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Ein weiblicher Don Juan

Am Mittwoch erscheint das Buch über das geheime Leben der schönen Gattin des französischen Premiers. Die Recherchierjournalistin Besma Lahouri bezeichnet Bruni als «Vulkan unter Kontrolle».

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Vulkan unter Kontrolle

Vulkan unter Kontrolle

Stefan Brändle, Paris

Sie zieht die Teleobjektive und TV-Kameras an wie die Männer. Und doch weiss die Öffentlichkeit wenig über die Person Carla Brunis, Spross der italienischen Industriefamilie Tedeschi, einstiges Mannequin und Aktmodell, heute Chansonsängerin und Schauspielerin, dazu noch First Lady im Elysée an der Seite von «Monmari», wie sie Nicolas Sarkozy nennt.

Und was bitte steckt hinter den Katzenaugen dieser perfekten Grazie? «Sie weiss es vielleicht selber nicht», bekennt Besma Lahouri, eine Pariser Recherchierjournalistin, die sich nach dem ebenso enigmatischen Fussballstar Zinédine Zidane dem «Fall Carla Bruni» gewidmet hat.

Empfindlich und berechnend

Lahouri schildert – in den vorab bekannt gewordenen Passagen des am Mittwoch erscheinenden Buches «Carla, une vie secrète» (Carla, ein geheimes Leben) – eine ebenso empfindliche wie berechnende Frau. Eine Frau, die ihre private Freiheit voll lebt und sich schüchtern dem Elysée-Protokoll unterwirft. Stärke und Schwäche in einem oder wie Lahouri schreibt: «Ein vulkanisches Temperament, aber öffentlich ständig unter Kontrolle.»

Am französischen Nationalfeiertag 2009 sei Carla bei der Garden Party im Elysée zum Beispiel frech auf eine ehemalige Mätresse Sarkozys zugegangen. Den Insidern stockte das Herz, doch Bruni lobte die «Ex» für ein gelungenes Presseinterview. Danach flüsterte sie einem ihrer PR-Berater zu: «So muss man es machen, Pierre.»

Dreissig Liebhaber

Zur Selbstkontrolle gehört die Kontrolle ihres Bildes. Auch Lahouris Biografie versuchte das Elysée zu verhindern. Als sich der Grossverlag Flammarion nicht beugte, empfing Bruni in aller Hast zwei willige Journalisten, die nun eine beschönigende «Gegenbiografie» herausbringen, um die Aufmerksamkeit von Lahouris Enthüllungen abzulenken (Michaël Darmon / Yves Derai, «Carla et les ambitieux»). Um eine Gerichtsklage der Sarkozys zu vermeiden, kippte Flammarion diverse Details. So etwa den Namen des Pariser Gesichtschirurgen, der Bruni heute Botox verschreibt, nachdem er ihr Liebhaber gewesen war.

Dass sie dreissig Liebhaber gehabt haben will, besingt Bruni in ihren eigenen Chansons – ein Beleg für Brunis feinen Humor und ihren offenbar angeborenen Sinn fürs Understatement. Das Buch durchziehen reihenweise prominente Lovers, die dem «weiblichen Don Juan» (so eine Bekannte Brunis) reihenweise zum Opfer fielen. «Sie ist eine wahre Tigerin», soll der bekannte Anwalt Arno Klarsfeld dem französische Ex-Kulturminister Jack Lang zugeflüstert haben, als er sie wieder einmal eine Nacht lang vergeblich in Paris gesucht hatte.

«Totale Verführung»

Eine andere Bekannte meint in dem Buch: «Ich habe nie eine Frau getroffen, die sich auf eine so totale Verführung verstand.» Und dies ohne jede falsche Scham. Zu ihrem ersten Ausflug mit ihrer neusten Errungenschaft namens Nicolas Sarkozy habe sie Anfang 2008 gleich drei frühere Liebhaber mitgebracht.

Jetzt hat Carla Bruni ihrem früheren Credo («Monogamie langweilt mich») natürlich längst abgeschworen. Das ist allerdings nicht in Lahouris Enthüllungen nachzulesen, sondern wahrscheinlich in der «offiziellen» Biografie, in der Bruni von ihrem Leben an der Seite des französischen Staatschefs erzählt.