MISTER SCHWEIZ: «Wir lieben Kinder sehr – und lassen uns Zeit»

Am Samstag, 5. April, gibt der Luzerner Mister Schweiz Tim Wielandt seine Krone als Mister Schweiz ab. Für uns zieht er in einem ausführlichen Interview Bilanz seines Amtsjahres.

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Der Luzener Mister Schweiz Tim Wielandt mit seiner Zürcher Freundin Nina Sonder. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Der Luzener Mister Schweiz Tim Wielandt mit seiner Zürcher Freundin Nina Sonder. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Wie schnell ist für Sie das Amtsjahr vorbeigegangen?

Tim Wielandt: Extrem schnell. Wenn man älter wird, gehen die Jahre sowieso schneller vorbei. Und wenn man dann noch so viel so intensiv erleben darf, fliegt das Jahr nur so vorbei.

Welches war Ihre schönste Erfahrung? Und die schlimmste?

Wielandt: Es gab sicher einige Tage, die waren nicht so einfach. An einem Tag von Meggen nach Biel, Zürich, St. Gallen und nach über 20 Stunden wieder nach Hause, da waren meine Energiereserven schon fast am Ende. Aber ich glaube, es ist mir an solchen Tagen trotzdem gelungen, die Müdigkeit so gut es geht zu überwinden oder zu verdecken. Positiv war auf jeden Fall, dass ich jeden Tag etwas anderes machen durfte, das empfand ich geradezu als Luxus. Zudem war das Jahr sehr facettenreich – vom Jetset in St. Moritz bis zum Benefizevent mit obdachlosen, benachteiligten oder kranken Menschen habe ich alles erlebt.

Sehen Sie sich nach Ihrem Amtsjahr weiterhin im Model-Business?

Wielandt: Ja, und ich habe auch schon viele Anfragen über das Amtsjahr hinaus. Ich bin froh, dass ich diese Jobs als willkommene Abwechslung weitermachen darf. Im Mittelpunkt aber rückt jetzt wieder mein Interaction-Designstudium, das ich an der Zürcher Hochschule für Künste sicher noch dieses Jahr wieder aufnehmen werde.

Welche Art von Model-Job machen Sie am liebsten – und für welche Produkte bevorzugen Sie zu werben?

Wielandt: Eigentlich mag ich Foto-Shootings fast noch mehr als Fashion-Shows, aber es ist beides interessant und faszinierend, und ich liebe die Abwechslung der beiden Arten, die doch sehr verschieden sind. Bei den Produkten muss ich einfach voll und ganz dahinterstehen können. Vor allem im ethischen Sinn. Werbung für Pelzmode etwa würde ich nie machen, völlig ausgeschlossen!

Was haben Sie sonst noch so vor?

Wielandt: Nun, was mich sicher auch reizt, sind Moderationen. Ich habe jetzt eine tolle Chance: Am 25. April darf ich die Wahl der neuen Miss Ostschweiz moderieren. Diese Tätigkeit finde ich spannend und eine schöne Herausforderung für mich.

Werden Sie wieder vermehrt zu Hause in Meggen sein?

Wielandt: Nun, ich versuche jetzt mal, mein Studium, das Modeln und allenfalls die Moderationen unter einen Hut zu bringen. Da werde ich viel von Zürich aus, wo ja auch meine Freundin Nina wohnt, operieren. Aber meine grüne Oase in der Zentralschweiz will ich weiterhin möglichst oft geniessen.

Was machen Sie mit dem vielen verdienten Geld, schätzungsweise gegen 500'000 Franken?

Wielandt: Ich habe im Moment keine genauen Zahlen, sie liegen aber in der Grössenordnung meines Vorgängers Miguel San Juan. Auf den Putz hauen, das ist nicht meine Strategie. Klar ist es schön, sich das eine oder andere leisten zu können, aber ich betrachte meinen Verdienst hauptsächlich als Reserve für die Zukunft.

Was glauben Sie, haben Sie aus Ihrer Sicht dem Land als Mister Schweiz gegeben?

Wielandt: Ich hoffe, dass meine Botschaft, das Leben positiv, spontan und locker zu nehmen, eine gewisse ansteckende Wirkung gehabt hat. Vor allem noch etwas mehr Spontaneität wünsche ich mir bei uns nach wie vor – und dass man nicht alles immer so ernst nehmen sollte.

Mit welchem Promi, den Sie kennen gelernt haben, würden Sie sich gerne wieder treffen – und warum?

