MISTER SCHWEIZ 2008: «Ich hatte nie Zeit, alles zu verarbeiten»

Am Samstag gibt Mister Schweiz Stephan Weiler (25) sein Amt ab. Wie lautet seine Bilanz? Welches sind seine Pläne? Was macht er mit dem verdienten Geld?

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Mister Schweiz 2008, Stephan Weiler, in Zürich. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Mister Schweiz 2008, Stephan Weiler, in Zürich. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Welche Beziehung haben Sie eigentlich zur Zentralschweiz? 
Stephan Weiler: In den letzten Jahren habe ich vor allem Luzern als Läufer näher kennen und schätzen gelernt. Ich habe den Lucerne Marathon, also zumindest den Halbmarathon, sowie den Luzerner Stadtlauf absolviert. Die Stadt ist sehr schön und hat äusserst zuvorkommende, nette Menschen. Einzig die Verkehrs-führung ohne grosse Wendemöglichkeiten stört mich etwas. Aber auch die ganze Region hat auch für mich eine grosse Anziehungskraft. Das Verkehrshaus in Luzern oder etwa der Vierwaldstättersee gehörten zu unseren beliebtesten Schulreisen.

Wie schnell ist für Sie das Amtsjahr mit gegen 500 Auftritten vorbeigegangen? 
Weiler:
Wie im Flug! Ich hatte gar nie richtig Zeit, das alles zu verarbeiten. Damit beginne ich jetzt langsam. Mit grosser Mühe konnte ich mir insgesamt drei Mal eine Ferienwoche nehmen. Und das ziemlich unoffiziell?

Welches waren Ihre schönsten und Ihre schlimmsten Momente?
Weiler:
Am schönsten war wohl der Empfang in meinem Heimatort, dem Sanktgallischen Bruggen. Da wurde ich mit dem Heli eingeflogen, durfte sogar selber fliegen. Mehrere Hundert Fans waren in mein ehemaliges Schulhaus gekommen, die Polit-Prominenz erwies mir die Ehre, die Stadtmusik spielte auf. Der schlimmste Moment war wohl jener unmittelbar nach der Wahl, als ich mich regelrecht überrannt fühlte.

Sehen sieht Ihre Zukunft nach dem Amtsjahr aus?
Weiler:
Zuerst werde ich mal eine ordentliche Homepage einrichten. In nächster Zukunft werde ich weiterhin meine Repräsentationspflichten wahrnehmen und als Model tätig sein. Den aktiven Medienrummel, so etwa a là Renzo Blumenthal, werde ich aber nicht suchen, sondern mich mehr auf dem Laufsteg bewegen, Fotoshootings machen oder eventuell Temporär arbeiten. Ab August dann will ich meine Matura machen und nachher in Richtung Chemie studieren.

Und wann ziehen Sie zu Hause aus?
Weiler:
Oh, stimmt, zügeln kommt auch noch dazu. Das wird sehr bald sein, denn ich habe in Flawil jetzt meine erste, eigene Wohnung gefunden. Dazu fehlte bisher einfach das Geld.

Apropos Geld: Was machen Sie mit Ihren netto 320'000 verdienten Franken?
Weiler:
Den grössten Teil werde ich sicher für mein Studium gebrauchen. Etwas sicher auch für die Wohnungseinrichtung oder Ferien. Den Lebensunterhalt aber will ich mir mit Teilzeitjobs oder eben mit Modeln verdienen.

Ihre Beziehung ging während des Amtsjahres in die Brüche – und blühte dann wieder auf? Wie denn das?
Weiler (schmunzelt):
Nun, in meinem Alter kann so was schon mal vorkommen. Im Oktober, das stimmt, haben meine Freundin Jasmin und ich uns getrennt. Meine vielen Verpflichtungen und die Tatsache, dass sie sich auf ihr Studium konzentrieren wollte, spielten massgeblich mit. Im Februar dann aber haben wir uns wieder gefunden. Wir wussten von Anfang an, dass unsere Beziehung in meinem Amt zu einer grossen Bewährungsprobe werden wird und betrachten die Liebespause jetzt nachträglich einfach als eine Auszeit, die uns beiden sehr gut getan hat. Beide konnten sich auf ihre Sachen konzentrieren – und jetzt sind wir wieder sehr glücklich, unsere Beziehung ist gestärkt.

