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Oh my Bob

Offener Brief an ein Idol
Hans Graber

Lieber Bob Dylan, rund fünf Jahrzehnte ist es her, dass deine Musik erstmals bewusst an meine Ohren gedrungen ist und mich schnell gefangen nahm. Ich befasste mich damals gerade ernsthaft mit Plänen für die Weltrevolution, gewaltfrei, im Sinne der Trias Love, Peace & Happiness, die meinen wilden Krauskopf eine Zeitlang ziemlich in Beschlag nahm.

Persönlich war ich leider immer eher der Theoretiker. Speziell in Sachen Love kam es zu Rückschlägen, wenn wieder so ein blindes Lisi ohne Sinn auch für innere Werte sich von mir abkehrte, warum auch immer. «The answer is blowin’ in the wind.» Du aber, Dylan, warst zu allen Zeiten und Unzeiten da mit deinen Songs, die mir je nachdem Mut, Glückseligkeit und insbesondere Trost spendeten, obwohl (oder weil?) ich die Texte selbst in deutschen Übersetzungen nur sehr bedingt begriff. Deine Musik wurde zu einer Art Soundtrack meines Lebens, bis heute, obwohl dieser Sound sich immer wieder mal gewandelt hat. Wie wir uns auch. «Forever young», das schon, aber halt trotzdem: «The times they are a-changin’.»

Natürlich gab es auch Krisen, speziell in den Achtzigern, als du für meinen Geschmack allzu sehr den strenggläubigen Christen herausgehängt hast, begleitet von diesen dämlichen Chörchen. Aber du hast zu meiner nicht geringen Genugtuung den drohenden Vereinnahmungen der Kurie widerstanden, bist auch nicht Papst geworden und hast die Kurve wieder gekriegt.

Was aber ist jetzt in dich gefahren, Bob? Warum dieses schrullige Getue mit dem Literaturnobelpreis, den du aber dann doch abgreifst, statt ihn – was wirklich cool gewesen wäre – zurückzuweisen? Und dann deine Platten. 2015 ein Album mit alten Schinken, die schon dieser Sinatra und andere besser als du durchgenudelt haben – seltsam, aber warum nicht? 2016 ein zweites Album mit mehr vom gleichen – dann halt. Doch jetzt vor einer Woche ein drittes, ein Dreifachalbum, «Triplicate» (Sony), mit 30 dieser Kamellen, dass einem nach wenigen Minuten die Füsse einschlafen.

Dylan, warum? Was ist es, was dich treibt? Altersstarrsinn? Raffgier? Torschlusspanik? Oder willst du prüfen, wie weit du gehen kannst, um uns doch noch zu entzweien? Geschenkt! Ich steh zu dir, immer, auch wenn du noch ein Dutzend Platten im Stil der letzten drei nachlegen solltest. Kaufen würde ich dir zuliebe ja auch diese, wie alles von dir. Anhören aber wohl kaum. Deshalb: Lass es damit jetzt gut sein, Bobby. «It’s all right, don’t think twice.» Und auch nicht triplicate.

Hans Graber

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