MICHAELSKREUZ-RENNEN: Wie hielt das Waltisperg 23 Jahre lang aus?

Eine rasante Bergfahrt auf den Rooter Hausberg mit Kurt Waltisperg im Seitenwagen ist ein Erlebnis. Auf jeden Fall ging alles gut.

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Kurt Waltisperg informiert Andre Häfliger wie er sich während der Fahrt auf dem Seitenwagentöff verhalten soll. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Kurt Waltisperg informiert Andre Häfliger wie er sich während der Fahrt auf dem Seitenwagentöff verhalten soll. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Nein, Angst hatten wir nicht, als uns der Luzerner Ex-Töffstar Kurt Waltisperg gestern in Root am zweiten Michaelskreuz-Bergrennen einlud, in seinem Seitenwagen als Beifahrer Platz zu nehmen. Aber der Riesenrespekt setzte spätestens dann ein, als wir ins enge Lederkombi stiegen, Handschuhe anzogen – und es, lange nach Abgabe der Militärsachen, wieder einmal «Helm auf» hiess. Der Nebel hatte sich schon verzogen, die Sonne wollte diese Premiere schliesslich auch miterleben. «Möglichst flach und ganz zusammengelegt da runter liegen und mit beiden Händen an Innengriff und Töffaussenseite der 105-PS-LCR-Yamaha-Rennebolide halten, was das Zeug hält.» Das waren die einzigen Ratschläge, die uns der sechsfache Weltmeister (mit Rolf Biland im Cockpit) vor dem Start noch geben konnte. 23 Jahre hat es Waltisperg, der heute Events für Firmen und Private durchführt und 1997 vom Spitztensport zurücktrat, als Beifahrer ausgehalten. Respekt!

Die Rennfahrt auf der 3,42 Kilometer langen Strecke hoch aufs Michaelskreuz? Sie war so knapp an der Grenze des Mörderischen, atemberaubend auf jeden Fall. Alle Muskeln sind total angespannt, man wird hin und hergerissen, nach vorne, nach hinten, er schüttelt gewaltig. Und es beschleunigt dich bis auf 130 Stundenkilometer zwischendurch. Irgendwann kurz vor dem Ziel, bist du heilfroh, wenn Rennfahrer Waltisperg den Profi-Rallyefahrer Heintz Scherrer eingeholt hat. Dieser musste mit seinem Subaru-Rennauto zwangsläufig wegen langsameren Oldtimers auf der Strecke abbremsen. «So, das war jetzt eine recht vorsichtige Taxifahrt», lachte Waltisperg oben am Ziel. Das nimmt uns die Freude und den Stolz nicht, diese Premiere heil und mit grosser Aussicht auf Muskelkater überstanden zu haben?

Viel Glanz und Gloria
Die meisten der Starterinnen und Starter (150 Autos, 100 Töffs und 30 Velos) nehmen es an dieser zweiten Emil-Frey-Gedenkfahrt aber gemütlich. Sie sind stolz, dass ihre piekfein rausgeputzten und hochgepflegten Raritäten die 305 Meter Höhenunterschied wacker meistern. Wie etwa Gody Naef aus Rapperswil in seinem Amil-Oldtimer. Mit 89 Jahren war er der älteste Starter. «Das ist inzwischen europaweit so», schmunzelte Naef neben seiner Beifahrerin Vanessa Gerritsen und seinem Maskottchen, dem Gody-Bär. Oder Franz Imhof aus Zürich, der seinen MG A-Type vor rund 40 Jahren für 3000 Franken gekauft hat. «Heute ist er zehn Mal mehr Wert», stellte er fest.

Training nicht nötig?
Muss man denn für diese Rennen auch trainieren? «Nein», lachte Ursula Amstutz aus dem Appenzellischen, eine der wenigen Starterinnen. «Ich jedenfalls nicht. Schliesslich sitze ich ja alleine in meinem Triumph-Cabrio – und es macht riesig Spass!» Das hatte auch der bekennende «Döschwo»-Fan Oliver Indermauer aus Steinhausen. Er kam mit seiner inzwischen silbern verzinkten, 35 Jahre alten Citroën-Legende. «Das ist mein cooles Geschäftsauto», grinste der Zuger Maschinenbauer. «Und zu Hause habe ich noch zwei viel ältere Cintroëns.» Ganz stolz schliesslich zeigte Rudolf Leupi aus Luzern ein ganz besonderes Detail an seinem 92-jährigen 30-PS-Eichhof-Bierlastwagen mit Vollgummirädern und Blattfederung: Den Kilometerzähler mitten im linken Vorderrad. 8853,61 stand da. «Diese Kilometerzahl stimmt aber ganz genau», betonte Naef, der seit 35 Jahren für Eichhof tätig ist.

André Häfliger