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NORDKOREA: Tausend Volvos in der Diktatur

Die Welt sorgt sich um die Raketen von Kim Jong Un, Schweden denkt bei Nordkorea aber auch an Autos, die nie bezahlt wurden. Vielleicht könnten sie sogar für Entspannung in der Krise sorgen.
Niels Anner, Kopenhagen

Niels Anner, Kopenhagen

Sollte sich die Situation rund um Nordkorea etwas entspannen, könnte Schweden eine wichtige Rolle zukommen. Denn das Land hat seit Jahrzehnten einer spezielle Beziehung zu Nordkorea. Schweden war 1973 der erste westliche Staat, der das diktatorisches Regime anerkannte. Heute noch unterhält es eine Botschaft in Pjöngjang, und schwedische Diplomaten dienen den USA als Kanal, wenn es um Kontakt mit der Führung von Kim Jong Un geht. Auch bei der Freilassung von in Nordkorea gefangenen US-Bürgern war Schweden involviert.

Es gibt aber auch eine klassische Schönheit mit vier Rädern in der Beziehung: 1947 lieferten schwedische Firmen Waren nach Nordkorea. Sie erhofften sich gute Geschäfte mit Produkten der Schwerindustrie, etwa von Asea oder dem Schiffsbauer Alfa Laval – und mit Volvos. Tausend Stück des Typs 144 fanden den Weg nach Nordkorea. Wie das schwedische Fernsehen SVT berichtete, fahren die über 40 Jahre alten Autos nach wie vor in Pjöngjang herum, unter anderem als Taxis. Allerdings hat Schweden bis heute keine Krone für die Volvos erhalten, sie fahren gratis herum.

Auch die anderen Waren hat Nordkorea nie bezahlt: Der seit den 70er-Jahren unbezahlte Exportkredit beläuft sich mittlerweile auf umgerechnet 300 Millionen Franken. Damit ist Nordkorea der grösste Schuldner Schwedens, wie Carina Kampe sagt. Sie ist Sprecherin der schwedischen Exportkreditbehörde, die staatliche Garantien für Exportgeschäfte gibt. Schweden ist nicht allein mit dem Problem: «Nordkorea bezahlt seine Schulden, die es weltweit hat, nirgends», sagt Kampe. Die schwedische Behörde mahnt das ­Regime deshalb regelmässig offiziell, dass die Millionen nach wie vor ausstehend seien. «Meistens erhalten wir keine Antwort.»

Die Firmen wollen Geld sehen

Trotz der hohen Schulden oder vielleicht gerade deshalb entwickelte sich eine Beziehung zwischen Schweden und Nordkorea, die weiter geht als diejenige zu anderen westlichen Staaten. Der Grund sind die Firmen, die einst die Industrieprodukte lieferten: Sie machten, zumindest am Anfang, Druck, weil sie Geld sehen wollten. Da man aber der Kim-Dynastie schlecht drohen kann, wandten sie sich an die schwedische Regierung, die wiederum diplomatische Kontakte und eine Botschaft aufbaute.

Dies führte mit der Zeit zu einem vertrauensvollen Verhältnis, das es auch erlaubte, im Rahmen des Waffenstillstands zwischen Nord- und Südkorea zu vermitteln. Dabei half die Neutralität Schwedens. Mit ihren Kontakten konnten die skandinavischen Diplomaten zudem indirekte Gespräche zwischen Nordkorea und den USA organisieren; dabei sind vor allem Akademiker und ehemalige Beamte der beiden verfeindeten Staaten involviert.

Bei den Freilassungen des ­kanadischen Geistlichen Hyeon Soo Lim am 9. August sowie des US-Studenten Otto Warmbier spielte Schweden im Vorfeld eine entscheidende Rolle. «Unsere Präsenz in Nordkorea ermöglicht Dialog und Kontakte», erklärte Aussenministerin Margot Wallström dazu, «wir nehmen diese Rolle sehr ernst.»

Könnte Schweden also in der aktuellen Krise vermitteln und den sich zuspitzenden Konflikt entschärfen? Ulv Hanssen, Asien-Experte am schwedischen Institut für internationale Beziehungen, ist vorsichtig: Schweden könne Informationen überbringen – dies habe bisher gut funktioniert. Verhandlungen seien allerdings eine schwierigere Aufgabe. Immerhin, so Hanssen, geniesse Schweden das Vertrauen sowohl der USA wie auch Nordkoreas. Wenn die beiden Konfliktparteien im Moment Kontakte pflegen, sind oft auch die Botschaften in Peking oder die UNO-Vertreter involviert. Die Volvos auf den Strassen Pjöngjangs fahren derweil als Erinnerung an die langen Kontakte zu Schweden weiter herum.

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