MISS SCHWEIZ 2009: Toyloy: «Ich bin schnell viel reifer geworden»

Am kommenden Samstag gibt Miss Schweiz Whitney Toyloy in Genf ihre Krone ab. Zuerst zieht die 19-jährige Waadtländerin Bilanz und spricht über ihre Zukunft, Männer und Schönheit.

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Die abtretende Miss Schweiz 2008 Whitney Toyloy. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Die abtretende Miss Schweiz 2008 Whitney Toyloy. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Für viele junge Mädchen sind sie eine Prinzessin – wie aus dem Märchen. Fühlen Sie sich denn als Prinzessin?
Whitney Toyloy: Nein, ich selber fühle mich nicht als Prinzessin. Ich fühle mich mehr als junge, moderne Frau, die allerdings von Kindheit an manchmal etwas zu wenig Selbstbewusstsein hat. Aber ich kann die Kinder gut verstehen. Bei Autogrammstunden etwa lautet meistens die erste Frage der Kinder: Wo ist denn deine Krone?

Ja, wo ist sie denn, die Krone?
Toyloy:
Sie hat ihr Jahr praktisch in meinem Zimmer verbracht. Ich werde die Krone mit Wehmut abgeben – und sicher gegen die Tränen kämpfen. Am liebsten möchte ich sie behalten, weil sie auch mir viel bedeutet. Aber das darf ich ja nicht?

?trotzdem dürfen Sie einiges behalten. Ihr Auto und ihren Verdienst in der Grössenordnung von 450'000 Franken. Was machen Sie mit dem vielen Geld?
Toyloy: Ich werde es vorerst einfach zur Seite legen. Und mir dann an dem Ort, wo ich einst studieren werde, eine schöne Wohnung zu kaufen. Am liebsten in Lausanne, das kann aber auch etwa in Zürich sein, falls ich dort studieren werde.

Das wissen Sie noch nicht?
Toyloy:
Nein, ich will jetzt zuerst meine Matura nachholen. Wenn alles gut geht, wird das anfangs Juli des kommenden Jahres der Fall sein. Dann will ich ein paar Praktika absolvieren, um herauszufinden, welches Studium ich genau anpacken will.

Haben Sie weitere Pläne für die Zukunft?
Toyloy:
Ich will sicher die Aufgaben einer ehemaligen Miss Schweiz in Sachen Repräsentation oder auch im Model-Bereich wahr nehmen. Dazu möchte ich sehr gerne als Moderatorin tätig werden. Das wegen der Sprache indes vorerst vielleicht mehr in der Westschweiz. Das alles aber will ich neben meiner Schule bewältigen, was mir sicher keine Schwierigkeiten bereitet. Schliesslich war ich schon früher ein sehr vielseitiger Mensch, der verschiedene Jobs miteinander machte.

Was bleibt Ihnen von diesem Jahr in besonderer Erinnerung?
Toyloy:
Oh, alles! Vor allem aber die Entwicklung, die ich als Persönlichkeit machen durfte. Ich bin schnell viel, viel reifer geworden und habe extrem viel Lebenserfahrungen gesammelt. Ich bin erst 19 Jahre alt – aber das war die absolut schönste Erfahrung, die ich in meinem jungen Leben machen durfte.

Was genau sind denn diese schönen Erfahrungen?
Toyloy:
Das sind die vielen tollen Erlebnisse, etwa die Teilnahme an der Miss Universum-Wahl auf den Bahamas. Oder der Kontakt zu so vielen netten Menschen, die ich treffen durfte. Nur Roger Federer bin ich leider noch nie begegnet. Das fehlt mir noch, denn ich bewundere ihn sehr und finde ihn einen der besten Repräsentanten unseres Landes in aller Welt. Mit 24 000 Autokilometern auf dem Buckel habe ich zudem zahlreiche mir bisher unbekannte Seiten unseres schönen Landes kennengelernt.

Auch die Erfahrung, dass – wie man da und dort sagt – die Deutschweizer weniger offen sind als die Westschweizer?
Toyloy:
Nein, diese Erfahrung habe ich nicht gemacht. Auch mein Vater sagte: Gehe mal in die Deutschschweiz arbeiten, dann wirst du es sehen. Nein, das stimmt nicht. Es ist in beiden Regionen gleich: Hier und da gibt es Besseres und Schlechteres. Und in der deutschen Schweiz habe ich einige Französisch sprechende Freunde kennengelernt, die gesagt haben, die Deutschweizer seien offener als die Romands – also genau das Gegenteil von dem, was man in meiner Heimatregion ab und zu hört.

