NIDWALDEN: Siegesfreude stellt Kritiker in den Schatten

«Das Feyr vo dr Sehnsucht» ist Schweizer Hit des Jahres. Die Freude über den Sieg überstrahlte beim Jodlerklub Wiesenberg und bei Francine Jordi manche Misstöne.

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An der Siegesfeier gaben Francine Jordi und die Wiesenberger Jodler spontan ein Jodel-Ständchen. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

An der Siegesfeier gaben Francine Jordi und die Wiesenberger Jodler spontan ein Jodel-Ständchen. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Bei feinen Häppchen, Wein, Bier und lauter Discomusik haben Francine Jordi und der Jodlerklub Wiesenberg bis weit in den Montagmorgen gefeiert. So laut, dass sich Co-Dirigent Fredy Wallimann zuweilen die Ohren zuhalten musste. Grüppchenweise verzogen sich die wackeren Nidwaldner Jodler – und stimmten fröhlich ein gemütliches Jodlerständchen an. Derweil nahm auch Francine Jordi eine Gratulation nach der anderen an, wurde aber auch mit kritischen Stimmen konfrontiert. Wegen ihrer Dauerpräsenz in der Sendung sei sie im Vorteil gewesen, es sei ein abgekartetes Spiel, bemängeln die schärfsten Kritiker.

Francine schweigt – und geniesst 
Francine selber bleibt dabei und will das «ganz einfach nicht kommentieren». Beim Verlassen der Feier gegen 2 Uhr morgens, als auch die Wiesenberger in Kreuzlingen den Reisebus bestiegen, merkte man aber schon, dass ihr das nahe geht. Dann nahm Moderationskollege Roman Kilchsperger die Sieger in Schutz. «Ich kann dieses Geschwätz und die ganze Aufregung überhaupt nicht verstehen», erklärte der Zürcher Radio- und TV-Star. «Diese Kritiker sind für mich schlichtweg schlechte Verlierer. Der Triumph ist klar zustande gekommen und hoch verdient. ?Das Feyr vo dr Sehnsucht? ist ein sehr würdiger, höchst erfolgreicher Siegestitel.»

1,26 Millionen Fans sahen übrigens Francine Jordi und den Jodlerklub Wiesenberg am Fernsehen siegen. Das sind fast soviele Zuschauer, wie eine Woche zuvor beim Endspiel der Schweizer U17-Fussballer!

Schutzengel Kilchsperger 
Wo Kilchsperger recht hat, hat er recht. Bereits 1998 feierte Francine Jordi mit der hochdeutschen Version des Hits («Das Feuer der Sehnsucht») grosse Erfolge in der Schweiz und in Österreich. Mit dem Lied von Komponist Tommy Mustac schaffte sie den endgültigen Durchbruch und gewann für die Schweiz den internationalen Final des Grand-Prix der Volksmusik. Vor zwei Jahren dann brachte Universal-Manager Manfred Ehlert die Berner Sängerin mit dem 1988 gegründeten Jodlerklub Wiesenberg zusammen. 47 Wochen lang war die Mundartversion («Das Feyr vo dr Sehnsucht») in den Charts und verkaufte sich bisher 50'000 Mal.

Zum Vergleich: Der mit rund 6 Stimmprozenten Abstand zweitplazierte Hit «Rosalie» des Zürcher Rappers Bligg war 56 Wochen in den Charts und verkaufte sich doppelt so viel wie der Siegestitel. Aber: «Rosalie» ist nicht wie «Das Feyr vo dr Sehnsucht» nur als Single, sondern zusätzlich auch in einem Album erschienen.

Der Präsident und sein Handy 
Wie auch immer, eines steht fest: Die wackeren, bodenständigen Jodler vom Wiesenberg lassen sich die Freude am Hit-Sieg durch «nichts, aber auch durch gar nichts» verderben, wie Präsident Thomas Gisler versicherte. Nach Mitternacht betrat der Nidwaldner Zimmermann in der Bodenseearena von Kreuzlingen einen Nebenraum, um in Ruhe auf dem Handy einige Kurznachrichten zu beantworten. Da riefen ihm einige Klubkameraden lachend zu: «Hey Thomas, das Telefonvoting ist zu Ende, du brauchst nicht mehr abzustimmen!» Welch goldiger Humor, welch schöner Triumph!

André Häfliger, Kreuzlingen

HINWEIS 
Eine Hit-Siegesfeier findet am Freitag, 27. November, ab 19 Uhr auf dem Dorfplatz in Dallenwil statt.