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NEPAL: Die Trümmer sind geblieben

Vor zwei Jahren hat in Nepal die Erde gebebt. Insgesamt wurden fast 9000 Menschen getötet, Hunderttausende Wohnhäuser wurden zerstört. Politik und Bürokratie behindern den Wiederaufbau.
Walter Brehm
Ein sich im Aufbau befindendes Haus im Erdbebengebiet. (Bild: Navesh Chitrakar/Reuters (Bhaktapur, 21. April 2017))

Ein sich im Aufbau befindendes Haus im Erdbebengebiet. (Bild: Navesh Chitrakar/Reuters (Bhaktapur, 21. April 2017))

Walter Brehm

Zwei Jahre nach den beiden Erdbeben in Nepal kommt der Wiederaufbau nur harzig voran. Einen Boom hat die Katastrophe bisher vor allem einer Branche beschert: den Kredithaien. Viele von den Beben schwer getroffene Nepalesen haben nach Monaten in prekären Notunterkünften ohne wirksamen Schutz die Geduld verloren und den Wiederaufbau ihrer Häuser selber an die Hand genommen. Hilfswerke spendeten Wellbleche für Dächer, doch die Finanzierung der Neubauten ist vielen Bewohnern vor allem in den abgelegenen Bergdörfern der Himalaja-Region nur mit einem Kredit möglich.

Es hat ein Jahr gedauert, bis die versprochene Hilfe aus internationalen Spenden angelaufen ist. 500 Euro in einer ersten Rate für die am schwersten Geschädigten. Nun stünde eigentlich eine zweite Rate von 1500 Euro an und im kommenden Jahr eine dritte Rate. Vor allem jene Dorfbewohner, die den Wiederaufbau ihrer Häuser selber an die Hand genommen haben, fürchten nun aber, kein Geld mehr zu sehen. Die Behörden werfen ihnen vor, sich nicht an die Vorgaben der Regierung gehalten zu haben. Ihre Neubauten seien nicht sicher genug. Doch die Vorgaben der Regierung haben viele Dorfbewohner erst anderthalb Jahre nach den Beben erreicht.

Rotes Kreuz kritisiert Bedingungen

Das Dorf Barpak liegt im Epizentrum des ersten Bebens. Fast alle seiner 800 Wohnhäuser wurden zerstört, 70 Dorfbewohner wurden getötet. Barpak ist zehn Autostunden von der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu entfernt, davon vier Stunden auf aben­teuerlichen Bergpfaden. Zu erreichen ist es nur mit Geländefahrzeugen. Im Dezember 2016 kam der 26 Jahre alte Bauingenieur Ram Bahador nach Barpak – als von der Regierung entsandter Kontrolleur von Neubauten. Doch Ram ist selber unzufrieden mit Kathmandu. Schlecht bezahlt, muss er seinen Aufenthalt im Dorf selber finanzieren und weiss doch, dass er den Menschen nicht wirklich helfen kann. «Das Abreissen ihrer Neubauten, die nicht den Vorgaben entsprechen, ist für die Menschen keine Option», sagt Ram. Dazu hätten die Leute zu viel Geld investiert, zumeist geliehenes, das sie zurückzahlen müssen. Es sei schwer, den Menschen zu erklären, dass ihre Häuser nicht den Regeln entsprechen.

Zwar hat die Wiederaufbaubehörde in Nepals Hauptstadt erklärt, sie arbeite an Plänen, wie nicht regelkonforme Häuser nachträglich erdbebensicher gemacht werden könnten. Doch unabhängig davon wird es von Rams Bericht abhängen, wer im Dorf noch Geld aus Kathmandu bekommt und wer nicht. Die Kreditgeber der Dorfbewohner werden sich darum kaum scheren. Tatsächlich kann es nicht nur an der Nichteinhaltung von Vorgaben liegen, dass die nepalesischen Behörden damit drohen, unbotmässige Dorfbewohner zu bestrafen. Wie viele andere Hilfswerke hatte auch das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) ein Hausbauprojekt in Nepal. Doch dieses Programm wurde im Sommer 2016 vorläufig sistiert. «Die Bedingungen für den Hausbau, welche die nepalesische Regierung festlegt, sind für das Rote Kreuz inakzeptabel», hiess es in einer Pressemitteilung. Diese Bedingungen liessen keine Mitsprache des SRK zu, wonach Familien als am meisten Geschädigte zuerst ein neues Haus bekommen sollen. Zudem gebe es keine unabhängige Kontrolle darüber, ob gebaute Häuser den Sicherheitsanforderungen genügten. Das SRK hatte zu diesem Zeitpunkt hingegen schon etliche Musterhäuser gebaut, die internationalen Standards für Erd­bebensicherheit genügten.

Es fehlt an Fachkräften

In Nepal jedoch herrscht nach wie vor politisches Chaos und Gerangel zwischen verschiedenen Amtsstellen um Kompetenzen. Behörden gelten deshalb als ineffizient. Zwar hat die Wiederaufbaubehörde im Januar dieses Jahres einen neuen Chef erhalten, dem Mitarbeiter internationaler Hilfswerke mehr vertrauen als dessen Vorgänger. Trotzdem bleibt die Tatsache, nach offiziellen Angaben Kathmandus, dass erst 17 000 zerstörte Häuser neu aufgebaut wurden. Die Beben aber hatten rund 800 000 Familien obdachlos gemacht.

Vor allem fehlt es immer noch an Fachkräften. Das SRK hat deshalb seine Arbeit in Nepal nicht eingestellt. Aber es arbeitet mit einer anderen Priorität an der Investition der aus der Schweiz gespendeten Gelder. Zwar werden derzeit keine Häuser unter SRK-Regie gebaut. Aber nach wie vor werden Bauhandwerker ausgebildet. Insgesamt sind das bisher über 750 Schreiner und Mauer sowie rund 6000 angelernte Bauarbeiter. Dies komme den Menschen in Nepal zugute, egal wer schliesslich die Herrschaft über den Neuaufbau haben werde. «Und falls sich die Bedingungen für den Häuserbau verbessern sollten, nehmen wir unser Projekt dazu unverzüglich wieder in Angriff», erklärt das SRK in Bern.

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