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ORGANE: Die besten Wünsche von der Leber

Für unsere Leber sind die Festtage die anstrengendste Zeit des Jahres. Vor allem dann, wenn wir es übertreiben. Was ihr besonders zu schaffen macht, das hat sie uns gleich selber geschildert.
Rolf App
Alkohol hebt die Feierlaune, hat aber mehr Nebenwirkungen als nur den Kater am Morgen danach. (Bild: Getty)

Alkohol hebt die Feierlaune, hat aber mehr Nebenwirkungen als nur den Kater am Morgen danach. (Bild: Getty)

Liebe Leserin
Lieber Leser

Haben Sie schöne Weihnachten verbracht? Geschenke bekommen? Gut gegessen? Ein wenig getrunken? Das freut mich. Jetzt haben Sie wohl vor, auch an Silvester tüchtig zu feiern. Nichts dagegen. Wenn es denn nicht zu viel wird. Denn wenn Sie tafeln und bechern – und sich anschliessend gemütlich ins Bett legen –, dann habe ich die Arbeit. Und manchmal werde ich richtig wütend und könnte Sie schütteln und rütteln. Vor allem, wenn ich an meine und an Ihre Zukunft denke. Also übertreiben Sie es nicht. Alkohol ist nämlich Gift, für Sie und für mich, Ihre Leber.

Auch wenn Ihnen die Galle hochkommt: Sie ist wichtig

Doch wer bin ich eigentlich? Und vor allem, was tue ich Tag und Nacht? Warum würden Sie elendiglich sterben, wenn es mich nicht gäbe? Was, Sie wissen nichts von mir und kennen nur gerade die geschnetzelte Kalbsleber, die Ihnen vielleicht so schmeckt? Welche Schande! Also, betreiben wir ein wenig Aufklärung. Wie schon gesagt, ich bin die Leber. Ich bin etwa anderthalb Kilo schwer und sitze schwerpunktmässig im rechten Oberbauch. Dort bin ich am Zwerchfell angemacht und bewege mich mit diesem.

Die insgesamt vier grossen Leberlappen bestehen aus einer Vielzahl von winzigen, sechseckigen Leberläppchen mit einem Durchmesser von maximal zwei Millimetern. An deren Ecken befinden sich kleine Öffnungen, durch die kleine Verzweigungen der Pfortader und der Leberarterie verlaufen, und ein kleiner Gallengang.

Jetzt sind wir schon abgeschweift vom Grossen ins Kleine, aber nicht ohne Grund. In der Leber wird die Galle produziert, ein grünlich-gelber, bitterer Saft, der uns unsympathisch ist. Manchmal kommt uns nämlich die Galle hoch. Wichtig ist die Galle gleichwohl, sehr wichtig sogar. Wir brauchen sie im Dünndarm für die Verdauung von Fetten. In der Leber wird jeden Tag ein halber Liter Gallensaft hergestellt. Sind wir gerade nicht mit Verdauen beschäftigt, wird er eingedickt und in der Gallenblase zwischengelagert.

Wenn Sie nun glauben, das sei alles, was ich so tue, dann täuschen Sie sich gewaltig. Ich möchte nicht übertreiben – obwohl ich, so nebenbei gesagt, die grösste Anhangsdrüse des Darmes bin, also doch ein kleiner Riese. Aber auf die Grösse kommt es hier nicht an. Sondern auf Leistung. Und Pflichtbewusstsein. Da bin ich spitze – wenn Sie mir nicht mit Ihrem Lebensstil in die Quere kommen. Worüber wir dann noch reden müssen.

In meinen Zellen kommt ziemlich viel zusammen

Aber nochmals von Anfang an, ich bin nämlich schon wieder abgeschweift. Ich erkläre Ihnen jetzt, was wo reinkommt – und wieder hinausfliesst. Über die Leberarterie kommt frisches, sauerstoffreiches Blut zu mir. Die Pfortader gleich daneben sammelt Blut aus den Gefässen der Verdauungsorgane. Ist es gereinigt, dann fliesst es über die untere Hohlvene zum Herzen und beginnt seinen Kreislauf von vorn.

Mit dem Blut kommen vom Dünndarm her Nährstoffe zu mir. Und Gift. Ich bin nämlich der grosse Verwerter und Entsorger in Ihrem Organismus. Das Nervengift Ammoniak zum Beispiel wandle ich in Harnstoff um, und der landet über das Blut in der Niere und in Ihrer Blase.

Das Fett habe ich schon bei der Galle erwähnt. Sie zerlegt mit ihrer Säure die Fettpartikel, die dann so klein werden, dass sie von der Dünndarmschleimhaut aufgenommen und zur Leber transportiert werden können. Dort kann ich sie dann in Triglyzeride umwandeln, das ist die Speicherform von Fett (die sich bei Ihnen dann als Bauchfett ablagert und Ihr Herz-Kreislauf-Erkrankungs-Risiko erhöht). Das ist ziemlich anstrengend. Ihr Festtagsschmaus macht mir schon deshalb ziemlich zu schaffen.

Alkohol ist schwer zu verdauen

Noch schlimmer steht es um den Alkohol. Nur etwa zehn Prozent dessen, was Sie zu sich nehmen, wird unverändert durch Niere und Lunge ausgeschieden. Neunzig Prozent landet bei mir und beschäftigt mich enorm. Ich wandle Alkohol in Acetaldehyd um. Acetaldehyd schädigt, wenn es in grossen Mengen vorkommt, meine Zellen, und es ist verantwortlich für den Kater danach.

Mal angenommen, Sie sind keineswegs nur Gelegenheitstrinker, dann schweben Sie in akuter Gefahr. Der Fettsäureabbau wird eingeschränkt, Fett wird direkt in meinen Zellen abgelagert. Ich blähe mich auf, jahrelanger Alkoholmissbrauch führt dann dazu, dass Leberzellen absterben. Die Leberläppchen werden verstopft, und ohne funktionierende Leber fallen Sie ins Koma.

Also geben Sie bitte Acht, und übertreiben Sie es nicht bei der Silvestertrinkerei. Dann werde ich zufrieden mit Ihnen ins neue Jahr starten.

Rolf App

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