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MISSBRAUCHSVORWÜRFE: Belästigungsvorwürfe an Hollywood-Schauspieler wuchern

In Los Angeles steht eigentlich die Preisverleihungssaison an, doch Schlagzeilen machen die täglichen ­Skandalnachrichten: Weitere prominente Filmstars werden mit dem Vorwurf der sexuellen Belästigung konfrontiert.
Barbara Munker, dpa
Der Missbrauchsskandal verstellt die Sicht auf die Traumfabrik Hollywood. (Bild: Getty (Los Angeles, 5. März 2017))

Der Missbrauchsskandal verstellt die Sicht auf die Traumfabrik Hollywood. (Bild: Getty (Los Angeles, 5. März 2017))

Barbara Munker, DPA

Hollywood kommt nicht zur Ruhe. Seit Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen Harvey Weinstein vor rund einem Monat melden sich täglich neue mutmassliche Opfer zu Wort, die berichten, sie seien von prominenten Männern aus der Filmbranche sexuell missbraucht worden. In Firmen und Vorständen rollen Köpfe, Film- und Fernsehprojekte werden gestoppt, Polizei und Staatsanwälte ermitteln.

Immer mehr Schauspieler und Regisseure geraten ins Visier der Ermittler. Nach Weinstein, Regisseur James Toback und «House of Cards»-Star Kevin Spacey wurden nun auch Oscar-Preisträger Dustin Hoffman und «Rush Hour»-Regisseur Brett Ratner mit Vorwürfen sexueller Belästigung konfrontiert.

Projekte­ auf Eis gelegt

Als 17-jährige Praktikantin am Set sei sie 1985 von Dustin Hoffman wiederholt belästigt worden, schrieb die US-Autorin Anna Graham Hunter in einer Gastkolumne für «The Hollywood Reporter». Der Star habe sie um eine Massage gebeten, an den Po gegriffen und mit anzüglichen Bemerkungen bedrängt. «Er war ein Jäger, ich war ein Kind, und das war sexuelle Belästigung», erklärte Hunter. In einer Stellungnahme entschuldigte sich der Oscar-Preisträger. Er habe «grössten Respekt» für Frauen, und er fühle sich schrecklich, dass er Graham möglicherweise in eine «unangenehme Situation» gebracht haben könnte.

Sechs Frauen, darunter die Schauspielerinnen Olivia Munn und Natasha Henstridge, werfen Brett Ratner in Interviews mit der «Los Angeles Times» sexuelle Übergriffe vor, die teilweise in die 1990er-Jahre zurückgehen. Der 48-jährige Blockbuster-Regisseur («Rush Hour») wies die Vorwürfe über seinen Anwalt Martin Singer «kategorisch» zurück. Doch die Branche reagierte sofort: Ratners geplantes Regieprojekt über den kürzlich verstorbenen «Playboy»-Gründer Hugh Hefner wurde kurzerhand auf Eis gelegt. Man sei «tief besorgt» über die Vorwürfe gegen Ratner, teilte ein Sprecher von Playboy Enterprises dem «Hollywood Reporter» mit. Die Lage müsse geprüft werden, bevor die Zusammenarbeit fortgesetzt werde, hiess es.

Die Sprecherin von Oscar-Preisträger Jared Leto stellte sofort klar, dass der Schauspieler nicht mit Ratner zusammenarbeiten werde. Leto war zuvor in den US-Medien als möglicher Hauptdarsteller gehandelt worden. Ratner selbst teilte laut «Variety» mit, er habe sich entschieden, sich aus allen Warner-Brothers-Projekten zurückzuziehen.

Diese Woche kam das Aus für die Netflix-Serie «House of Cards», in der Kevin Spacey den skrupellosen Präsidenten Frank Underwood spielt. Der Oscar-Preisträger war zuvor von zwei Schauspielern sexueller Übergriffe beschuldigt worden. Der 58-Jährige outete sich wenig später als schwul und will nun therapeu­tische Hilfe suchen. Gemäss ­Netflix ist das Serienende schon länger geplant gewesen. Doch selbst wenn nicht: Spacey wäre nach seinem Eingeständnis der Übergriffe ohnehin nicht mehr tragbar.

Auch die Oscars sind vom Weinstein-Skandal direkt betroffen. So hat die krisengeschüttelte Weinstein Company den für November geplanten Kinostart des Historien-Dramas «The Current War» mit Benedict Cumberbatch auf das kommende Jahr verschoben. Damit fällt das Oscar-Rennen in vier Monaten für den Film ins Wasser.

Dustin Hoffman (rechts) und Emma Thompson (mitte) verlassen am Samstag mit Ben Stiller (links) den Saal nach der Premiere ihres Films. (Bild: EPA/Ian Langsdon)

Dustin Hoffman (rechts) und Emma Thompson (mitte) verlassen am Samstag mit Ben Stiller (links) den Saal nach der Premiere ihres Films. (Bild: EPA/Ian Langsdon)

Brett Ratner (Bild: Willy Sanjuan/Invision/AP (Beverly Hills, 26. April 2017))

Brett Ratner (Bild: Willy Sanjuan/Invision/AP (Beverly Hills, 26. April 2017))

Kevin Spacey (Bild: Keystone)

Kevin Spacey (Bild: Keystone)

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