NACHGEFRAGT: Ogi: «Habe Federer per SMS aufgemuntert»

Alt Bundesrat Adolf Ogi bleibt noch bis am Samstag in Peking. Er hat einen positiven Eindruck von den Olympia-Vorbereitungen, macht aber auch auf die Problematik der kulturellen Unterschiede aufmerksam – und hat zudem für Roger Federer noch ein gutes Wort parat.

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Seine Meinung ist bei den Medien immer noch sehr gefragt: Alt Bundesrat Adolf Ogi, beim Fahnenaufzug des Schweizer Teams. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Seine Meinung ist bei den Medien immer noch sehr gefragt: Alt Bundesrat Adolf Ogi, beim Fahnenaufzug des Schweizer Teams. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Was haben Sie auf Ihrem Zwischenhalt in Shanghai gemacht?

Adolf Ogi: Ich bin mit 12 Vertretern von jungen Schweizer Unternehmen hier. Wir haben in Shanghai interessante Wirtschaftsgespräche geführt. Vor acht Jahren habe ich dort ein Zentrum für Klein- und Mittelbetriebe lanciert und habe jetzt gesehen, wie sich das erfolgreich entwickelt hat. Inzwischen sind über 100 Schweizer Firmen in diesem Raum niedergelassen.

Wie sieht Ihr Programm in Peking aus?

Ogi: Am ersten Tag sind wir gleich nach Ankunft zu Besuch beim Schweizer Team im Olympiadorf und dann zu Gast beim offiziellen Zeitmesser Omega, bei Konzernchef Nick Hayek. Dort wird auch mein enger Freund, Stadionbauer Bruno Marazzi, zu uns treffen. Am zweiten Tag, an dem ich zuerst eventuell Gerhard Schröder treffe, werden wir das Schweizer Haus in Peking besuchen. Auf dieses Projekt von Manuel Salchli und Edwin Rudolf bin ich besonders gespannt. Genauso wie am Abend dann auf die Eröffnungsfeier, welche die gigantischste sein wird, die es je gab. Am Samstag dann fliegen wir über Hongkong zurück in die Schweiz.

Werden Sie auch IOC-Mitglieder treffen?

Ogi: Nein, denn ich bin ja nicht IOC-Mitglied. Aber ich war im Rahmen meiner UNO-Tätigkeit im Vorfeld mehrmals hier in Peking und habe auch die Special-Olympics der geistig behinderten Sportler in Shanghai besucht, was sehr eindrücklich war.

Also haben Sie beobachtet, wie gut China die Spiele organisiert hat?

Ogi: Sie können das, das ist fraglos. Ob sie es mit Herz und Begeisterung abwickeln werden, wird sich noch zeigen müssen. Erste positive Eindrücke haben sie bereits hinterlassen. Man muss einfach wissen: Das hier ist eine andere Welt, eine andere Kultur – das ist für die Athleten nicht immer ganz einfach. Ich hoffe, dass die nationalen Sportverbände ihre Hausaufgaben gemacht haben und sie auf die Besonderheiten, nicht nur in Sachen Smog und Hitze, genügend aufmerksam gemacht haben. So dass sie dann auch sportlich explodieren können. Von den Organisatoren her habe ich keine Befürchtungen. Der Anschlag im Norden von China hat natürlich im Westen schon Fragen aufgeworfen. Wie es effektiv ausgehen wird, wie es um die Pressefreiheit steht, oder ob Dopingfälle die Spiele überschatten werden, das alles kann man erst am 24. August beantworten.

Ist es ein Weltuntergang, wenn Roger Federer am 18. August seine Tennis-Weltnummer 1 abgeben muss?

Ogi: Nach seiner Pechsträhne habe ich ihm kürzlich ein aufmunterndes SMS geschrieben. Auf der anderen Seite muss man sagen: Roger war vier Jahre lang die Nummer 1, das ist eine wahnsinnig lange Zeit. Irgendeinmal muss dies aber mal kommen. Von dem her gesehen sind wir natürlich alle traurig, aber wir müssen auch realistisch bleiben.

Interview von André Häfliger, Peking