Ein Jahr lang die Schönste im ganzen Land sein – ist das nicht auch anstrengend?
Toyloy:
Nein, ich fühle da absolut keinen Druck. Ich sehe das ganz locker. Ich fühlte mich selber nie als die Schönste im ganzen Land. Zumal es abertausende schöner Frauen in der Schweiz gibt. Schönheit und Wohlsein kommt für mich zudem auch stark von innen. Und schliesslich macht den Erfolg einer Schönheitskönigin auch ihren Charakter, ihre Persönlichkeit aus.

Und ihr Allgemeinwissen? Was dachten Sie, als Sie hörten, dass einige Ihrer möglichen Nachfolgerinnen das Matterhorn oder Bundespräsident Merz auf dem Bild nicht erkannten?
Toyloy (lacht):
Ui, waren die Bilder do schlecht? Das war mein erster Gedanke. Aber im ernst: Ehrlich gesagt, war ich schon etwas schockiert und doch sehr erstaunt, denn dass man diesen markanten Berg, der auf jeder Toblerone-Schoggi zu sehen ist, und den Präsidenten unseres Landes kennt, ist für mich schon eine Selbstverständlichkeit. Ebenso selbstverständlich habe ich aber diesen Finalistinnen mit einem Lächeln sofort verziehen.

Wie stehen Sie zu Schönheitsoperationen?
Toyloy:
Da unterscheide ich etwas. Wenn sich jemand nicht schön fühlt und dadurch unwohl ist, kann ich kleinere Eingriffe schon verstehen. Etwa an Nase oder Ohren. Wie meine Schwester, die etwas abstehende Ohren hatte und das mittels einer kleinen Operation korrigieren liess. Aber schon etwa beim Aufspritzen der Lippen werde ich sehr skeptisch. Man kann sagen was man will, es wirkt in den allermeisten Fällen unnatürlich und man sieht es früher oder später einfach. Meine Lippen würde ich niemals spritzen – und auch meine Brüste würde ich nicht vergrössern lassen, nein. Ausser vielleicht einen kleinen, korrigierenden Eingriff, wenn ich mal ein paar Kinder gehabt habe?

Oh, grad ein paar Kinder möchten Sie?
Toyloy:
Entweder zwei oder vier. Das aber sicher erst so in zehn, dreizehn Jahren. Ja klar, schliesslich bin ich ein Mensch, der sehr an seiner Familie hängt. Ich bin auch glücklich und dankbar, dass meine Familie mein das Jahr mit mir im Amt sehr gut und unbeschadet überstanden war. Wir haben das alle sehr nahe zusammen erlebt. Am Anfang war alles komplett neu und fast überstürzt anders. Dann aber hat sich bald einmal alles etwas gelegt und wir hatten viel Spass zusammen.

Gar nichts, das euch genervt hat?
Toyloy:
Manche Zeitungsartikel, die einfach inhaltlich überhaupt nicht stimmten, haben mich in der Tat schon genervt. Da wurde ich als «Miss untreu» betitelt, einen Monat später als «Miss wunderbar» gefeiert. Oder die Trennung von meinem Freund – das war ein ganzer Monat ein Thema. Bis ich dann mit meiner Schwester einfach mal vier Tage nach Spanien abhaute – dann war endlich Ruhe.

Diese Trennung. Hat sie was mit der Hektik Ihres Amtsjahres zu tun?
Toyloy:
Nein, ganz und gar nicht. Karim und ich hätten uns auch getrennt, wenn ich nicht Miss Schweiz gewesen wäre. Das weiss ich am besten. Schliesslich hatten wir schon unsere Krisen, etwa Probleme mit der Eifersucht, schon bevor ich mein Amt antrat.

