MUOTATHAL: Rekord-Kuh «Wachtel» wird 20-jährig

Die Kuh Wachtel der Familie Föhn feiert am 2. März Geburtstag. So viel Milch wie sie hat noch kein Original Braunvieh produziert.

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Vreni und Ruedi Föhn und die Kinder Pia (von links), Martina, Kilian und Franziska mit Geburtstagskuh Wachtel. (Bild: Reto Betschard / Bote der Urschweiz)

Vreni und Ruedi Föhn und die Kinder Pia (von links), Martina, Kilian und Franziska mit Geburtstagskuh Wachtel. (Bild: Reto Betschard / Bote der Urschweiz)

Reto Betschart

Es geht beim Fototermin schon sehr gemächlich zu und her. Kuh Wachtel läuft eher widerwillig zum Fotoshooting-Platz. Doch auf dem Retourweg in den Stall überrascht sie dann mit ihrem zügigen Gang. «Das ist für sie typisch. Sie ist gerne bei den anderen Kühen. Das Alleinsein behagt ihr weniger», erklärt Tierbesitzer Ruedi Föhn.

Sie ist nicht gerne alleine

Das zeigte sich auch an einem Alpaufzug, wo Wachtel wegen ihres Alters mit dem Tiertransportwagen bis unterhalb der Alp gefahren wurde. Von dort aus sollte die rüstige Alt-Kuh das letzte Wegstück zusammen mit Ruedi Föhns Kindern laufen. «Wir hatten für einen Kilometer Weg über eine Stunde, da Wachtel nur langsam lief. Als uns dann aber die ganze Herde einholte, ging plötzlich auch Wachtel schnellen Schrittes Richtung Alp», erzählt Tochter Pia Föhn.

146 000 Liter Milch

Wachtel ist ein spezielles Tier. Sie ist mit 20 Jahren eine der ältesten noch lebenden Kühe überhaupt. Und noch nie gab ein Tier der Rasse Original Braunvieh in seinem Leben so viel Milch. 146 000 Liter produzierte sie bisher. Genug Milch, um die doppelte Menge Käse zu produzieren, wie sie jährlich am Muotathaler Käsemarkt verkauft wird. Was diese Leistung umso eindrücklicher macht, ist der Umstand, dass die Hornkuh jeden Sommer auf der Alp Dräckloch im Glarnerland verbrachte. «Wachtel und ich gehen beide gleich lang, nämlich 19 Jahre, z Alp», schmunzelt Landwirt Föhn.

Zwölf Mal lief sie den 13 Stunden dauernden und mit 1850 Höhenmetern sehr anspruchsvollen Fussmarsch auf die Alp mit. Und im Herbst natürlich auch zurück.

Über den Zaun zum Muni

Dazu ist Wachtel auch äusserst fruchtbar. 17 Mal hat sie abgekalbt und dabei 19 Kälber zur Welt gebracht. Über 130 direkte Nachkommen gibt es von der 20-Jährigen. Sie zeigt ein sehr aktives Brunstverhalten. Wenn Wachtel zum Muni will, stoppt sie kein Zaun. «Wir wollten ihr vor einigen Jahren eine etwas längere Erholungszeit gönnen und mit dem Deck-akt noch etwas zuwarten. Als Wachtel dann aber brünstig wurde, sprang sie über zwei Zäune, um zum Muni zu gelangen», lacht der Muotathaler Viehzüchter.

Jüngere Kühe haben Respekt

Auch wenn sie nicht mehr so fit ist wie ihre jüngeren Stallgenossinnen, zollen die anderen Kühe der alten Dame immer noch viel Respekt. Noch nie habe es eine andere Kuh gewagt, sich Wachtel in den Weg zu stellen. «Dennoch wird der nächste Alpsommer für Wachtel wohl der letzte sein», sagt Ruedi Föhn etwas nachdenklich. Sie sei nun doch schon sehr alt. Bäuerin Vreni Föhn ist sich dessen allerdings noch nicht ganz sicher: «Das hast du letztes Jahr auch schon gesagt», schmunzelt sie.