OSTERN-UMFRAGE: So schöpfen Prominente Hoffnung

Heute ist Ostern, Tag der Hoffnung. Viele Menschen denken dabei an Schicksale, die sie erlebt haben. Die Hoffnung hat dafür gesorgt, dass sie diese überwinden konnten. Prominente sagen, wie sie immer wider Hoffnung schöpfen.

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Ilona Hug und ihr Sohn Seya im Naturschutzgebiet in Horw. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Ilona Hug und ihr Sohn Seya im Naturschutzgebiet in Horw. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

«In schlechten Zeiten muss man ans Gute und ganz positiv denken. Wie auch in guten Zeiten, aber dann noch intensiver», sagt Ilona Hug, die vor zehn Jahren ihren Mann, der ehemalige Kickbox-Weltstar Andy Hug, verlor. Für die 46-jährige Luzernerin, die Katholikin ist, bedeutet der Glaube an Gott und Jesus viel. «Ich gehe in die Kirche», sagt Ilona Hug. «Vor allem auch dann, wenn es mir nicht so gut geht. An diesem Ort der Besinnung finde ich immer wieder zu mir selber. Das gibt mir viel Kraft.» Kraft findet Ilona Hug auch in der Natur: «Beim Spazieren beobachte ich die vielen Naturwunder, beim Wandern in der imposanten Bergwelt merke ich, wie winzig und unwichtig doch manche unserer Problemchen im Gegensatz dazu sind. So schöpfe ich Hoffnung.» Auch bei ganz harten Schicksalsschlägen, wie sie ihn erlebt hat: «Die einzige Hoffnung war damals mein Sohn Seya, der mir so viel Kraft gegeben hat. Ein derart schlimmes Ereignis braucht viel Zeit, die man sich nehmen muss. Zeit, um wieder Hoffnung zu haben, Zeit, um zu verarbeiten, Zeit, um seiner ebenfalls hart geprüften, nächsten Umgebung wieder Stärke geben zu können und Vorbild zu sein. Wirklich ganz vergessen, das wird man indes nie können.»

Für Edith Hunkeler steht fest: «Was passiert ist, kann man nicht ändern. Ich habe immer vorwärts geschaut, mich neu orientiert. Bei einem Schicksalsschlag bringt es einem nichts, in die Vergangenheit zu schauen, man muss in die Zukunft blicken.» Die 37-jährige Luzernerin ist seit einem schweren Autounfall vor 16 Jahren an den Rollstuhl gebunden und feiert seitdem als weltbeste Rollstuhlsportlerin einen sportlichen Erfolg nach dem anderen. Kraft und Hoffnung schöpft sie immer wieder in der Familie, bei ihrem Freund Marc Wolf und in ihrem übrigen Freundeskreis. «Es ist wichtig, dass man Leute hat, die einen unterstützen, die einem zuhören, bei denen man reden und erzählen kann», sagt die Luzernerin. Auch der Glaube hat spielt bei ihr eine Rolle: «Egal, an was du glaubst, der Glaube gibt dir Rückhalt und lässt dich Hoffnung schöpfen. Du kannst dein Leid, deine Sorgen deponieren. Ja, auch ich bete – und zwar in guten und schlechten Zeiten.»

Harte Schicksalsschläge trafen auch den 76-jährigen Paul Wolfisberg: Nach einem Schiffsunglück auf den Philippinen ist der Sohn des ehemaligen Fussball-Stars aus dem Luzernischen Horw verschollen, vor zwei Jahren starb seine Frau nach über 50 glücklichen Ehejahren. Der Mann mit dem legendären Bart findet immer dort halt, wo er Zeit seines Lebens sein Glück gefunden hat: Beim Fussball. «Ich besuche ständig Fussballspiele, im In- und Ausland», erklärt der ehemalige Captain des FC Luzern (Cupsieg 1960). «Ich mache das gerne, es ist meine Leidenschaft in guten und schlechten Zeiten. Im übertragenen Sinn heisst das, dass man sich Gutes tun muss, wenn es einem nicht gut geht. Man soll das machen, was man am liebsten tut. Das stimmt einen fröhlich und zuversichtlich, man schöpft Hoffnung.» Als religiöser Mensch bezeichnet sich der Ex-Natitrainer (1983 bis 1985) nicht. «Ich bin einfach dabei», schmunzelt er. «Allein das gibt einem ja auch Halt. Und Schicksalsschläge kommen halt vor im Leben. Ich denke einfach nicht an sie.»

Familie und Freunde – das sind die Hoffnungsquellen Nummer 1 für Vera Kaa. «Das ist ja klar», sagt die Erfolgssängerin. «Aber es gibt für mich auch innere Quellen, um in der Stille zu mir selber zu finden.» Hoffnung schöpft die 50-jährige Luzernerin in kleinen Ritualen: «Ich zünde zum Beispiel am Abend eine Kerze an. Oder ich feiere Feste mit Freunden. Wichtig finde ich auch, dass man sich Auszeiten gönnt, in denen niemand etwas möchte von einem, in denen man ganz allein für sich zurücklehnt und nachdenkt.» In ihrem Leben wurde die zweifache Mutter, die Kraft und Hoffnung vor allem auch in der Musik und auf der Bühne findet, zum Glück nie von ganz harten Schicksalsschlägen getroffen. «Dafür bin ich sehr dankbar», sagt sie. «Es tut sehr weh, wenn man etwa Freunde verliert. Auch meine zweite Operation wegen meinen Knieproblemen war nicht gerade lustig.» Aber in der Welt, in der es täglich so viele schlechte Nachrichten gibt, finde sie immer wieder so viel Positives, so viele Quellen der Hoffnung. Kaa: «Man braucht doch etwa nur rausgehen in die Natur und sofort kann man ihre Schönheit geniessen. Hoffnung schöpfe ich auch in einer Art von Gebet, zum Beispiel eben ein Gebet zur Natur.»

Allein im diesjährigen Osterprogramm von Elisabeth Kopp lassen sich zahlreiche Quellen von Kraft und Motivation finden. Die erste Bundesrätin der Schweiz (1984 bis 1989) wird unter anderem in einer reformierten Kirche Musik aus Barock und Klassik geniessen, einen Freund in einem Pflegeheimen in der Ostschweiz und Freunde in Bern besuchen sowie zum zweiten Mal das Buch «Kurs auf den Eisberg» von Joseph Weizenbaum lesen. «Ich höre gerne Musik aller Art und ich lese auch gerne», erzählt die ehemalige FDP-Spitzenpolitikerin. «Dabei entspanne ich mich und tanke viel Kraft.» Motivation findet die 73-jährige Zürcherin in einem Gedanken aus dem Buddhismus: «Was immer man macht und denkt, das ist Energie. Sie wandert vielleicht irgendwo ins Weltall. Weil sie aber nicht vernichtbar ist, zeichnen wir mit unserem Tun für immer dafür verantwortlich.» Das müsse einem stets vor Augen sein und auch darum gehöre es auch dazu, anderen Menschen Hoffnung zu schenken, ihnen Gutes zu tun. Wie hat Elisabeth Kopp ihren Rücktritt als Bundesrätin vor 20 Jahren verkraftet? In erster Linie durch ihren vor gut einem Jahr verstorbenen Luzerner Ehemann Hans W. Kopp, sagt sie. «Er und unsere Tochter Brigitt, sind das grösste Geschenk in meinem Leben, Mein Mann war sehr stark und von einer ungewöhnlichen Ruhe und Gelassenheit. Das hat mir viel Kraft gegeben. Alleine hätte ich das nicht geschafft.»

André Häfliger