Und der Pnos-Politiker, der Sie als «Geschwür» bezeichnet hat, wie gehen Sie damit um?
Toyloy:
Das habe ich sofort vergessen. Das hat mich überhaupt nicht getroffen. Seit ich fünf Jahre alt bin erlebe ich ab und an rassistisch angehauchte Angriffe. Als weltoffener Mensch kann ich das gar nicht ernst nehmen, es prallt an mir ab. Andere Menschen in meinem Umfeld waren da schon viel aufgeregter und viel betroffener auch.

Wie lange brauchen Sie denn am morgen im Badezimmer?
Toyloy:
Wenn ich privat für mich unterwegs bin, genügen zehn Minuten zum Schminken. Für die tägliche, berufliche Vorbereitung mit Duschen und Haare waschen benötige ich nach dem Aufstehen, in der Regel immer um 6.45 Uhr, so gegen 35 Minuten.

Wann haben Sie sich denn zum ersten Mal geschminkt?
Toyloy (lacht):
Ich wollte das schon mit zehn Jahren machen. Aber meine Mutter sagte, ich sei noch zu jung. So bin ich dann auf dem Schulweg einige Meter auf meinem Fahrrad gefahren, hielt dann an und machte etwas Schminke in mein Gesicht. Ja, da war ich zehn Jahre alt. Aber wie gesagt: Nur ein klein bisschen wollte ich mich halt doch schminken.

Stört es Sie, wenn Ihnen jemand auf der Strasse nachschaut?
Toyloy: Als ich noch jünger war, schon. Aber inzwischen merke ich das gar nicht mehr. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, sagen sie mir oft: Siehst du, wie die dir nachschauen? Ich sage dann immer: Nein, das merke ich gar nicht, also stört es mich auch nicht.

Gibt es Tage, wo Sie sich nicht im Spiegel anschauen können?
Toyloy:
Ja sicher, das geht mir so wie wohl allen Mädchen. Man hat Tage, da wacht man schlecht auf und fühlt sich schlecht. Dann lasse ich das jeweils einfach so sein, grüble nicht nach und gehe einfach möglicht schnell an meine Tagesaufgabe ran. Meistens verfliegen dann die schlechten Gefühle schnell und automatisch.

Würden Sie je nackt posieren?
Toyloy:
Ganz nackte oder gar pornografische Bilder wird es von mir natürlich nie geben. Aber sexy posieren für einen guten Zweck, etwa im Kampf etwa gegen Aids oder Krebs, das würde ich schon. Aber nur unter der Bedingung, dass das ganze Geld dann auch diesen Hilfsorganisationen zugute kommt.

Themawechsel. Sie sind jetzt wieder Single. Stehen die Männer Schlange?
Toyloy (schmunzelt):
Sicher gibt es jetzt mehr Männer, die mit mir flirten wollen, als zu den Zeiten, als ich einen Freund hatte. Aber das nützt alles nichts. Ich hatte in den letzten vier Jahren drei Beziehungen, jetzt brauche ich mal einfach Zeit für mich und möchte keinen Freund haben.

Auch der Zürcher Clubbesitzer und Lebemann Carl Hirschmann konnte Ihr Herz nicht erobern?
Toyloy:
Nein, Carl ist zwar ein sehr guter Freund von mir, aber nicht mein Freund. Wir verstehen uns gut, lachen viel miteinander, sprechen die gleiche Muttersprache. Nein, mehr ist da nicht, er wird nie mein Freund sein. Und so wie ich ihn kenne, geniesst er eben auch gerade sein Single-Leben.

Was würden Sie anders machen, wenn Sie Ihr Jahr nochmals beginnen könnten?
Toyloy:
Nicht viel. Ich bin sehr zufrieden, denn ich habe ein Traumjahr erlebt. Sicher kann man – im Nachhinein betrachtet – immer etwas besser machen. Die ganz, ganz perfekte Miss Schweiz gibt es wohl nicht. Aber ich meine, ich habe alles gegeben und schätze mal, zu 98 Prozent erfüllt zu haben. Und: Ich durfte dabei sogar fünf Wochen Ferien geniessen. Diese Zeit habe ich mir einfach genommen und bereue es gar nicht, im Gegenteil.

Welchen Ratschlag geben Sie Ihrer Nachfolgerin?
Toyloy:
Geniesse das Jahr, nutze es so gut und stark es geht, packe deine vielen Chancen. Und vergiss nicht: Es geht schnell, sehr schnell vorbei.

André Häfliger, Yverdon