Wielandt: Oh, viele! Es sind beispielsweise zwei, die ich am Film-Festival in Zürich treffen durfte: Alexandra Maria Lara und Moritz Bleibtreu. Mit diesen genialen Schauspielern würde ich gerne noch mal auf ein Bierchen gehen.

? und mit welchem lieber nicht?

Wielandt: Jeder Mensch hat seine guten und schlechten Seiten. Es kommt zudem ja auch noch darauf an, wie man das persönlich einschätzt. Ein Dieter Bohlen wirkt womöglich manchmal etwas arrogant – trotzdem würde ich gerne mit ihm mal plaudern.

Eine Beziehung ging während Ihres Amtsjahres in die Brüche, eine neue begann. Ist eine Beziehung bei über 500 wahrgenommenen Terminen überhaupt möglich?

Wielandt: Ja sicher! Nina und ich sind nun schon acht Monate zusammen. Es braucht einfach viel gegenseitiges Verständnis, man muss flexibel sein und sich arrangieren können. Schliesslich hat die Qualität einer Beziehung nichts mit der zeitlichen Quantität des Zusammenseins zu tun.

Ihre Freundin, die Zürcher Hotelfachschul-Absolventin Nina Sonder, ist 28, Sie sind 34. Denken Sie daran, eine Familie zu gründen und Kinder zu haben?

Wielandt: Sicher ist das irgendwann einmal ein Ziel von uns. Im Moment sind wir einfach sehr glücklich zusammen, denken aber noch nicht unmittelbar ans Heiraten. Aber wir beide lieben Kinder sehr – und möchten sicher einmal eine Familie gründen. Aber wir lassen uns Zeit, es eilt nicht.

Würden Sie rückblickend gesehen nochmals als Mister Schweiz kandidieren?

Wielandt: Auf jeden Fall. Allein die Zeit als Kandidat war es schon wert ? Bereits da war es ausserordentlich lehrreich, spannend und aussergewöhnlich. Eine tolle Lebensschule, die vor allem viel Lebenserfahrung brachte, ging dann im Amtsjahr einfach weiter. Also ich kann das jedem nur empfehlen, wenn es leider auch nicht jeder machen kann.

Die wichtigste Erfahrung im Alltag?

Wielandt: Zum Beispiel das Präsentieren. Sei es in der Schule, im Betrieb oder im Verein. In diesem Bereich habe ich am meisten dazugelernt: Im spontanen, freien Reden vor einem Publikum. Das finde ich eine sehr wertvolle Sache.

Welche drei Ratschläge erteilen Sie Ihrem Nachfolger?

Wielandt: Der erste und wichtigste: Bleib ganz dich selbst und dir selber treu. und zwar in dem Sinn, dass man sich nicht verstellen soll. Sei authentisch, verstelle dich nicht. Dann ist es dir wohl in deiner Haut, dann machst du niemandem was vor. Zweitens: Lass dich zeitlich nicht stressen, eins nach dem anderen. Drittens: Treibe Sport – und schalte ab und hol dort Energie, wo es am meisten zu holen gibt.

Und noch ein Ratschlag für uns ««Normalverbraucher» in Sachen Beauty und Kosmetik, was ja auch bei Männern im Trend liegt ? 

Wielandt: Körperbewusst leben, Sport treiben und die eine oder andere Creme benützen. Wichtig finde ich, ist, dass jeder seinen eigenen Stil findet. Der Weg dazu kann ja durchaus spannend sein. Und ich empfehle Männern mindestens zehn paar Schuhe, nicht nur ein oder zwei, die man dann solange trägt, bis sie durchlöchert sind. Hast du mehr Schuhe, halten diese ja automatisch länger, und du gibst nicht mehr aus, voilà!

Letzte Frage: Welche Teams werden an der Fussball-EM im Final stehen, und wer wird wie hoch gewinnen?

Wielandt: Okay, ich bin jetzt ganz optimistisch mit meiner nicht ganz realistischen Traumvorstellung: Die Schweiz spielt im Final gegen Italien, weil ich dieses Land auch so liebe. Aber die Schweiz wird in der Verlängerung 2:1 gewinnen ? 

Interview von André Häfliger

HINWEIS
Die Wahl des neuen Mister Schweiz wird am Samstag, 5. April, ab 20.20 Uhr auf allen drei Schweizer Kanälen (SF1, TSR und TSI) live übertragen. Sie findet im Theater 11 in Zürich-Oerlikon statt. www.misterschweiz.ch