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PARIS: Mélanie Ségard sagt im TV das Wetter an

Mélanie Ségard wollte schon immer das Wetter am Fernsehen ansagen. Am Dienstag geht der Wunsch der jungen Französin mit Down-Syndrom in Erfüllung.
Stefan Brändle, Paris
Mélanie Ségard erobert Frankreichs Herzen im Sturm. (Bild: Unapei/Glory Paris)

Mélanie Ségard erobert Frankreichs Herzen im Sturm. (Bild: Unapei/Glory Paris)

Stefan Brändle, Paris

Einige wissen schon, welches Wetter diese Woche herrschen wird. «Ihr Lächeln, Ihre Entschlossenheit und Ihre Lebensfreude können die Sonne nur zum Scheinen bringen», schrieb ein User auf Facebook. Eine andere Userin fügte an: «Hübsche junge Frau, mit einem so schönen Lächeln werden Sie alle Wolken zum Schmelzen bringen.» Es ist offensichtlich: Die Franzosen, schon immer empfänglich für weiblichen Charme, sind wieder einmal hin. Angetan hat es ihnen Mélanie Ségard, eine 21-jährige Französin mit Down-Syndrom, das heisst mit verändertem Erbgut.

Die junge Frau trägt das Chromosom 21 dreimal in jeder Körperzelle, nicht zweimal wie bei den meisten Menschen üblich. Deshalb spricht man auch von Trisomie 21. Auf ihrer Facebook-Adresse meinte Mélanie selbst, sie sei «anders». «Aber ich will allen zeigen, dass ich eine Menge Dinge tun kann. Das will ich beweisen, indem ich am Fernsehen auftrete.» Denn ihr Traum sei es, das Wetter anzusagen. Und wenn sie 100 000 Likes erhalte, gehe ihr Wunsch in Erfüllung.

Mehr als 200 000 Likes

Der Aufruf «Mélanie kann es» erging in Kooperation mit dem französischen Verband Unapei, der sich um geistig behinderte Menschen und Familien kümmert. Ohne jede Werbung kamen in zwei Tagen über 100 000 «gefällt mir» zusammen; mittlerweile sind es mehr als 200 000. Die meisten Kommentare erfreuen sich ganz einfach an Mélanies Lachen. Und das ist nicht ihr einziges Talent. Schon vor ihrem grossen Auftritt morgen Dienstag nahm sie an einer Vorabend-Talkshow teil. Die kleingewachsene Frau – Menschen mit Down-Syndrom entwickeln sich nun einmal langsamer als andere – verschwand fast unter dem Tisch, an dem lauter Debattierprofis sassen. Auf die erste Frage, ob sie mit ihrer erfolgreichen Nominierung für den Wetterbericht gerechnet habe, meinte Mélanie wie selbstverständlich «oui, oui».

Ihr Begleiter von der Unapei versuchte die Umstände des speziellen Fernseh-Castings zu schildern, doch was Mélanie Ségard sagte, blieb dem TV-Publikum eher haften: «Ich mag halt die Sonne, den Regen, sogar den Winter – alles!» Damit war das Eis endgültig gebrochen, und die Fernsehzuschauer erfuhren, dass es gar nicht so einfach ist, aus dem Stand einen mehrminütigen Wetterbericht zu vermitteln. Mélanie wird von der Chefansagerin von France 2 unterstützt werden. Aber sie trainiert täglich für den grossen Auftritt zur besten Sendezeit um 20.35 Uhr. «Personen mit Down-Syndrom sind zu Grossleistungen fähig, wenn man sie entsprechend begleitet», meinte ein Sprecher des Behinderten­verbandes. Die Wettervorhersage mit einer behinderten Person ist für Frankreich ein Novum. Vor einigen Jahren hatte eine junge Frau mit Trisomie 21 bereits ­einmal die Morgenschlagzeilen eines kleinen Infosenders verlesen. France 2 ist hingegen der grösste öffentlich-rechtliche Landessender; mehrere Millionen Zuschauer verfolgen die Wetterberichte.

Noch steht nicht fest, ob es bei einem einzigen Auftritt von Mélanie Ségard bleiben wird. Ihr Verband ist schon froh, das erste Ziel der Operation erreicht zu haben, die Sichtbarkeit von Behinderten mit Down-Syndrom oder anderen Krankheiten zu erhöhen.

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