NEUJAHRSFEST: China feiert Start in unruhiges Jahr

Das Affenjahr war bereits turbulent. 2017 steht im Zeichen des Feuer-Hahns – und das dürfte für noch mehr Spannungen sorgen. Doch das Jahr des Hahns hat auch seine guten Seiten.

Felix Lee/Peking
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Neujahrsdekoration wird auf einem Markt im Schanghaier Stadtteil Yuyuan angeboten. (Bild: Qilai Shen/Getty (Schanghai, 22. Januar 2017))

Neujahrsdekoration wird auf einem Markt im Schanghaier Stadtteil Yuyuan angeboten. (Bild: Qilai Shen/Getty (Schanghai, 22. Januar 2017))

Felix Lee/Peking

Donald Trump ist derzeit in aller Munde. Auch in China. Und da morgen nach dem chinesischen Mondkalender das Jahr des Hahns beginnt, lassen es sich die meisten chinesischen Karikaturisten nicht nehmen, den neuen US-Präsidenten als Gockel darzustellen. In den sozialen Medien kursieren derzeit Hunderte davon. Mal «pickt» er auf Mexiko herum, mal auf Immigranten. Im Streit ums Südchinesische Meer ist Trumps Visage auf einem flatternden Hühnchen montiert, das Federn lässt.

Der derzeit grösste Hit vor chinesischen Einkaufszentren: ein aufblasbarer Gockel, der in seiner vollen Grösse mehr als fünf Meter misst und bei leichtem Wind wild mit den Flügeln fuchtelt. Mit dem goldenen Kamm, der an Trumps Tolle erinnert und den zusammengekniffenen Augenbrauen ist das Tier dem neuen US-Präsidenten wie aus dem Gesicht geschnitten.

«Eine Menge Hiebe und sogar Aufruhr»

Wenn fast 1,5 Milliarden Chinesen in aller Welt in der Nacht auf morgen das Jahr des Hahns einläuten, wird mit viel Geböller und Raketengezisch das neue Jahr zwar kräftig gefeiert. Zugleich ist vielen Chinesen klar: Mit Trump als US-Präsident wird 2017 keineswegs nur ein spassiges Jahr. Nach dem traditionellen Kalender ist jedes Jahr einem von insgesamt zwölf Tieren gewidmet. Dessen Charakter wird prägend für das Jahr.

Das zu Ende gehende Affenjahr etwa galt bereits – wie für einen Affen üblich – als turbulent. Doch 2017 verspricht Wahrsagern zufolge ein noch sehr viel unruhigeres Jahr zu werden. Der Hahn an sich gilt bereits als temperamentvoll, kämpferisch und ist nicht gerade kritikfähig. Für 2017 kommt jedoch hinzu, dass es kein reguläres Hahnjahr wird.

Nach der chinesischen Fengshui-Lehre besteht die Welt zudem aus fünf Elementen: Metall, Wasser, Holz, Feuer und Erde. Das Hahnjahr 2017 ist mit dem Element des Feuers verbunden – eine Verbindung, die es nur alle 60 Jahre gibt. Und Feuerjahre gelten als geladen, ja geradezu explosiv. «Wir gehen von einem Jahr mit politischen Spannungen aus, die Staats- und Regierungschefs zu extremen Handlungen verleiten», sagt der in Hongkong lehrende Fengshui-Meister Raymond Lo. Mit Trump wird die Welt in seinem ersten Amtsjahr als US-Präsident «eine Menge Hiebe und sogar Aufruhr» erleben, befürchtet auch der ebenfalls in Hongkong praktizierende Wahrsager Thierry Chow.

Jahr der Spannungen – aber auch der Innovationen

Doch Fengshui-Meister würden nur halbe Arbeit leisten, wenn sie nur schreckliche Vorhersagen machen würden. Wie jedes Wesen sowohl seine guten als auch seine schlechten Seiten hat, gilt das auch für das entsprechende Jahr. Politisch mögen Hahnenjahre mit der Verbindung zum Feuer spannungsgeladen sein. Sie gelten aber auch als besonders innovativ. 1957 etwa schossen die Russen den Sputnik ins All – und leiteten ein Rennen ums Weltall ein. 60 Jahre zuvor, im Jahr 1897, gelang es dem Bayer-Werk in Wuppertal erstmals Aspirin herzustellen. Im selben Jahr setzt Rudolf Diesel den von ihm erfundenen Motor in Gang. Auch für die Wirtschaft könnte es im Jahr des Feuer-Hahns gut laufen. Feuerjahre gelten generell als Zeiten des Aufschwungs.

Auch wer im Jahr des Hahns geboren ist, nimmt dem traditionellen chinesischen Aberglaube zufolge seine Charaktereigenschaften an. So neigen «Hähne» dazu, viele Aufgaben gleichzeitig übernehmen zu wollen – und sind oft gestresst. Hähne gelten zudem oft als Einzelgänger, sind misstrauisch, aufbrausend und streitlustig. Zudem sind sie spitz und picken gerne auf anderen herum. Hähne sind allerdings auch unter anderem stolz, selbstbewusst, zupackend und übernehmen gerne die Führung.

Was Trump betrifft – im Jahr des Feuer-Hahns könnte er zwar für viel Unheil sorgen. Er selbst ist vom Tierkreiszeichen aber kein Hahn, sondern Hund. Das heisst: Vom Gemüt her ist er nicht von Grund auf streitlustig. Menschen, die im Jahr des Hundes geboren sind, gelten als treu, lieb und ehrlich. Und bereits 2018 folgt das Jahr des Hundes. Es gibt also Hoffnung.