MOTORRÄDER: «Easy Rider» läuft jetzt in Hünenberg

Seit wenigen Tagen sind sie wieder zu Tausenden auf der Strasse – die Töfffahrer. Sie suchen den Hauch von Freiheit, setzen sich dabei aber auch Gefahren aus.

Thomas Heer
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Sie hat die Faszination «Harley» schon vor zehn Jahren entdeckt: Kathrin Engel kurvt mit ihrem Bike durchs Zugerland.

Sie hat die Faszination «Harley» schon vor zehn Jahren entdeckt: Kathrin Engel kurvt mit ihrem Bike durchs Zugerland.

Biker gehen Hand in Hand mit der Natur. Beinahe einem Urinstinkt folgend, bewegen sie sich parallel zum natürlichen Lauf der Tier- und Pflanzenwelt. Denn wirds im Frühling erst mal richtig schön warm, gibts auch für die Töff-liebhaber kein Halten mehr. Breitbeinig sitzen sie dann wieder auf ihren Sätteln und schwärmen, auf der Suche nach dem Aussergewöhnlichen, in die hintersten Winkel des Landes. Nur einfach weg aus dem Alltagstrott, so scheint es, heisst die Devise.

Kathrin Engel unterwegs mit einer Harley. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
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Der Motor, das Herzstück des Bikes. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Der Motor, das Herzstück des Bikes. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Sandro Pisciani der Firma Bixe in Hünenberg schaubt an einer Harley. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Sandro Pisciani schaubt an einer Harley. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ
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Sandro Pisciani schaubt an einer Harley. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Das Prachtstück im Laden vone Bixe in Hünenberg. Dieser Töff wurde vom Team selbst umgebaut. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Der Chef der Firma Bixe in Hünenberg Beat Hürlimann - hier gleichsam auf dem «Chefsessel» des Lokals. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Der Chef der Firma Bixe in Hünenberg Beat Hürlimann zeigt seine private Harley-Sammlung. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ
Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ
Der Chef der Firma Bixe in Hünenberg Beat Hürlimann zeigt seine private Harley-Sammlung. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Der Chef der Firma Bixe in Hünenberg Beat Hürlimann zeigt seine private Harley-Sammlung. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Acuh etwas fragwürdigere Gimmicks sollen den Biker als Bad Boy markieren. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Die Emissionen einer Harley werden geprüft. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Die Emissionen einer Harley werden geprüft. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Hier werden die Emissionen einer Harley geprüft. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ
Im Ersatzteillager der Firma Bixe. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Melanie Zumstein im riesigen Lager der Firma Bixe. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Kathrin Engel unterwegs mit einer Harley. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Kathrin Engel unterwegs mit einer Harley. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Die Tage und Wochen der motorisierten Aufbruchstimmung bringen es mit sich, dass die Töffhändler alle Hände voll zu tun haben. So auch bei der Bixe AG, dem Harley-Davidson-Zentrum Schweiz, in Hünenberg, wo es zurzeit besonders emsig zu- und hergeht. Die Betriebsamkeit an der Rothusstrasse gemahnt schon fast an einen arabischen Souk. Ob in der Werkstatt, wo Sandro Pisciani mit seinem Team die Maschinen im Stile eines Akkordarbeiters zur nötigen Fahrtüchtigkeit trimmt, oder im Ersatzteillager, wo Logistikerin Melanie Zumstein ganztags im Sauseschritt ein und aus geht: Im Dienste der Kundschaft gilt es, keine Minute zu verplempern. Müssiggang ist das Letzte, was einreissen darf. Schliesslich ist die kostbare Zeit zu nutzen. Dies besonders in einem Land, in dem der Winter gefühlte acht Monate dauert.

Nach der Motivation fürs Biken befragt, fällt im Gespräch mit den Fahrerinnen und Fahrern immer wieder das Wort «Freiheit». Harley-Besitzerin Kathrin Engel sagt zudem: «Setze ich mich aufs Bike, habe ich immer wieder das Gefühl, jetzt gehts zu neuen Abenteuern.»

