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NACHRUF: Picasso, Nietzsche, Jazz und Sex

Der Erfinder der Männerzeitschrift «Playboy» ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Hugh Hefner war ­ ein findiger Chefredaktor, der in den 1950er-Jahren über die Befindlichkeit seines Landes Bescheid wusste.
Renzo Ruf, Washington
Hugh Hefner mit Bunny Girls im ersten Playboy Club in Chicago 1960. (Bild: Helmut Kretz/Getty)

Hugh Hefner mit Bunny Girls im ersten Playboy Club in Chicago 1960. (Bild: Helmut Kretz/Getty)

Renzo Ruf, Washington

Er war arbeitslos, unglücklich verheiratet und führte zu Beginn der 1950er-Jahre ein Leben, das Erinnerungen an den trostlosen Alltag seiner Eltern weckte. Dann hatte der 27-jährige Hugh Hefner aus Chicago eine zündende Idee. Während ausgiebigen Spaziergängen malte er sich aus, was sich wohl hinter den beleuchteten Fenstern der Hochhäuser in seinem Wohnort abspielte. Er habe sich gefühlt wie ein Aussenseiter, sollte Hefner später sagen, und über das glamouröse Leben der Elite fantasiert, über Musik, Alkohol, Partyklatsch, Kunst, Literatur und natürlich über Sex. Viel Sex.

Zu Hause, in seiner Küche, machte er sich im Herbst 1953 daran, diesen Fantasien ein Gesicht zu geben. Anfänglich habe er mit dem Gedanken gespielt, ein Stadtmagazin herauszugeben. Dann aber stolperte er über ein Inserat eines Kalenderherstellers: John Baumgarth bot die Nachdruckrechte für Nacktbildaufnahmen von Marilyn Monroe feil, für 200 oder 500 Dollar (darüber herrscht Uneinigkeit). Monroe hatte für die Bilder im Jahr 1949 posiert, als sie ein Nobody war und Geld benötigte. Doch nun war sie, auch dank Filmen wie «Blondinen bevorzugt», ein Superstar. Hefner sicherte sich die Rechte an den Aktfotos und machte Marylin Monroe zum ersten «Centerfold» seiner Zeitschrift, die er – nach einigem Hin und Her – «Playboy» nannte.

Kampfansage an ­ erstarrte Gesellschaft

70 000 Exemplare liess er im Herbst 1953 drucken. Weil er aber nicht sicher war, ob seine Erfindung – eine Zeitschrift für den kultivierten Junggesellen – Erfolg haben würde, verzichtete er darauf, seinen Namen im Impressum abzudrucken. Immerhin publizierte er aber eine Art Manifest: «Wir lieben unsere Wohnung. Wir geniessen es, einen Cocktail zu mixen und ein Häppchen oder zwei aufzutischen, Stimmungsmusik auf dem Plattenspieler zu hören, und eine Frau zu einer ruhigen Diskussion über Picasso, Nietzsche, Jazz, Sex einzuladen.»

«Playboy» wurde, quasi über Nacht, zu einer Sensation. Der ehemalige Anzeigetexter Hugh Hefner war auf eine Goldgrube gestossen, in einem Land, das recht hemmungslos dem Materialismus frönen wollte und das bereit war, sich von seinen puritanischen Wurzeln zu trennen. Die Zeitschrift war nicht nur eine Kampfansage an eine erstarrte Gesellschaft; «Playboy» gab Hefner auch die Möglichkeit, der Wirklichkeit zu entfliehen – einem religiösen, kalten Elternhaus, einer unglücklichen Ehe, einem langweiligen Berufsleben.

Er schmiss Partys für junge Frauen und ältere Herren

Kein Wunder, schaute Hefner nie zurück. Die «Playboy»-Auflage stieg innerhalb weniger Jahre über die Millionengrenze und pendelte sich schliesslich auf 7 oder 8 Millionen ein. Der Chefredaktor liess sich 1959 von seiner Gattin scheiden und zog in eine trutzige Villa am North State Parkway in Chicago, die bald den Beinamen «Playboy Mansion» erhielt. Dort pflegte er seinen hedonistischen Lebensstil, seine eigene sexuelle Revolution, und schmiss Partys für junge Frauen und ältere Herren. Als «Playboy» 1971 an die Börse ging, schien sich der Kreis geschlossen zu haben: 20 Jahre nach der Gründung der Zeitschrift war das ursprünglich revolutionäre Blatt im Zentrum des Kapitalismus angekommen.

Es folgte der langsame Abstieg. In den 1980er-Jahren – den «Playboy»-Konzern führte nun Hefners Tochter Christie – schlug das gesellschaftliche Pendel zurück, und die «Playboy»-Auflage sank. Hefner trat 1988 als Konzernchef zurück und versuchte sich neu zu erfinden, als treu sorgender Familienvater. Seine zweite Ehe hielt aber nicht allzu lange. Und obwohl Hefner längst in den Ruhestand hätte gehen können, war er bis vor kurzem noch an der Produktion seiner Zeitschrift beteiligt – als müsse er eine Legende aufrechterhalten. Am 31. Dezember 2012 heiratete er erneut, ein 62 Jahre jüngeres Ex-Playmate.

Hefner ist am Mittwoch im Alter von 91 Jahren in Beverly Hills gestorben. Er soll im Westwood Memorial Park in Los Angeles begraben werden, neben der Frau, die ihm Weltruhm bescherte – Marilyn Monroe.

Marilyn Monroe (1953). (Bild: Keystone)

Marilyn Monroe (1953). (Bild: Keystone)

Bo Derek (1980) (Bild: Keystone)

Bo Derek (1980) (Bild: Keystone)

Anna Nicole Smith (1994) (Bild: Keystone)

Anna Nicole Smith (1994) (Bild: Keystone)

Kate Moss (2014) (Bild: Keystone)

Kate Moss (2014) (Bild: Keystone)

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