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MISSEN-KRISE: Abgründe der Schönheit

Korruption und Prostitution erschüttern Venezuelas berühmten Schönheits-Wettbewerb. Es bleibt kein Stein auf dem andern.
Sandra Weiss, Puebla
Kann ihr Glück bei der Wahl kaum fassen: Sthefany Gutiérrez (19), Miss Venezuela 2017. (Bild: Nathalie Sayago/Imago (Caracas, 9. November 2017))

Kann ihr Glück bei der Wahl kaum fassen: Sthefany Gutiérrez (19), Miss Venezuela 2017. (Bild: Nathalie Sayago/Imago (Caracas, 9. November 2017))

Sandra Weiss, Puebla

Die fliederfarbene «Quinta Miss Venezuela» ist ein eleganter Betonbau mit einem atemberaubenden Blick über Caracas. Sieben Miss Universum und sechs Miss Mundo sind aus diesem Bau hervorgegangen. Früher war im Herzen des venezolanischen Schönheitsgeschäfts immer die Hölle los: Junge Anwärterinnen, Fotografen, Coiffeure, Modedesigner und manchmal auch der Zar des ­Ganzen, Osmel Sousa, gaben sich die Klinke in die Hand. Jetzt ist die Quinta verriegelt und auf der Website von Miss Venezuela steht: «Wir führen gerade eine interne Revision unserer Kontrollmechanismen durch.» Hinter der Formel versteckt sich ein Abgrund von Skandalen, in denen es um Korruption, Prostitution, Geld, Gier und Macht geht.

Es war ein Drama in vier ­Akten. Der erste kam von der Ex-Miss und Schauspielerin Patricia Velásquez, die vor Jahren eine Autobiografie schrieb, in der sie schilderte, wie sie sich prosti­tuierte, um die von Sousa verlangten Schönheitsoperationen für die Wettbewerbe zu finanzieren. Niemand fand das anstössig. Eine andere Miss schilderte anonym, wie ihre Laufsteg-Lehrerin von reichen Geschäftsleuten Geld kassierte, um Mittag­essen mit den Anwärterinnen zu arrangieren. Eine weitere Ex-Miss erzählte, wie sie zu einem der Sponsoren beordert wurde, um vor ihm den Bade­anzug anzuprobieren. «Er erwartete mich bereits in der Unter­hose», schrieb Vivian Sleiman.

Voriges Jahr publizierten inves­tigative Online-Plattformen Details über Missen, die von Regierungsfunktionären Geld bekamen im Austausch für sexuelle Gefälligkeiten oder gemeinsame öffentliche Auftritte. Die Ex-Miss Claudia Suárez tauchte im Zusammenhang mit einem Geld­wäscheskandal auf. Sie soll Millionen auf ein Konto von Diego Salazar verschoben haben, Neffe des langjährigen Erdölministers Rafael Ramírez. Beide galten als Vertraute des verstorbenen Ex-Präsidenten Hugo Chávez, sind jedoch bei dessen Nachfolger Nicolás Maduro in Ungnade gefallen und leben nun im Exil.

Der dritte Akt war ein Roman namens «Die Püppchen der Krone», geschrieben von der Journalistin Ibéyise Pacheco. Darin schildert sie, wie die regierenden Sozialisten nach und nach den ­berühmtesten Schönheitswettbewerb Lateinamerikas infiltriert haben, um ihn in ein politisches Propaganda­instrument zu verwandeln – und wie das einherging mit sexuellen Gefälligkeiten gegen Geld, neureicher Prahlerei, Erpressung und Geldwäsche. Das 2017 erschienene Buch war als Roman getarnt, obwohl es auf realen Nachforschungen basierte.

Was bis dahin in die Rubrik «Gerüchteküche» fiel, explodierte vor zwei Wochen in den sozialen Medien mit gegenseitigen ­Anschuldigungen diverser Ex-Models. Anlass war ein Insta- gram-Foto, auf dem Ex-Miss Zoraya Villarreal Werbung für die Stiftung Diego Salazar macht. Nachdem sich zahlreiche Kommentatoren hämisch dazu äusserten, sprang Ex-Miss Annarella Bono ihrer Kollegin zur Seite. «Was für eine Doppelmoral», echauffierte sie sich. «Viele andere Missen, die so korrekt tun oder der Opposition anhängen, haben ebenfalls heimlich vom Honig der Sozialisten gekostet.»

So soll Anyela Galante (Miss Venezuela Mundo 2015) erklären, wer ihren Film und ihren Privatjet finanziere. Daraufhin ha­gelte es Kommentare zahlreicher Anwärterinnen über Liebschaften, Geschäfte, Luxuswohnungen, Schmuck und teure Reisen im Gegenzug für Gefälligkeiten.

Der Hurrikan fegte eine der letzten Institutionen hinweg, auf die Sozialisten und Oppositionelle gleichermassen stolz waren. Sousa legte seinen Posten nieder, wies aber jede Verantwortung von sich. Der Film Galantes wurde gestoppt. Missen, die der Stiftung Diego Salazar angehörten und deren Auslandskonten sich mit Dollars füllten, drohen Verfahren wegen Geldwäsche. Das Organisationskomitee der Stiftung Cisneros und des Kanals Venevision kündigte eine Neustrukturierung des Wettbewerbs an.

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