OTTO INEICHEN: «Die Trophäe kommt auf meinen Bürotisch»

Otto Ineichen ist Politiker des Jahres. Im Interview sagt der 68-jährige FDP-Nationalrat, was er mit dem Swiss Award macht. Und er fordert die Einsetzung einer PUK im Finma-Schlamassel.

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Luzerns Regierungspräsident Anton Schwingruber (rechts) gratuliert Politik-Awardgewinner Otto Ineichen. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Luzerns Regierungspräsident Anton Schwingruber (rechts) gratuliert Politik-Awardgewinner Otto Ineichen. (Bild André Häfliger/Neue LZ)

Gefällt Ihnen eigentlich die gewonnene Trophäe rein optisch?

Otto Ineichen: Ja, ich finde die silberne Säule mit der glasig gefassten Schweiz ganz oben schön. Es ist eine moderne Trophäe von bleibendem Wert, die symbolisiert, dass unser Land und seine Interessen ganz zuoberst stehen. Und sie erfüllt auch noch einen Zweck: Ihr Herz besteht nämlich aus einer soliden Schweizer Uhr mit Datum.

Wo wird die Trophäe zu stehen kommen?

Ineichen: Ich werde sie mitten auf meinen grossen Sitzungstisch in meinem inzwischen 18 Jahre alten Büro in Sursee stellen. Das ist der regelmässige Treffpunkt auch der Repräsentanten meiner drei wichtigsten Projekte, «Speranza», «Energie-Allianz» und «kmuNEXT». Ihnen gehört schliesslich ein grosser Anteil an diesem Award.

Wie haben Ihre Mitkonkurrenten Johann Schneider-Ammann und Pierre Kohler reagiert?

Ineichen: Sie gehörten zu den ersten Gratulanten. Mit ganz geteilter Freude nahm ich die Glückwünsche von Johann Ammann-Schneider entgegen, der es genauso verdient hätte wie ich und der für unser Land Hervorragendes leistet. Sehr gefreut und gerührt hat mich die Anwesenheit des Luzerner Regierungspräsidenten Anton Schwingruber, der «auf gut Glück» eigens mit seiner Ehefrau Lisbeth ins Hallenstadion angereist war und so ebenfalls zu den ersten Gratulanten gehörte.

Konnten Sie nach der langen Feiernacht wenigstens einen ruhigen Sonntag geniessen?

Ineichen: Weniger. Schon um 10.30 Uhr hielt ich ein Referat vor über 300 Gästen in Egg bei Uster. Auch da waren die Echos sehr rührend und ich durfte am Schluss wieder einige Spenden für meine Projekte entgegennehmen. Etwa von einer 85-jährigen Frau, die mir sagte, sie habe nicht viel – aber etwas von dem wolle sie doch von Herzen an «Speranza» spenden. Danach traf ich mich mit Vertretern dieser Stiftung zum Mittagessen und gab den ganzen Tag auch noch etliche Interviews.

Post-Präsident Claude R. Béglé gehörte auch zu den Award-Gästen. Braucht es im Post-Knatsch eine PUK?

Ineichen: Nein, denn die Politik darf sich schliesslich nicht überall einmischen. Ich meine, der Bundesrat und die parlamentarische Geschäftsprüfungskommission sind in der Lage, diese Probleme zu lösen. Im Übrigen halte ich den Entscheid, Jürg Bucher als neuen Postchef einzusetzen, angesichts seiner Verdienste bei der PostFinance für gut.

Und wie kommen wir aus dem Finma-Schlamassel wieder raus?

Ineichen: Rein rechtlich gesehen mag der Entschied, die Kundendaten an die USA herauszugeben, falsch gewesen sein. Volkswirtschaftlich aber wurde richtig gehandelt. Wir hatten volkswirtschaftlich gar keine andere Wahl, um einen grösseren Schaden zu vermeiden. Zudem sind die US-Interessen nachvollziehbar. Auch wir üben Druck unter den Kantonen aus, wenn es um mögliche, weg fliessende Streuererträge geht, wie etwa der «Fall Obwalden» zeigte. Der Kardinalfehler hat die damalige Führungscrew der UBS begangen. Sie hätte die Daten herausgeben müssen, was die Abwahl der Crew zur Folge gehabt hätte. Jetzt braucht es Transparenz im Interesse alle Beteiligten. Dies ist nur mit dem Einsatz einer PUK zu schaffen.

Interview von André Häfliger/Neue LZ