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NEUSTART: Gute Vorsätze – was denn sonst?

Für das neue Jahr haben sich viele Menschen viel vorgenommen. Auch im Wissen, daran vielleicht zu scheitern. Sie sind aber immer noch besser dran als jene, die gar keinen Neuanfang wagen.
Urs Bader
Mehr Sport: Einer der häufigsten guten Vorsätzen fürs neue Jahr. (Bild: IStockphoto)

Mehr Sport: Einer der häufigsten guten Vorsätzen fürs neue Jahr. (Bild: IStockphoto)

Urs Bader

Mehr lachen, abnehmen, Freundschaften besser pflegen, öfter am kulturellen Leben teilnehmen, immer wieder mal gar nichts tun, mehr Geld für wohltätige Zwecke spenden, das Auto öfter mal stehen lassen und damit auch die Luft weniger verdrecken: Diese guten Vorsätze liessen sich natürlich zu jedem beliebigen Datum fassen, aber die kalendarische Zäsur lädt doch geradezu dazu ein. Der Jahreswechsel könnte auch zu einem kleinen Wendepunkt im Leben werden.

Nörgelige Zeitgenossen verhöhnen jedoch Leute, die gute Vorsätze fassen. Und sie wähnen sich dabei in einer schalen Überlegenheit. Diese nährt sich daraus, dass die meisten Menschen ihre guten Vorsätze nicht umsetzen, daran oft schon in den ersten Tagen scheitern. Gleichwohl sind sie sogar noch in diesem Scheitern den Nörglern überlegen. Erst recht, wenn es nicht beim Vorsatz bleibt und das Vorgenommene auch erreicht wird. Dann stellt sich ein Hochgefühl ein.

Gute Vorsätze fassen stiftet Hoffnung

Wer gute Vorsätze fasst, ist sich auch bewusst, dass er scheitern könnte. Und er ist dabei in ehrenwerter Gesellschaft. Etwa in jener des Kirchenvaters Augustinus (354–430). Einen Neuanfang zu wollen und das Verzweifeln daran hat also auch eine menschheitsgeschichtliche Dimension, ist nicht erst ein Phänomen unserer Gesellschaft. In seinen «Bekenntnissen» beschrieb Augustinus dramatisch, wie schwer es ihm fiel, sich bei seiner Bekehrung zum Christentum einem Leben in Keuschheit und Gottesliebe zuzuwenden: «Ich sagte in meinem Innern zu mir: Bald wird es werden, bald, und mit dem Worte stand ich schon an der Schwelle des Entschlusses. Schon war ich daran, es zu tun, und tat es doch nicht; aber ich glitt auch nicht auf meinen früheren Standpunkt zurück, sondern blieb stehen und schöpfte Atem. Und dann versuchte ich es zum zweiten Male... Je näher der Zeitpunkt kam, da ich ein anderer werden sollte, desto grössere Schrecken jagte er mir ein... Torheit und Eitelkeit, meine alten Freundinnen, flüsterten mir zu: du willst uns verlassen? Von diesem Augenblick wirst du dies und das in Ewigkeit nicht mehr tun dürfen!» Das haben wir alle doch schon erlebt, wohl aber bloss bei einem trivialeren Vorhaben.

Das Scheitern an Vorsätzen lehrt uns Geduld

Heute erklären uns Psychologen und Neurowissenschafter – auch immer wieder zum Jahreswechsel –, wie hochkomplex das Unterfangen ist, Vorsätze nachhaltig in die Tat umzusetzen. Es geht bei der inneren Selbstverpflichtung um Motivation, um Willenskraft und Willenskrafterschöpfung, um ein Belohnungsmanagement, Vermeidungsstrategien und die soziale Flankierung des ganzheitlichen Projekts. Sollen Vorsätze gelingen, so legen diese Erklärungen indirekt nahe, vertraut man sich am besten gleich einer psychologischen Betreuung an oder doch einem Personal Trainer. Oder konsultiert zumindest eines der zahlreichen Ratgeberbücher, die einem auf die Sprünge helfen wollen.

Im Übrigen raten Psychologen auch zu Gelassenheit, sollte man an Vorsätzen scheitern. Ja, wer sich etwas vornimmt, weiss schon, dass er dabei straucheln kann. Dann wird halt bei nächster Gelegenheit ein neuer Anlauf genommen. Das Scheitern an Vorsätzen lernt uns Geduld mit uns selbst zu haben, lernt Gelassenheit. Es geht dabei aber nicht immer nur um Selbstoptimierung. Wichtig ist vielmehr die Haltung, die sich in diesen Versuchen äussert, darauf kommt es an: Wer zu neuen Zielen aufbrechen will, denkt über sich und sein Leben nach. Auch über ein mögliches anderes, besseres Selbst. Oder gar über eine bessere Welt. Das Unvollkommene, Unfertige, Fragwürdige, Mangelhafte wird so zur Triebfeder des Fortschritts. Sie setzen persönliches und politisches Handeln in Bewegung, sie ermöglichen Utopien. Ja, wieso nicht?

Und da muss doch Optimismus, Heiterkeit, Hoffnung am Werk sein. Und umgekehrt schwindet ohne Vorsätze die Hoffnung. Sie sind das Gegenprogramm zu Miesepetrigkeit, Schwarzseherei, Zukunftsverweigerung.

Für eine bessere Welt und gegen den Jahresend-Koller

Gute Vorsätze können sich auf das eigene kleine Dasein beziehen, aber auch auf das Grosse und Ganze der Welt. Dort geht es vielleicht darum, abzunehmen oder mit dem Rauchen aufzuhören, da darum, künftig Fremden grosszügiger zu begegnen oder mit seinem Tun die Umwelt weniger zu verschmutzen. Seit sich viele Menschen aus den Geboten, Heilsversprechen und Strafandrohungen der Kirche in die Freiheit entlassen haben, müssen sie selbst für sich und die Welt mehr Verantwortung übernehmen. Die Völlerei oder den Geiz beispielsweise versuchte die katholische Kirche damit zu bekämpfen, dass sie sie zur Todsünde erklärte – heute muss jeder selbst damit fertig werden. Und mehr Verantwortung für die Welt? Der aufklärerische Philosoph Immanuel Kant (1724–1804) hat einen Weg gezeigt, wie das gehen könnte: «Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.» Die Idee dahinter: Die Welt ist nicht einfach, wie sie ist. Wie auch immer jemand handelt, er gestaltet die Welt mit. Dessen solle sich jeder bewusst sein, forderte Kant.

Schliesslich helfen gute Vorsätze auch gegen den Koller zum Jahreswechsel. Gerne wird man ja in diesen Tagen auch mal etwas melancholisch, weil schon wieder ein Jahr vorbei ist und man vielleicht verstärkt gewahr wird, dass alles endlich ist – und es für vieles einmal zu spät ist. Der Humanist Erasmus von Rotterdam (um 1467–1536) meinte dazu: «Am Ende stellt sich die Frage: Was hast du aus deinem Leben gemacht? Was du dann wünschst, getan zu haben, das tue jetzt.» Also, wer sich noch nichts vorgenommen hat – es ist noch Zeit.

Von mehr lachen bis mehr Sport: 2018 soll alles besser werden. (Bilder: Getty, Keystone)

Von mehr lachen bis mehr Sport: 2018 soll alles besser werden. (Bilder: Getty, Keystone)

Freundschaften pflegen. (Bild: iStockphoto)

Freundschaften pflegen. (Bild: iStockphoto)

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