Was glauben Sie, haben Sie aus Ihrer Sicht dem Land als Mister Schweiz gegeben?
Weiler:
Sicher konnte ich die Ostschweiz bekannter und meinen erlernten Beruf als Drogist populärer machen und näher bringen. Zudem hoffe ich fest, dass ich viel Freude verbreiten konnte – und gezeigt habe, dass ein Mister Schweiz schlussendlich ja auch nur ein Mensch ist?

Mit welchem Promi, den Sie kennengelernt haben, würden Sie sich gerne wieder treffen – und warum?
Weiler:
Sehr gerne würde ich mich mit Roger Federer etwas länger unterhalten. Unser treffen am Turnier in Basel war sehr herzlich, aber leider halt auch etwas kurz. Bei Federer bewundere ich die grosse Zielstrebigkeit und die erbrachte Leistung, die ihm ein Zweiter nicht so schnell nachmacht.

?und mit welchem lieber nicht?
Weiler (überlegt lange):
Es fällt mir beim besten Willen niemand ein. Nein, ich hatte wirklich das Glück, nur angenehme Begegnungen zu machen. Es gibt keine prominenten Menschen, die ich nicht gerne wieder einmal treffen würde.

Würden Sie rückblickend gesehen nochmals als Mister Schweiz kandidieren?
Weiler:
Ich würde es wieder machen und empfehle es jedem, der es will und die Chance hat. Aber ein zweites Amtsjahr würde ich nicht wollen. Ein Jahr ist für mich genug, denn ich mag es nicht, wenn es zuviel Rummel um meine Person gibt. Ich brauche meine Ruhephase und freue mich jetzt darauf, ins zweite Glied zurückzutreten und nicht immer die erste Geige spielen zu müssen. Ganz von der Bildfläche werde ich ja nicht verschwinden.

Welches ist Ihre Lebenserfahrung aus dem Amtsjahr für den Alltag?
Weiler:
Man kann es nicht jedem recht machen. Ganz zu beginn meines Amtsjahres glaubte ich zwar noch fest daran, verhielt mich immer ganz neutral, sagte nie nein. Prompt wurde ich als «Langweiler» abgestempelt. Dann habe ich gemerkt, dass ich besser meinen eigenen Weg gehe und meine Persönlichkeit voll und ganz einbringe und meine eigene Meinung äussere. Das habe ich gelernt und das ist auch der wichtigste Ratschlag an meinen Nachfolger.

Und noch ein Ratschlag für uns «Normalverbraucher» in Sachen Beauty und Kosmetik, was ja auch bei Männern im Trend liegt?
Weiler:
Die normale Körperpflege, auch mit Crèmes und Parfums, gehört einfach dazu. Dann sicher aber auch die persönliche Note. Ich zum Beispiel habe mir einen Dreitagesbart zugelegt. Das, finde ich, macht mich etwas reifer – und schont meine Gesichtshaut, die es nicht mag, alle Tage rasiert zu werden.

Zum Schluss noch drei Fussball-Fragen: Wird St. Gallen aufsteigen, wird der FC Luzern in der obersten Liga bleiben – und wer wird nächstes Jahr Fussball-Weltmeister? 
Weiler:
Zu St. Gallen und Luzern sage ich ein klares, herzhaftes «Ja». Als Weltmeister sehe ich entweder Spanien, Holland oder Italien.

Interview André Häfliger

HINWEIS
Die Wahl des neuen Mister Schweiz wird am Samstag, 2. Mai ab 20.20 Uhr auf allen drei Schweizer Kanälen (SF1, TSR und TSI) live übertragen. Sie findet in Lugano statt. Infos: misterschweiz.ch und www.sf.tv