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MULTIFUNKTIONSGERÄT: Aus dem Topf zaubern

Der Thermomix scheint zu Hause wie in Profiküchen gleichermassen zu begeistern. Manche behaupten, richtiges Kochen sei etwas anderes. Was ist dran an dem Kult-Topf? Ein Erfahrungsbericht.
Ursula Wegstein
Der acht Kilogramm schwere Thermomix kombiniert zwölf Funktionen. (Bild: Illustration: Patric Sandri)

Der acht Kilogramm schwere Thermomix kombiniert zwölf Funktionen. (Bild: Illustration: Patric Sandri)

Ursula Wegstein

Sein Design reisst einen nicht ­gerade vom Hocker. Das «Ding.Ding.Dong» jedes Mal, wenn ein Arbeitsschritt beendet ist, geht uns auch reichlich auf den Wecker, und er kann fast so laut sein wie die Turbinen eines Flugzeugs beim Starten. Ausserdem verbreitet er mangels Dunstabzugs den Geruch von Risotto oder ­Minestrone bis vor die Haustüre. Dennoch: Ohne unser Navi in der Küche – den Thermomix – sind wir verloren. Dabei war es nicht einmal eine Vorführung einer der etwa 500 Repräsentantinnen für Thermomix in der Schweiz, die unsere Neugier auf den Wundertopf aus Wuppertal geweckt hat. Sondern die private Kochshow mit Frühstück einer thermomixbegeisterten Freundin liess uns staunend zurück. In nicht einmal einer Stunde hatte sie mit uns zusammen frisches Baguette, einen Kräuteraufstrich mit Frischkäse und den legendären Rohkostsalat mit Brokkoli aus ein und demselben Topf gezaubert.

Guided Cooking für jedes Rezept

Den Anfang machen an jenem Morgen die Dinkelkörner. Der Thermomix mahlt sie auf Stufe zehn zu Mehl. Zugegeben: Der Lärm, der dabei entsteht, ist grenzwertig. 97 Dezibel haben Tester der Deutschen Stiftung Warentest beim Mahlen von Mandeln gemessen – das entspricht einem Geräusch zwischen Holzfräsmaschine und Kreissäge. Dann Hefe, Olivenöl, Salz und Wasser hinzufügen. Der Thermomix knetet. Fertig ist der Teig. Während das Baguette im Ofen duftet, zerkleinert der Fast-alles-Könner Zwiebeln, Kräuter und Knoblauch fünf Sekunden auf Stufe acht und verrührt es mit Frischkäse und Crème fraîche. Fertig ist der Aufstrich.

Einmal kurz den Topf ausspülen. Dann in Nullkommanichts noch rasch diesen erstaunlichen Brokkolisalat zubereiten. Peperoni, Pinienkerne, Äpfel, Brokkoli und die Zutaten für das Dressing kommen auf einmal hinein in den Topf. Mit «Guided Cooking»-­Anweisungen wie «Messbecher aufsetzen» oder «acht Sekunden Stufe fünf» leitet der integrierte Rezeptchip Schritt für Schritt durch jedes Rezept. Die Waage wiegt in Fünf-Gramm-Schritten mit Tara-Funktion. Was hinzuzufügen oder welches Programm einzustellen ist, zeigt das Display an. Dann wird zerkleinert und ­gemischt, bis in fünf Sekunden der Salat komplett fertig ist.

Wir Gäste waren begeistert. So ein Zaubertopf musste unbedingt her. Zugegeben, der Preis von 1450 Franken für den aktuellen Thermomix TM5 ist kein Pappenstiel, eine Kenwood sieht ­wenigstens nach etwas aus, und überhaupt: «Wohin soll der ­Koloss mit all dem Zubehör?» Und: «Wir mögen kein zerrupftes Gemüse in der Suppe», entgegnete meine kritische Umgebung voller Ablehnung und Skepsis. Hinzu kommt: Einfach so im Handel oder online kaufen geht nicht. Den Thermomix aus dem Hause des deutschen Familienunternehmens Vorwerk gibt es nur im Direktvertrieb.

Wenn ein Frozen Margarita glücklich macht

Ein «Erlebniskochen» mit einer Thermomix-Repräsentantin in der eigenen Küche? Bloss nicht. Zum Glück liess sich das Ding doch irgendwie organisieren. Eine neues Leben tat sich auf: Suppen, selbst gebackenes Brot, Kuchen aus dem Effeff, Nudelteig, Aufstriche, Mayonnaise, Smoothies und vor allem: andauernd Glace, denn – mit dem Thermomix geht das ja so schnell. Im Nu wird Zucker zu Puderzucker, und gefrorene Beeren oder Mangos sind pulverisiert. Mit Eiweiss oder Rahm entsteht innerhalb weniger Minuten ein unglaubliches Sorbet.

Hiess es anfänglich noch: «Wie sieht denn das Gemüse in der Suppe aus?» oder «der Kuchen könnte aber noch Luft vertragen!» war spätestens seit dem Glace nur noch Begeisterung angesagt. «Ich liebe den Thermomix», sagte zu Hause einer glücklich mit einem selbst gemachten Frozen Margarita in der Hand. «Diese Power ist genial.»

Sinnliches Kocherlebnis versus Zeitersparnis

Die Maschine ist kinderleicht zu bedienen, so können sich Kinder auch selbst einen Smoothie oder etwas Schnelles machen.Wer das sinnliche Erlebnis des Kochens nicht vermisst und sich über Zeitersparnis freut und darüber, statt zahlreicher Schüsseln und Pfannen nur einen Topf spülen zu müssen, ist mit dem Thermomix gut bedient. Was der Zaubertopf definitiv nicht kann: backen und anbraten. Dafür braucht es nach wie vor Backofen und Herd. Auch einen Dunstabzug hätte er gut vertragen können. Meist sind die Rezepte für vier Personen und praktisch nicht skalierbar.

Da die Waage nicht mehr funktionierte, ist unser Thermomix seit drei Wochen beim Reparaturservice im deutschen Wermelskirchen. Und wird intensiv herbeigesehnt. Jetzt heisst es dauernd: «Glace? Selbst gemachtes Brot mit Aufstrich? Schade. Geht ja nicht – ohne den Thermomix.»

Eine Nachbarin freut sich immer, wenn wir in den Ferien sind. Denn: Nebst Blumengiessen und Briefkastenleeren hat sie angeboten, auch noch unseren Thermomix zu hüten.

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