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Melone vs. Kürbis – die Abrechnung

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Lacht hier eine Melone einen Kürbis aus? Grund dazu gibt es allerdings herzlich wenig. (Bild: Getty)

Lacht hier eine Melone einen Kürbis aus? Grund dazu gibt es allerdings herzlich wenig. (Bild: Getty)

Das Jahr lässt sich nahezu lückenlos einteilen in Kürbis- und Melonenmonate. Einzig eine kurze Dominanz von Spargeln in der zweiten Frühlingshälfte vereitelt ein Dauerbombardement an Speisen aus diesen zumeist kugelrunden Gewächsen zu Hause wie auch an fremden Tischen.

Obwohl Melonen ebenfalls zur Kürbisfamilie gehören und also keine Frucht, sondern ein Gemüse sind, haben beide ihre Eigenheiten, ihre Vorzüge und ihre problematischen Seiten. Wir wägen hier jetzt mal alles säuberlich gegeneinander ab.

Grösse: Unter den Melonen gibt es schon auch wuchtige Brummer, dennoch sind die Kürbisse mit ihren monströsen Auswüchsen (aktueller Weltrekord: 1190,5 Kilo) klar im Vorteil. 1 Punkt für den Kürbis.

Sortenvielfalt: Ständig kommen neue Melonen auf den Markt, was aber kein Vergleich ist zu den Kürbissen, deren Sorten man gar nicht über­blicken kann, geschweige denn kennen kann. Gut so. 1 Punkt für den Kürbis.

Saison: Jene des Kürbisses dauert länger. 1 Punkt für die Melone.

Name: Melone hat sprachlich etwas mit Apfel zu tun, Kürbis mit Korb. Punkte? Je 1.

Geschmack: Kürbisse schmecken nach nichts, Melonen dagegen süss – wenn man keine hölzerne erwischt. Ausgerechnet bei der besten, der rugbyballähnlichen Honigmelone aus Portugal, bringt Drücken und Riechen nichts. Während ein Kürbis selten enttäuscht, weil man eh wenig erwartet, kommt es bei der Melone auf die Tagesform an. Wir vergeben ihr hier deshalb nur unter Vorbehalten ? Punkt.

Umfeld: Der Kürbis lässt quasi alles an sich heran und mit sich machen. Er braucht ja auch jemanden, um auf den Geschmack zu kommen. Wählerischer ist die Melone. Häufig sieht man sie mit Rohschinken, und in der Nähe lauert oft das gefürchtete Paar Tomaten/Weichgummi, auch bekannt als Mozzarella. Grosszügig darüber hinweggesehen: 1 Punkt an die Melone.

Gesundheit: Melonen helfen unter anderem gegen Kahlköpfigkeit, Kürbiskerne halten die Prostataregion am Laufen. Nur: Speziell die Wassermelone bzw. ihre Schale kann höllische Durchfälle verursachen und Wildkürbisse wegen der Cucurbitacine (Bitterstoffe) auch mal tödliche Vergiftungen. Aber für je ? Punkt reicht es allemal.

Brauchtum: Eng mit dem Kürbis verbunden ist Halloween. Solange der in Irland und in den USA abgehalten wird, kann uns das egal sein. Für die wiederholten Versuche, im «alten Europa» (Donald Rumsfeld) Fuss zu fassen, gibt es ? Strafpunkt. Nicht gut zu Masken schnitzen lässt sich die Melone. Das gibt umgekehrt ? Punkt.

Nachhaltigkeit: Zierkürbisse überdauern in Wohnstuben ganze Generationen und erfreuen die Betrachter (sofern man sie unter der Staubschicht wahrnimmt). Die Melone hat da nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. 1 Punkt für den Kürbis.

Unter dem Strich aber setzt sich die Melone mit 4? zu 4 Punkten durch. Da aber noch ein Vorbehalt besteht, kann man sagen: Es ist gehupft wie gekugelt. Vermutlich wird ja eh bald eine Mischform – Kürbone oder Melbis genannt – herangezüchtet, die allen Ansprüchen gerecht wird und sich im Jahreslauf als kulinarische Allzweckwaffe einsetzen lässt. Aber ob Kürbis, Melone oder Mischmasch: Ich freue mich sehr. Auf die nächste Spargelsaison.

Hans Graber

hans.graber@luzernerzeitung.ch

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