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PATRONIN: Aus ihrem Hals floss Milch

Von der eitlen Königstochter zur Märtyrerin: Die heilige Katharina ist eine Legende, ihr Patrozinium ist in unserer Region stark verbreitet. Morgen feiern die Christen ihren Gedenktag.
Andreas Faessler
In Haltikon bei Küssnacht SZ steht eine der zahlreichen Katharinenkapellen der Zentralschweiz. Ihr Hochaltar birgt eine besonders schöne Katharinenfigur mit allen Attributen.

In Haltikon bei Küssnacht SZ steht eine der zahlreichen Katharinenkapellen der Zentralschweiz. Ihr Hochaltar birgt eine besonders schöne Katharinenfigur mit allen Attributen.

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Die hl. Katharina von Alexandrien, deren Gedenktag die Katholiken morgen feiern, ist in unseren Breitengraden allgegenwärtig. Ihr Name findet sich häufig in Flurbezeichnungen wieder; Weilern, Dörfern und Städten steht sie Patin, zahlreiche Katharinenkapellen liegen verstreut in den katholischen Gebieten. Ausserdem ist Katharina die Patronin der Stadt Freiburg im Üchtland und des Kantons Wallis sowie dessen Hauptstadt Sitten.

Gemeinsam mit Barbara von Nikomedien und Margaretha von Antiochia bildet Katharina von Alexandrien das im Volksmund «drei heilige Madeln» genannte Dreiergespann der Nothelfer, welche zugleich Jungfrauen («virgines capitales») und Märtyrerinnen waren. Wie bei Barbara und Margaretha ist die Figur der hl. Katharina mehrheitlich aus der Legendenbildung hervorgegangen. Umso bemerkenswerter ist es, dass sie in der katholischen und orthodoxen Kirche als eine der mächtigsten und höchstverehrten Heiligen gilt, was sich nicht zuletzt in der eingangs erwähnten starken Verbreitung ihres Namens und Patroziniums niederschlägt.

«Verdrehte» Hintergründe

Woraus ist die hl. Katharina von Alexandrien demnach hervorgegangen? Es ist an sich delikat: Vermutlich liegt der Figur der hl. Katharina die heidnische «Märtyrerin» Hypatia zugrunde, eine griechische Gelehrte im christlichen Alexandrien, welche als Angehörige der heidnischen Minderheit auf Geheiss Kyrills von Alexandrien um ca 415 n. Chr. von den Christen bestialisch ermordet worden ist. Die Leidensgeschichte der Hypatia wurde zu einer populären Erzählung, welche erst ab dem 8. oder 9. Jahrhundert – so nimmt man heute an – in weitergespinnter und ausgeschmückter Form für die erfundene Figur der hl. Katharina adaptiert worden ist. Das Martyrium wurde dabei auf die christliche Seite transportiert.

Die wohl im Zuge dessen konstruierte Legende erzählt, dass Katharina im 3. Jh. n. Chr. lebte und die hochintelligente, schöne und unermesslich reiche Tochter des König Costus von Zypern war. Sie soll so eitel gewesen sein, dass sie sämtliche Bewerber um ihre Hand abwies im Glauben, sie seien nicht gut genug für sie. Ein weiser Eremit soll ihr daraufhin gesagt haben, dass Jesus Christus der Mann sei, dem sie sich zuwenden soll. Katharina liess sich taufen und sah des Eremiten Rat in einer Vision bestätigt. In Alexandrien sollte Katharina auf Befehl Kaiser Maxentius’ den heidnischen Riten frönen, was sie ablehnte. Mit ihrer Weisheit und Überzeugung wusste sie sich gar gegen die besten heidnischen Philosophen zu behaupten, welche sich darauf ebenfalls taufen liessen.

Das Martyrium

Kaiser Maxentius liess die Philosophen umbringen und bot nun der klugen Katharina an, sie zu seiner Frau zu machen. Sie weigerte sich, worauf er sie auspeitschen und in den Kerker werfen liess, wo sie von einer weissen Taube, von Engeln und gar von Christus selbst umsorgt worden sein soll. Als sie jetzt auch noch die Gefängniswärter zum christlichen Glauben bekehrte, wies der Kaiser an, die Jungfrau zu rädern und vierzuteilen. Doch zerbarst das Folterrad in tausend Teile, worauf das Volk, die kaiserliche Garde und sogar die Kaiserin vom Glauben der Katharina überzeugt waren. Wutentbrannt liess Maxentius ihr die Brüste abreissen und sie anschliessend enthaupten. Doch anstatt einer Blutfontäne strömte aus ihrem Hals schneeweisse Milch. Engel sollten daraufhin Katharinas Leib durch die Lüfte auf den Berg Sinai getragen haben an die Stelle, wo heute noch das berühmte Katharinenkloster steht.

Eine breite Palette an Patronaten

Ab dem 13. Jh. war Katharina nach der heiligen Muttergottes die meistverehrte Frauenfigur, weshalb kaum jemand anders so viele Patronate innehat wie sie. Sie beschützt die Krankenhäuser, Hochschschulen, Bibliotheken, Philosophen und sonstige Gelehrten, Mädchen, Ehefrauen, Jungfrauen und Nonnen – im Mittelalter war sie überdies die Patronin der Ritter. Sie ist die Schutzmutter der Anwälte, Lehrer, Studenten, Sekretäre, Fri­söre, Schuhmacher, Waffenschmiede, Näherinnen und einer ganzen Reihe weiterer handwerklicher Berufe sowie aller Tätigkeiten, die mit Rädern zu tun haben. Sie wird bei Leiden wie Migräne, «normalem» Kopfweh oder Zungenkrankheit angerufen und hilft bei der Suche nach Ertrunkenen. Diese Liste ist bei weitem nicht abschliessend, zeigt aber bereits zur Genüge, dass die hl. Katharina reichlich zu tun hat.

Kein Rad sollte sich mehr drehen

Dafür ehrt respektive ehrte man sie mit zahlreichen Bräuchen und Gepflogenheiten. Früher wurde ab St. Katharinen bis zur Fasnacht nicht mehr getanzt. Mit ihrem Feiertag begann für Näherinnen und Strickerinnen die Zeit der Zusammenkünfte fürs gemeinsame Handwerk und Geselligkeit. Am Gedenktag selbst durfte sich früher kein Rad mehr drehen, ob in der Spinnstube, in der Mühle oder auf der Strasse – heute undenkbar. In Frankreich nannte man noch bis ins 20. Jh. hinein 25-jährige Frauen, die zu St. Katharinen noch unverheiratet waren, «Cathérinettes». Gelegentlich wird dieser Ausdruck noch heute verwendet.

Darstellungen der hl. Katharina erkennt man insbesondere anhand ihres wichtigsten Attributes – dem zerbrochenen Rad. Krone, Palmzweig und Schwert sind weitere Erkennungszeichen.

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