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NORWEGEN: Himmelsfeuer im hohen Norden

Eine Woche lang in Tromsø Nacht für Nacht in der Kälte bibbern – und dabei noch fröhlich Fotos machen. Das klingt wenig erholsam. Was man aber zu sehen bekommt, ist schlicht unbeschreiblich.
Stefanie Nopper
Kosmische Leuchtshow: Stolz präsentiert sich die Korona bei Tromsø. (Bild: Stefanie Nopper / luzernerzeitung.ch)

Kosmische Leuchtshow: Stolz präsentiert sich die Korona bei Tromsø. (Bild: Stefanie Nopper / luzernerzeitung.ch)

Stefanie Nopper
stefanie.nopper@luzernerzeitung.ch

Dick eingemummt stehen rund ein Dutzend eifrige Hobbyfotografen mit ihren Stativen nebeneinander aufgereiht an einem Hang. Sie schauen durch den Sucher ihrer Kamera. Ganz aufgeregt stellen sie ISO, Blende und Verschlusszeit ein. Ihre Mission: die Jagd nach den besten Polarlicht-Fotos. Mitten unter ihnen: mein Partner Thomas und ich. Wir stehen mitten im Nirgendwo – um uns herum nur Berge, Fjorde, Sterne und das Licht des Mondes.

20 Grad unter null

Ein besorgter Blick fällt Richtung Himmel: Selbst nach einer Stunde Warten tut sich da oben nichts. Und auch nach zwei Stunden hat sich noch keines der berühmten Polarlichter blicken lassen. Es ist kalt, bitterkalt: genauer gesagt 20 Grad unter null. Wir stehen vor einem schneebedeckten Berg und warten abseits von Tromsø, der grössten Stadt im Norden Norwegens, auf das spektakuläre Naturschauspiel. Die Ungeduld steigt, die Füsse werden immer kälter, und die mitgebrachten Sandwiches sind schon aufgegessen. Doch dann passiert es. Gerade in dem Augenblick, wo ich kurz am Sinn dieser Reise zu zweifeln begann: «Da oben über dem Bergkamm. Schaut! Da kommt das Polarlicht.», sagt unser Reiseleiter Dionys Moser (52) ganz aufgeregt und deutet mit seiner Hand auf den Bergzipfel vor uns.

Die Hand immer am Auslöser

Das erste Polarlicht ist gemäss dem Luzerner Fotografen unvergesslich. Wir halten den Atem an und geniessen die kosmische Lichtshow: Ein schmaler grüner Schleier, der einer dünnen Wolkendecke ähnelt, hängt über dem Bergzipfel. Anfangs kann ich noch nicht wirklich begreifen, was sich da vor meinen Augen abspielt. Nach ein paar Sekunden des Staunens drücke ich auf den Knopf meines Auslösekabels und bewundere die erste Aufnahme. Erst auf dem Kameradisplay sehe ich, dass das Polarlicht viel intensiver aussieht als meine Augen am nächtlichen Himmel erkennen können. Das Reiseziel, ein Polarlicht vor der Linse zu haben, ist damit erfüllt. Und das ist wahres Glück. Grund: Es gibt auf dieser Reise keine Garantie, dass man das Polarlicht wirklich zu Gesicht bekommt. Dionys Moser weiss aber um die besten Aussichtsplätze, kennt das Wetter und die Polarlichtprognosen ganz genau. Um das grüne Licht am Himmel besonders gut tanzen zu sehen, braucht es eine sternenklare Nacht.

Je länger wir draussen gebannt gen Himmel starren, desto mehr verstärkt sich der Wunsch nach warmen Füssen. Doch an eine Rückkehr ins Hotel ist noch lange nicht zu denken. Zumindest, wenn es nach unserem Reiseleiter geht. Bereits in der Beschreibung auf seiner Website steht geschrieben: «Wir organisieren diese Reise, um Ihnen das Polarlicht zu zeigen und nicht das Hotelzimmer! Wir warten, bis das Polarlicht erscheint, und bleiben, solange es Polarlicht hat oder auch nur die Chance dafür besteht!» Kurzum: Man muss bereit sein, die ganze Nacht geduldig in der klirrenden Kälte auszuharren. Schliesslich soll das perfekte Bild geschossen und das komplette Nordlicht ausgekostet werden. Also warten wir weitere Stunden. Der Reiseleiter behält dabei stets sein Tablet im Auge und prüft auf spezialisierten Websites die Echtzeit-Messdaten des Polarlichts. «Der grosse Knall kommt noch heute Nacht – wir bleiben noch ein bisschen!», so Moser voller Vorfreude.

Und es kommt tatsächlich noch besser: Etwa dreieinhalb Stunden nach dem ersten schwachen Polarlicht entzündet sich ein wahres Feuerwerk am norwegischen Himmel. Es sieht aus, als würden die Lichtstreifen am Himmel eine Party feiern. Das Polarlicht kommt nicht nur als diffuse Fläche vor, sondern auch als strahlenförmiges Band oder als pulsierender Bogen. Das Nonplusultra ist jedoch die sogenannte Korona: ringförmige Strahlen, die sich pulsierend fortbewegen. Wenn sich diese Strahlen abschwächen, ist der komplette Nachthimmel grün eingefärbt. Er ähnelt dann einer dicken Wolkendecke, die grün angestrahlt wird.