Ein Superbike für 85 000 Franken

Wie keine andere Motorradmarke steht Harley-Davidson für Abenteuer und Freiheit. Regisseur Dennis Hopper gelang es 1969, diesen Mythos zu festigen, als er Peter Fonda und Jack Nicholson im Roadmovie «Easy Rider» auf Harleys über die Highways brausen liess. Harley-Davidson feiert dieses Jahr das 110-jährige Bestehen. Keine andere Motorradmarke hat eine solch lange ununterbrochene Tradition wie die Zweiräder aus Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin.

Wie zahlreiche andere Töffhersteller durchlebte auch Harley-Davidson garstige Zeiten. Heute aber blüht der Konzern. Nach wie vor das Image, aber auch technische Fortschritte sind wichtige Gründe für diesen Höhenflug. Allein in der Schweiz werden jährlich 3500 Maschinen abgesetzt. Das ist Weltrekord. In keinem anderen Land werden pro Kopf der Bevölkerung mehr Harleys verkauft als hierzulande. Das erstaunt nicht weiter. Denn die US-Maschinen gehören definitiv nicht zum Segment der Billigmotorräder. Die Preise bewegen sich bei den Serienfahrzeugen zwischen rund 10 500 und 50 000 Franken. Bei der Bixe AG steht sogar eine Einzelanfertigung – der Rocker C, angetrieben von einem 1600-Kubikzentimeter- Motor – für knapp 85 000 Franken zum Verkauf. Bixe-Geschäftsführer und -Inhaber Beat Hürlimann sagt nicht ohne Stolz: «Dieses Motorrad haben wir in unserer Werkstatt selber gebaut.»

Trotz der stolzen Preise: Gemäss Hürlimann reicht die berufliche Spannweite seiner Kundschaft vom einfachen Angestellten bis zum CEO. Selbst der Formel-1-Star und Weltmeister aus dem Jahr 2007, der in Baar domizilierte Finne Kimi Räikkönen, wurde schon in Hürlimanns Geschäft gesehen. Die meisten Kunden kennt der Bixe-Chef persönlich. Die Harley-Fahrer sind auch eine Art Familie. An Treffs redet jeder mit jedem. Standesdünkel gibt es keine.

Der Sound ist unwiderstehlich

Wie es sich für eine Familie gehört, sorgt man sich um die einzelnen Mitglieder, hofft, dass niemandem was Ernsthaftes zustösst. Motorradfahren ist sicher keine Hochrisikofreizeitbeschäftigung. Trotzdem kommt es regelmässig zu tragischen Ereignissen. So wurden allein im vergangenen Jahr 14 Personen mit Querschnittlähmungen ins Schweizer Paraplegiker-Zentrum nach Nottwil eingeliefert. In seiner Zeit als Harley-Händler habe sich, so Hürlimann erleichtert, im Kreise seiner Kundschaft noch niemand ernsthaft verletzt. Er sagt weiter: «Unsere Bikes sind nichts für Raser. Harleys werden defensiv gefahren.» So stellt Hürlimann immer wieder fest, dass Männer im Alter zwischen 40 und 50 Jahren als Neukunden zu ihm stossen. Das sind oft Leute, die in jüngeren Jahren Töff fuhren, eine Zeit lang pausierten, um dann im fortgeschrittenen Alter wieder hinter den Lenker zu setzen. Hürlimann erklärt: «Von meinen Kunden höre ich immer wieder, dass sie sich für eine Harley entschieden, weil ihnen die Frau zu Hause sagte: ‹Wenn du wieder mit dem Motorradfahren beginnst, dann aber nur auf einer Harley.›»

Der Aspekt Sicherheit ist auch beim Bixe-Inhaber immer ein Thema (siehe Box). Hürlimann spricht in diesem Zusammenhang von Kursen, während denen die Fahrerinnen und Fahrer Bremstechnik, das Kurvenfahren oder auch das richtige Einschätzen von Distanzen trainieren können. Apropos Frauen: Wenig überraschend ist, dass sich unter den Harley-Fahrern längst nicht mehr nur Männer tummeln. Beat Hürlimann schätzt den Frauenanteil auf 12 bis 13 Prozent, Tendenz steigend. Als sich Kathrin Engel vor zehn Jahren entschloss, ein Motorrad anzuschaffen, stand für sie von vornherein fest: «Für mich kam nur eine Harley in Frage. Nur schon der Sound der Auspuffanlage spricht für diese Töff.»