zurückgezogenen Vorhang erscheint die in goldenes Licht getauchte Madonna. Sie ist klassisch in Rot und Blau gekleidet. Leichten Fusses schreitet sie auf Wolken. Ihre dunklen Augen sind ruhig und mild in die Ferne gerichtet. In ihren Armen hält sie das Jesuskind, das eher skeptisch schaut. Der braune Schleier fällt von ihrem Kopf herab, bauscht sich und fliesst unter ihrem Arm entlang weiter. Das Tuch scheint Mutter und Kind regelrecht zu umfangen und unterstreicht deren enge Verbundenheit. Möglicherweise stand Raffaels Geliebte, die Bäckerstochter Margherita Luti, für seine Madonna Modell.

4. Barbara, die Eingekerkerte

Die heilige Barbara kniet dem heiligen Sixtus gegenüber. Auch von ihr werden in San Sisto Reliquien aufbewahrt. Die junge schöne Frau schlägt den Blick demütig nieder, die Hände hat sie fromm vor der Brust gekreuzt. Im Hintergrund erkennt man den Turm, ihr Attribut. Der Legende nach ist sie darin von ihrem heidnischen Vater eingekerkert worden.

5. Die Werbestars

Am unteren Bildrand stützen sich zwei Engelchen wartend auf eine Brüstung. Sie lenken den Blick des Betrachters empor zu den Hauptfiguren. Mit ihnen wird erst der Tiefenraum klar, der die Madonna von der vorderen Bildkante trennt. Raffael malt die Engel erst ganz zum Schluss. Er hat an ihrer Stelle zunächst nur Wolken geplant. Grundsätzlich gehören Engelchen jedoch zum traditionellen Repertoire der Mariendarstellung. Da Raffael das ganze Bild aus Zweiergruppen komponiert – Madonna und Kind sowie die beiden Heiligen –, mussten es auch zwei Engel sein. Längst schon haben die Engelchen ein Eigenleben entwickelt und zieren heute Konsumartikel aller Art – von der Kaffeetasse bis zur Papierserviette. Sie sind berühmter als das eigentliche Gemälde.

Quellen: Jürg Meyer zu Cappellen: Raffael. C. H. Beck 2010; Stephanie Buck/Peter Hohenstatt: Raffaello Santi, genannt Raffael. Könemann 1998; Andreas Henning (Hg.): Die Sixtinische Madonna – Raffaels Kultbild wird 500. Prestel 2012; www.art-magazin.de

1 (Bild: PD)

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Nummer 2: Der demütige Sixtus. (Bild: PD)

Nummer 2: Der demütige Sixtus. (Bild: PD)

Nummer 3: Die Muttergottes. (Bild: PD)

Nummer 3: Die Muttergottes. (Bild: PD)

Nummer 4: Barbara, die Eingekehrte. (Bild: PD)

Nummer 4: Barbara, die Eingekehrte. (Bild: PD)

Nummer 5: Die Werbestars. (Bild: PD)

Nummer 5: Die Werbestars. (Bild: PD)

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