Ausgelöst durch Sonnenstürme

Aber wie entstehen diese wabernden Lichtstreifen am Himmel? Polarlichter werden durch Sonnenstürme ausgelöst. Das Leuchtspektakel wird sichtbar, wenn geladene Teilchen des Sonnenwindes auf die Erdatmosphäre in den Polargebieten treffen. Zu diesen Gebieten zählt auch die Stadt Tromsø mit ihren knapp 71 000 Einwohnern. Nicht nur in diesem Jahr, sondern auch noch 2015 soll es gemäss den Wissenschaftlern der Luft- und Raumfahrtbehörde (NASA) sowie der Weltraumexperten der US-Behörde für Meeres- und Wetterforschung (NOAA) starke Sonnenstürme und damit sehr aktives Polarlicht geben. Man hat also nächsten Winter nochmals eine gute Gelegenheit, sich von diesen Lichtern faszinieren zu lassen. Spätestens ab 2016 soll die Aktivität dieses Leuchtspektakels wieder stetig abnehmen. Dann erscheinen die Polarlichter weniger intensiv.

Die besten Bedingungen für Polarlicht-Expeditionen herrschen von Januar bis März. Grund: Die Nächte sind dann am kältesten und am dunkelsten. Bis das Aktivitätsmaximum von 2014 und 2015 wieder einmal erreicht wird, dauert es etwa elf Jahre. Konkret bedeutet das: Erst um das Jahr 2025 wird es wieder aussergewöhnlich intensive Polarlichter zu bestaunen geben.

Neben den Nordlichtern kann man in Tromsø auch Rentiere beobachten. Unsere Reisegruppe fährt untertags mit etwas Brot im Fotorucksack an einen Ort, der etwa 30 Kilometer ausserhalb von Tromsø liegt. Nahe einem abgelegenen Waldstück parkieren wir unseren Bus am Strassenrand. Um uns herum nur Wald, ein Fjord und die eingezuckerten Berge. Kaum ist der Motor abgestellt, kommen die Rentiere angerannt. Sie rennen quer über die Strasse und über die Felder. Dabei stürzen sie fast über ihre eigenen Beine, weil der Boden unter der Schneedecke so vereist ist. Wer die imposanten Tiere während der Fütterung streicheln will, muss sich in Acht nehmen. Die in Norwegen als Nutztiere gehaltenen Rentiere beissen zwar nicht, aber vor ihrem Geweih sollte man Respekt haben.

Nördlichste Kathedrale der Welt

Sehenswert ist ausserdem das Zentrum von Tromsø. Neben kleinen Läden und gemütlichen Pubs steht dort auch die nördlichste Kathedrale der Welt: Die Eismeerkathedrale ist das Wahrzeichen der Stadt Tromsø, die auf dem 69. Breitengrad liegt. Aufgrund ihrer eigenwilligen dreieckigen Architektur und ihrer grossen Glasmosaikfenster ist die Pfarr- und Seemannskirche weltberühmt. Wer es nicht schafft, sich die Kirche von innen anzuschauen, der kann das Bauwerk auch vom 420 Meter hohen Hausberg Storsteinen bestaunen. Dieser ist zu Fuss oder via der Seilbahn Fjellheisen erreichbar. Oben angekommen, ist der Blick auf die Stadt Tromsø sehr eindrücklich.

Noch beeindruckender ist jedoch die Sonne im Norden: Sie geht im Januar erst gegen Mittag auf – bereits zwei Stunden später verschwindet sie wieder. Dies bietet ideale Voraussetzungen, um vom Hausberg aus Sonnenauf- und -untergang binnen weniger Stunden zu geniessen. Möglich wird dieses Phänomen, weil es im Winter in Nordnorwegen nicht hell wird und von November bis Januar zusätzlich noch Polarnacht ist. Während dieser Zeit bleibt der Himmel dunkel.

Keine absolute Dunkelheit

Tromsø ist so weit nördlich, dass die Sonne kaum noch über den Horizont hinausreicht. Dadurch ist es auch tagsüber recht finster, wenn auch nicht ganz dunkel. Der Himmel gleicht dem eines grauen Wintertages in der Schweiz. Interessant: Die Norweger kompensieren die dunklen Wintermonate mit viel Licht, das sie anzünden. So stellen oder hängen sie etwa Lichter in jedes Fenster in ihrem Haus. Zusätzlich lässt der Schnee auf den Bergen die Umgebung etwas heller erscheinen. Dazu gesellen sich die Polarlichter, die den Nachthimmel erleuchten. Die Lichter flimmern aber nicht nur in Grün durchs All. Zeitweise kann man auch violettes bis blaues Licht und mit ganz viel Glück gar rötliches Licht sehen. Diese Farben lassen sich aber nur bei sehr starken Sonnenwinden beobachten. Auf unserer Reise Mitte Januar haben wir Polarlichter in beinahe allen Farbabstufungen bestaunen können.

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