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NORWEGEN: «Rinderwahnsinn» bei Rentieren: Tausende Tiere werden getötet

Eine dem Rinderwahnsinn ähnliche Gehirnkrankheit bedroht seit kurzem Wildtiere in Europa. Norwegen bereitet deshalb die grösste Massenjagd auf Rentiere vor, die es je gab.
Niels Anner
Wegen einer Gehirnkrankheit mussten in Norwegen viele Rentiere geschossen werden. (Symbolbild LZ)

Wegen einer Gehirnkrankheit mussten in Norwegen viele Rentiere geschossen werden. (Symbolbild LZ)

Niels Anner

Der Schock war gross, als vergangenes Jahr der erste Fall der Chronic Wasting Disease (CWD) in Europa festgestellt wurde. In Südwestnorwegen wurde zufällig die hochansteckende Gehirnkrankheit bei einem toten Rentier entdeckt. Zuvor war die auf Deutsch ebenfalls CWD oder Chronische Auszehrkrankheit genannte Erkrankung des zentralen Nervensystems bei Hirschen und ihren Verwandten nur in den USA und Kanada sowie in Südkorea aufgetaucht. Schon wenige Monate später war klar, dass sich CWD in Norwegen ausbreitet: 2016 wurde sie bei zwei Elchen und drei Rentieren nachgewiesen. Seither herrscht Alarmstimmung.

CWD ist mit BSE (Rinderwahnsinn) und der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beim Menschen verwandt. Sie wird durch abnormal gefaltete Proteine, Prionen, verursacht, wird von Tier zu Tier (nicht aber auf Menschen) übertragen und endet tödlich. Sie führt zu Gehirnschäden, wodurch die Hirsche zuerst Verhaltensänderungen aufweisen, danach unter Bewegungsstörungen und einer fortschreitenden Abmagerung leiden. In den USA grassiert die Krankheit seit den 60er-Jahren unter verschiedenen Hirscharten, wobei in einigen Regionen 20 Prozent der Tiere befallen sind. Die Verbreitung aufzuhalten, scheint nicht möglich zu sein. Wie CWD nach Norwegen gelangen konnte, ist unbekannt; möglicherweise durch angesteckte zahme Tiere.

Verschiedene europäische Länder haben nach dem Fund in Norwegen sofort Kontrollen angeordnet. Vor allem im Nachbarland Schweden, das eine riesige Elch- und Hirschpopulation aufweist, aber auch in Deutschland und Italien wurden Jäger und Wildaufseher instruiert, auf CWD-Symptome bei Wildtieren zu achten, es wurden auch Gewebeproben getestet. Sich auffällig verhaltenden Elchen wurden die Köpfe abgeschnitten und zur Untersuchung eingeschickt; bisher ist ausserhalb Norwegens kein Fall festgestellt worden.

Pläne erstellt für Abschussaktion

In dem westskandinavischen Land selber sind in den letzten Jahren Tausende zahme (insbesondere Rentiere) und wilde Tiere Tests unterzogen worden, und diese wurden 2006 noch intensiviert, ohne weitere Funde. Dennoch arbeiten die Natur- und Umweltbehörden nun an drastischen Massnahmen: der Ausrottung der Wildrentiere in der Region Nordfjella in Westnorwegen. Das ist ein 3000 Quadratkilometer grosses Gebiet an der Strecke zwischen Oslo und Bergen, das teilweise in einem Nationalpark liegt. Hier müssen rund 2200 Tiere abgeschossen werden. Jon Georg Dale, der verantwortliche Minister für Landwirtschaft und Ernährung, sagte, die Analyse der Experten verlange ein rasches Vorgehen. Er wies die betroffenen Gemeinden und Jägerorganisationen der Region an, Pläne für die Massentötung zu erstellen.

Das Problem ist in Norwegen nicht nur wegen der Wildtiere dringend, sondern auch wegen der vielen Rentierzuchten. Diese sind äusserst besorgt und begrüssen die Massnahmen der Regierung. «Auch wenn wir keine Garantie haben, dass sich die Krankheit nicht schon weiter verbreitet hat, können wir zumindest eine Ausbreitung durch diesen Wildstamm unterbinden», erklärte ­Ellinor Jaama, Präsidentin des Verbandes norwegischer Rentierzüchter.

Bereits heute überwachen Wildhüter eine östlich der betroffenen Region verlaufende Landstrasse, um Wildrentiere am Überqueren zu hindern. Denn auf der Ostseite liegen Gebiete mit gezähmten, gezüchteten Rentieren – und zwischen ihnen und den Wildtieren darf nun keinerlei Kontakt mehr möglich sein, wie Knut Horvath Maristuen dem Fernsehsender NRK erklärte.

Zusammen mit drei anderen Aufsehern überwacht er mit Auto, Ski und Feldstecher ausgerüstet die Strasse. Nähert sich eine Gruppe, muss er sie zurückscheuchen. Jedenfalls vorerst noch; in einigen Wochen könnten diese Tiere bereits alle abgeschossen worden sein. Mit dem Ziel, eine grössere Katastrophe für Europas Wildtiere zu verhindern.

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