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ÖSTERREICH: Kopiertes Dorf: Falsche Freunde im echten Hallstatt

Das idyllische Alpendorf Hallstatt gibt es gleich zweimal: Eines ist in Österreich, ein zweites steht in China. Doch der chinesische Klon ist Fluch und Segen zugleich.
Hallstatt ist ein malerischer Ort und für Tausende von Chinesen der klassische Inbegriff von österreichischer Idylle. Dass das Dorf im Salzkammergut überrannt wird, finden die Einheimischen nicht mehr lustig. (Bild: Matej Divizna/Getty)

Hallstatt ist ein malerischer Ort und für Tausende von Chinesen der klassische Inbegriff von österreichischer Idylle. Dass das Dorf im Salzkammergut überrannt wird, finden die Einheimischen nicht mehr lustig. (Bild: Matej Divizna/Getty)

Die Lage am See, die pastell­farbenen Häuschen, der spitze Kirchturm, der kleine Marktplatz mit Brunnen: Man hat sich schnell verliebt ins Alpendorf Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut. So gesehen war es nur menschlich, dass chinesische Architekten vor Jahren beschlossen, die europäische Dorfidylle bei sich zu Hause nach­zubauen. 2012 war Eröffnung im Kreis Boluo in der Provinz Guangdong – samt kleinem Marktplatz, spitzem Kirchturm, pastellfarbenen Häuschen und einem See. Nur auf den Dachstein, der knapp 3000 Meter hoch über Hallstatt thront, verzichteten die Bauherren dann doch.

Am Anfang überwog noch der Stolz

Hallstatts Bürgermeister hatte von den Plänen der Chinesen damals nur per Zufall erfahren. Entsprechend reserviert fielen die ersten Reaktionen der rund 800 Original-Hallstätter aus. Als die Kopie aber erst mal stand, überwog der Stolz. Und die Aussicht auf rosige Zeiten in der Unesco-Welterbe-Region Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut: Der Klon sei «ein Geschenk», freuten sich die Touristiker, «eine tolle Werbung». Das hat sich so bestätigt – allerdings in einem Ausmass, das heute nicht mehr viele Hallstätter als Geschenk ­sehen. Neu-Hallstatt in Fernost kommt so gut an, dass viele Chinesen unbedingt das Original sehen wollen – und sich aufmachen nach Oberösterreich. Nach Schätzungen von Hallstätter Bürgern drängen sich in der Hochsaison bis zu 7000 Besucher am Tag in der Gemeinde. Und immer mehr von ihnen kommen aus Asien – vor allem aus China. Im Ort kursieren Geschichten über Besucher, die sich offenbar in einem Freilichtmuseum wähnen, die schnurstracks in Häuser der Einheimischen marschieren oder ferngesteuerte Drohnen für Fotos und Filmaufnahmen vor Fenstern, über Balkonen und durch Gärten schwirren lassen – immer auf der Suche nach dem unverfälschten Alpendasein. Die Folge ist, dass im Musterdorf nun Informations­tafeln die Besucher vom Drohneneinsatz abbringen sollen. Die plakativen Hinweise sollen ausserdem verhindern, dass die Alpenfreunde Abfall im Hallstätter See entsorgen, ungebeten Privatgrundstücke betreten oder Zigarettenstummel einfach wegwerfen.

Eine mögliche Obergrenze für Tagesbesucher immerhin hat der Bürgermeister von Hallstatt aber schon mal ausgeschlossen. Blöd halt nur, dass sie jetzt im Kreis Boluo in der Provinz Guangdong wohl oder übel auch nachrüsten müssen. (nle)

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© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH

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