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NATUR: Der April ist stabil launenhaft

Dieses Wochenende zeigt er sich von seiner schönsten Seite, Richtung Ostern muss man wieder die Winterjacke hervorholen. Warum macht der April, was er will? Und wie schlimm ist er wirklich?
Hans Graber
Es grünt im April, doch manchmal öffnen sich nicht Knospen und Blüten, sondern nur Regenschirme. (Bild: Getty)

Es grünt im April, doch manchmal öffnen sich nicht Knospen und Blüten, sondern nur Regenschirme. (Bild: Getty)

Hans Graber

Mit Bauernregeln ist es so eine Sache. Die Chance auf einen Treffer ist mit meist 50 Prozent zwar um einiges höher als etwa beim Lottospiel, aber wenn sich nur diese eine Frage stellt, ob eine Regel stimmt oder nicht, sind 50 Prozent dann halt doch nicht sehr viel.

Weit höher, praktisch bei 100 Prozent, ist die Trefferquote bei der Bauernregel «April macht, was er will». Einschränkend ist freilich zu sagen, dass eigentlich jeder Monat macht, was er will. Doch der April-Spruch über die bekannte Launenhaftigkeit dieses Monats ist über den wetterprognostischen Charakter hinaus auch und hauptsächlich eine Warnung. ­Obacht, liebe Bauersleute, auch wenn ihr nun Kühe, Schafe oder Geissen auf die Weiden gelassen habt und bereits Kartoffeln, Mais oder Sonnenblumen gesät sind – im April kann wettermässig noch allerhand passieren. Also seid auf der Hut, insbesondere vor diesem verfluchten Nachtfrost.

Fundament des Landwirtschaftsjahres

«Der April ist das Fundament des Landwirtschaftsjahres», sagt Hans Rüssli vom Schweizer Bauernverband. Im April sei mit Nachfrost immer zu rechnen, und er trete auch regelmässig auf. Ein bisschen mag es zwar problemlos leiden, doch im schweren und wiederholten Fall kann Nachtfrost Triebe und Blüten vernichten und die Hoffnung auf eine gute Ernte bereits im Frühjahr zerstören.

Soweit muss es allerdings nicht zwingend kommen, denn unter Umständen bewahrheiten sich die düsteren Aussichten dann doch nicht. Im Frühling 2016 zum Beispiel wurde nach tüchtigem Nachtfrost manches bereits abgeschrieben, aber, so Hans Rüssli, «die Natur ist oft grosszügig und kann drohende Verluste wieder kompensieren». Auch, weil im Frühling viel mehr blüht, als effektiv nötig ist. Jedenfalls wurde 2016 dann doch noch ein recht gutes Erntejahr.

Gefrierendes Wasser erzeugt Wärme

Allein auf die Heilkraft der Natur mögen sich die Bauern dann aber doch nicht verlassen. Ein fleissiges Studium des Wetterberichts ist ebenso zwingend wie das Treffen von Vorsichtsmassnahmen. Erdbeeren, Gemüse und Frühkartoffeln werden abgedeckt. Ist Nachtfrost angesagt, können Obst- und Weinplantagen fein beregnet werden. Gefrieren die Wassertropfen, erzeugt das Kristallisationswärme, welche die Pflanzen vor Frost schützt. ­Varianten sind Rauchkerzen oder Gebläse, die in den Hängen für etwas Wärme sorgen. «Das ist ­alles relativ teuer und mit viel ­Arbeit verbunden», sagt Rüssli, «aber da die Landwirtschaft nun mal draussen stattfindet, nimmt der Bauer diesen Mehraufwand wohl oder übel in Kauf.»

Der letzte miese April war 2013

Immerhin, allzu häufig musste in den letzten Jahren das geballte Frostschutz-Arsenal nicht eingesetzt werden. Der letzte wirklich miese April war 2013. Aber nicht wegen Frost, sondern wegen ­Regen. «Der ist im April schon erwünscht, aber 2013 schiffte es andauernd, man konnte gar nicht erst in die Felder fahren, und entsprechend klein wurde dann auch die Ernte», so Rüssli.

Sonst aber gibt es wenig Grund zum Klönen. Hans Rüssli konsultiert während unseres ­Gesprächs die Statistiken. 2012 «super April». 2011 «sommerlich warmer April». 2010 «sehr trocken, aber im Mai viel Regen».

Vermehrt in Betracht gezogen werden müssen Auswirkungen des Klimawandels: Wenn es schon im Februar/März frühlingshaft ist und in empfindlichen Kulturen zu spriessen beginnt, steigt das Risiko, denn eben: ­April macht, was er will.

Kalte Meere und aufheizende Sonne

Aber warum eigentlich, woher kommt diese Wechselhaftigkeit? Dazu Stephan Bader von der Abteilung Klima bei Meteo Schweiz:

«Im April beziehungsweise im Frühling sind einerseits die Meere und die Polargebiete noch kalt, andererseits steht die Sonne bereits wieder recht hoch und jeden Tag etwas länger am Himmel. Dadurch kann sich die Erdoberfläche gut erwärmen.»

Dringe dann kalte Polarluft nach Mitteleuropa vor, werde sie tagsüber über dem Land erwärmt und instabil. «Die erwärmte Luft steigt auf, daraus entstehen Quellwolken und auf Sonnenschein mit blauem Himmel kann es in rascher Folge zu Schauern und kurzen Gewittern kommen», so Bader weiter. Ebenso wechselhaft könne sich der Niederschlag manifestieren: «Neben kräftigen Regenfällen kann es wenig später zu heftigem Schneetreiben kommen, auch Graupelschauer und Hagel sind möglich.»

Der Monat mit dem tiefsten Luftdruck

Als Ausdruck der häufig instabilen Witterung hat der April bei uns im Vergleich zu allen anderen Monaten den tiefsten mittleren monatlichen Luftdruckwert. Diese Depression hat sich in den letzten Jahrzehnten noch akzen­tuiert. Zwar ist der Luftdruck im April fast unverändert tief geblieben, hingegen hat er sich von Januar bis März merklich erhöht.

Stephan Bader: «Die Winter in der Schweiz wurden seit dem Ende der 1980er-Jahre häufiger hochdruckbestimmt als zuvor. Die zuvor tiefdruckbestimmten West- und Nordwestlagen mit Kaltluftzufuhr im Winter wurden abgelöst durch mehr hochdruckbestimmte West- und Südwest­lagen mit Warmluftzufuhr.» Die Ursache dieser Entwicklung, die uns anhaltende Warmwinter bescherte, ist nicht abschliessend geklärt. An der Unberechenbarkeit des Aprils haben sie bislang nichts verändert.

Kann man vom Aprilwetter auf jenes im Sommer und Herbst schliessen? Folgt – auch das eine Bauernregel – auf einen trockenen April ein nasser Sommer? Stimmt der Spruch «Donner im April viel Gutes künden will»? Sowohl der Vertreter des Bauernverbands wie auch der Klimatologe verweisen für solche Fragen an die Muotathaler Wetterschmöcker. Die wissen es sicher. Vielleicht nicht alle sechs, aber mindestens einer ganz gewiss.

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