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NORWEGEN: Klagen und Bussen wegen Ausrutschens auf Glatteis

2018 ist der Winter in vielen Belangen so heimtückisch wie noch nie: Obwohl eine Rekordmenge Splitt aufgewendet wird, sind bereits fast 2000 Personen auf Glatteis ausgerutscht. Es hagelt Klagen und Bussen.
Niels Anner
Das Wetter hat den Bewohnern im Flachland eisige Temperaturen beschert. (Bild: Themenbild: Stefan Kaiser/ZZ)

Das Wetter hat den Bewohnern im Flachland eisige Temperaturen beschert. (Bild: Themenbild: Stefan Kaiser/ZZ)

Niels Anner

Schön, wer in Norwegen beheizbare Trottoirs unter den Füssen hat. Diese gibt es in vielen Städten, und an einigen Orten werden auch Strassenabschnitte oder Plätze im Winter aufgewärmt. Mit elektrischen Wärmeröhren oder Fernwärmerohren unter dem Asphalt werden Schnee und Eis weggeschmolzen, bevor sie Probleme verursachen könnten. Doch diese Lösung ist teuer und wird vor allem in den Stadtzentren eingesetzt; verlässt man diese, wird es rutschig – vor allem dieses Jahr.

Heftige Schneefälle, Temperaturschwankungen und Wetterumschläge haben dazu geführt, dass die Strassen in grossen Teilen Norwegens stark vereist sind und sich selbst die Räumdienste auf glattem Parkett bewegen. Allein in Oslo fielen innerhalb von 24 Stunden laut Berechnungen der Stadt 25'000 Lastwagenladungen voll Schnee. Bei sich immer wieder entwickelnder überfrierender Nässe ereignete sich im ganze Land eine grosse Zahl Kollisionen und Personenunfälle.

Die Versicherungen sprechen von 25 Prozent mehr Schadensmeldungen an Autos als in einem normalen Jahr, vor allem an Tagen mit «Schneechaos», aber auch, weil die Strassen so oft mit Eis überzogen sind.

24'000 Tonnen Splitt gestreut

Während an den kältesten Orten minus 35 Grad gemessen wurden, reichten in der Region östlich von Oslo bereits minus 7 Grad, damit das Streusalz seine Wirkung verlor. Der Polizei blieb nichts anderes übrig, als vor extremer Glätte zu warnen. In der Hauptstadt selbst wurden in dieser Saison bereits 24'000 Tonnen Splitt auf die Trottoirs gestreut – mehr als je zuvor, wie die Stadtwerke der Zeitung «Aftenposten» sagten. Im bisherigen Rekordwinter 2009 wurden 17'000 Tonnen gestreut. Dennoch ist die Lage in Oslo besonders prekär. Im Durchschnitt werden laut den Spitälern in der Hauptstadt 48 Personen pro Tag wegen Unfällen auf Schnee und Eis eingeliefert – die meisten mit gebrochenen Handgelenken. Über 1800 Sturzopfer gab es seit Anfang Jahr. Im Universitätsspital wurden im Januar 94 Operationen von Hüftbrüchen vorgenommen – auch dies ein Rekord.

Die Einwohner sind unzufrieden mit der Situation auf den Strassen: Oslo hat über 10'000 Meldungen zum Thema Schneeräumung erhalten. Darunter sei auch Lob, sagte Joakim Hjertum, der Chef der Stadtwerke – doch in der überwiegenden Mehrzahl dürfte es sich um Klagen handeln, über nicht geräumte Trottoirs, weiterhin vom Schnee begrabene Strassenabschnitte und Parkplätze und gefährliche Situationen. In Sandvika im Westen der Stadt wichen Autos an einem Hügel auf mit Kies gestreute Trottoirs aus, weil sie auf der Strasse hinunterschlitterten. Hjertum verwirft die Hände: «Wir tun, was wir können.» Die Stadt habe bereits Bussen von umgerechnet 25'000 Franken ausgeteilt – an die mit der Schneeräumung beauftragten privaten Firmen, weil sie ihren Auftrag nicht erfüllten. Weitere Bussen könnten wegen nicht genügender Streuung von Splitt, Sand und Salz folgen.

«Langsamer Pinguingang» empfohlen

Die Medien publizieren derweil Ratschläge für den Gang auf vereister Unterlage. Schlecht seien, teilt etwa der Fernsehsender NRK mit, ängstlicher oder schneller Gang, mangelndes Gleichgewicht und ungenügende Schuhe. Björn Hallvard, Physiker und Klimaforscher, sagt, das Geheimnis sei «langsamer Pinguingang», vorsichtiges Watscheln.

Grundsätzlich lieben die Norweger dennoch den Schnee in rauen Mengen – wegen des Langlaufs, des Nationalsports für jedermann. Doch selbst auf den Loipen ergeben sich Probleme, wenn Hundekot und Fussspuren den Skispass stören. Denn auch in Norwegen haben nicht alle Ski an den Beinen. Auch das Spazieren in der Natur ist äusserst beliebt. Doch in den verschneiten Wäldern ist nicht überall ein Durchkommen, also benutzen Wanderer und Langläufer die gleichen Wege. In den sozialen und anderen Medien, aber auch auf der Loipe wird deshalb heftig gestritten. In der Region Sunnmöre an der Westküste haben Verbotsschilder deshalb die Gemüter der Fussgänger erregt.

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